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Thomas Müller schoss in Freiburg sein drittes Saisontor © getty

Trotz des 2:1-Siegs in Freiburg wütet der Bayern-Manager. Ihm geht der Hype um seinen Jungstar zunehmend auf die Nerven.

Von Martin Hoffmann

München - Eigentlich sollte es für Bayern-Manager Uli Hoeneß an diesem Abend keinen Grund für Beschwerden geben.

Sein Team hatte mit dem 2:1 beim SC Freiburg das ersehnte Erfolgserlebnis gefeiert und die Flaute von drei sieg- und torlosen Pflichtspielen beendet.

Aber wie es mit Hoeneß so ist: Grund zur Klage findet er öfters auch, wenn es gut läuft.

Und im Zentrum seines Zorns stand ausgerechnet derjenige, der mit seinem Führungstreffer den Weg zum Sieg ebnete: Thomas Müller.163526(DIASHOW: Bilder des Spieltags)

Die Euphorie nimmt Hoeneß Überhand

Nicht weil er etwas falsch gemacht hätte, sondern weil für ihn die Euphorie um den starken Lauf des Youngsters Überhand nimmt.

Hoeneß reagierte gereizt darauf, dass der Offensivmann frühzeitig mit der Nationalmannschaft in Verbindung gebracht wird.

"Kaum schießt jemand drei Tore, wird schon nach der Nationalmannschaft gerufen", erregte er sich: "Früher musste man ein Jahr so spielen, um nominiert zu werden."

Man solle die Kirche im Dorf lassen, meinte Hoeneß: "Die Nationalmannschaft ist gut genug, um ohne Thomas Müller eine WM zu bestreiten."

Ledern in Richtung Nationalelf

Und wo er schon mal dabei war, lederte er noch ein wenig in Richtung Nationalelf:

"Die Bundesliga spielt nur noch die 98. Rolle. Wir sind doch nur noch Zulieferer für die Nationalmannschaften. Dabei ist bis zur WM nur die Bundesliga wichtig und sonst nichts."

Keine Abhebe-Tendenzen

Es dürfte Hoeneß beruhigen, dass es bei Müller selbst keine Anzeichen dafür gibt, dass ihn der Trubel zum Abheben bringt.

Brav versicherte er nach Abpfiff, dass er seine volle Konzentration dem FC Bayern widme.

"Alles was sonst kommen mag, ist ein Zubrot", erklärte der 20-Jährige.

Festigung fürs Selbstverständnis

Hoeneß' Ausbruch zur Müller-Debatte war noch eine einigermaßen spektakuläre Nachwehe eines ansonsten sehr gewöhnlichen Bayern-Siegs.

Der taugte nicht als Erweckungserlebnis, wohl aber als Festigung für das zuletzt etwas ins Wanken geratene Selbstverständnis der Bayern.

Die präsentierten sich als taktisch geordnete und disziplinierte Einheit, hielten den Ball ständig unter Kontrolle und ließen gegen die durchaus engagierten Breisgauer fast nichts zu.

Van Gaal: "Bin zufrieden"

Einen Schnitzer leistete sich Bayerns Defensive nur beim Freiburger Anschlusstreffer durch Stefan Reisinger in der Nachspielzeit.

"Über das habe ich mich geärgert, das war unnötig", monierte Trainer Louis van Gaal auch: "Dennoch bin ich zufrieden."

Eine Debatte wird das Erfolgserlebnis aber nicht totkriegen: Die um die Treffsicherheit der FCB-Stürmer.

Gomez weiter außen vor

Es hatte eine gewisse Symbolkraft, das der offensive Mittelfeldmann Müller beim 1:0 den Ball verwertete, den die nominellen Angreifer Miroslav Klose und Luca Toni zuvor nicht im Tor untergebracht hatten.

Klose wartet weiterhin auf sein erstes Saisontor, Toni bekam bei seinem Saisondebüt von van Gaal nur ein Lob für seine Mühen ("Er hat seine Rolle gut ausgefüllt").

Und Mario Gomez blieb wieder nur die Jokerrolle - obwohl van Gaal auf 4-4-2 umgestellt und damit Platz für eine zweite Spitze geschaffen hatte.

Spott für Unglücksrabe Cha

Bayerns Stürmer müssen sich bei Müller vor allem für eines verdanken: Dass er traf, bevor Freiburgs Du-Ri Cha sein komödiantisches Eigentor hinlegte.

Hätte ausgerechnet das die 315-minütige Torlos-Flaute des Rekordmeister beendet, der Spott wäre Bayerns Stürmern sicher gewesen.

Den bekam stattdessen nur Cha ab, gegen den sich auch Müller eine ironische Spitze nicht verkneifen konnte: "Er hat einen Superblick für Lücke gehabt. Und die hat er genutzt und eiskalt verwandelt."

Könnte er das grad nur über seine Vorderleute sagen.

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