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Mit Hertha unterwegs Richtung Zweite Liga: Berlins Kapitän Arne Friedrich © imago

Hertha steuert nach der achten Pleiten in Richtung Liga zwei. Funkel droht die harte Welle an. Nürnberg feiert Bunjaku.

Nürnberg - Hilflos, willenlos, chancenlos: Schlusslicht Hertha BSC Berlin steuert nach der achten Bundesliga-Pleite in Serie auf den ersten Abstieg seit 1991 zu.

Eine Handvoll Profis schlich nach dem blamablen Auftritt beim 0:3 (0:2) im ultimativen Keller-Duell gegen den 1. FC Nürnberg noch zur Fankurve.

Doch selbst dort wurden die Versager von den wütenden Anhängern vertrieben.

Der neue Trainer Friedhelm Funkel sah das Drama über 90 Minuten stehend und mit erstarrter Miene an.

Funkel ist bedient

"Wir waren hilflos, und ich bin restlos enttäuscht. Die Spieler müssen endlich begreifen, dass wir gegen den Abstieg spielen", sagte Feuerwehrmann Funkel nach der zweiten Pleite bei seinem zweiten Hertha-Auftritt.

Und weiter: "Da muss man die Ärmel aufkrempeln und nicht Hacke, Spitze eins, zwei, drei spielen."

Am Sonntag im DSF-Doppelpass legte Funkel noch einmal nach:

Veränderungen für die nächsten Spiele angekündigt

"Ich werde herausfinden, wer letztendlich bereit ist, für Hertha BSC die Ärmel hochzukrempeln", sagte der Coach.

"Da haben wir gestern ein paar Spieler zu viel dabei gehabt und die werden im nächsten Spiel mit Sicherheit nicht mehr dabei sein"

Funkel hatte bereits bei seinem Amtsantritt gemutmaßt, dass es der schwerste Job seiner langen Bundesliga-Karriere als Rettungsspezialist werden würde, "aber dass es so schwer wird, habe ich doch nicht erwartet".

Erster Torschuss nach 73 Minuten

Gegen den Tabellennachbarn Nürnberg waren die Berliner in allen Belangen unterlegen, den einzigen gefährlichen Torschuss gab es nach 73 Minuten durch Patrick Ebert.

Die Großverdiener Gojko Kacar und Raffael wurden früh ausgewechselt, Nationalspieler und Kapitän Arne Friedrich fiel nur durch eine dumme Gelbe Karte auf.

Von Arthur Wichniarek war wieder einmal wenig zu sehen. Dennoch nahm Funkel den Polen in Schutz:

"Artur hatte es gestern ganz schwer, weil er kaum Unterstützung aus dem Mittelfeld bekam. Wir müssen versuchen, die Räume zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen viel enger werden zu lassen", sagte Funkel, der jedoch nach vorne blickte:

"Das werden wir in den nächsten Tagen sehr viel trainieren.Jetzt heißt es 'Arbeiten, Arbeiten, Arbeiten!' Dann werden wir da unten auch rauskommen."

Kein Herthaner verdiente sich das Prädikat "bundesligatauglich" - wobei der bemitleidenswerte 19-Jährige Ersatz-Torhüter Sascha Burchert noch die beste Figur machte.

Nürnberg gibt Anschauungsunterricht

"Ich habe nur einen gesehen, der sich gewehrt hat - und das war Burchert. Das ist bezeichnend", sagte Michael Preetz.

Dennoch hofft Funkel bald wieder auf Stammtorhüter Drobny zurückgreifen zu können:

"Er ist von seiner Erfahrung her jetzt ganz wichtig für die Mannschaft", argumentiert der Trainer.

Der Manager ergänzte: "Jeder muss begreifen, dass wir mit dem Rücken zur Wand stehen und es um die Zukunft des Vereins geht."

Mit drei Zählern aus den ersten neun Spielen war Hertha letztmals in die Saison 1990/91 gestartet. Damals folgte der Abstieg und eine sechsjährige Leidenszeit ohne Eliteklasse.

Es fehlt an Allem

"Bei uns hat alles gefehlt: Ballsicherheit, Stellungsspiel, Abwehrverhalten. Nürnberg hat uns vorgemacht, was man im Abstiegskampf tun muss", kommentierte Funkel.

Selbst mit drei Bundesliga-Pleiten in Serie im Gepäck spielte der "Club" vor 38.094 Zuschauern die Gäste an die Wand und hätte noch wesentlich höher gewinnen können.

Nach lediglich vier Toren in den ersten acht Spielen gab es diesmal gleich drei Treffer auf einen Streich.

Bunjaku sieht "die Wende"

"Das war die Wende für uns. Allerdings hätten wir noch mehr Tore machen müssen", sagte Matchwinner Albert Bunjaku nach seinem Doppelpack (26./60.) grinsend.

Der andere Schweizer Daniel Gygax (18.) hatte den Torreigen bei seinem Bundesliga-Saisondebüt eingeleitet.

"Das war auch ein bisschen ein Sieg für Dennis", meinte der nicht nur wegen seiner zwei Torvorlagen überzeugende Mike Frantz danach.

Diekmeiers Allergieschock

Dennis Diekmeier hatte im Abschlusstraining vor dem Spiel einen Allergieschock erlitten, Physiotherapeut Günter Jonczyk und ein per Hubschrauber eingeflogener Notarzt verhinderten Schlimmeres.

Es war so etwas wie ein Weckruf für die Nürnberger, bei denen mit dem Sieg wieder Ruhe um Trainer Michael Oenning eingekehrt ist.

In Berlin kocht dagegen die Volksseele - und Funkel will künftig mit eisernem Besen kehren: "Es wird Veränderungen geben und im Umgang wird es härter und aggressiver werden."

Was passiert im Winter?

Auch Neuverpflichtungen in der Winterpause dürften ein Thema werden, denn "momentan sieht es so aus, als wenn die Qualität nicht ausreicht" (Funkel). Allerdings schränkt der Trainer auch ein:

"Wir müssen kurzfristig Erfolg haben und können nicht auf den Winter warten und hoffen, dass wir dann möglicherweise noch Spieler verpflichten können", sagte Funkel.

"Wir müssen mit dem jetzigen Kader Spiele gewinnen und ich muss mit meinem Trainerteam das Letzte aus den Spielern herauskitzeln."

Bleibt nur ein Trost für die alte Dame, ausgesprochen vom blutjungen Teenager Sascha Beuchert: "Nach dieser Leistung kann es wirklich nur noch besser werden."

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