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Oliver Neuville im Pech. Er traf gegen Berlin zwei Mal den Pfosten © getty

Die Aufstiegs-Euphorie ist in Gladbach längst verpufft. Nach der Heimpleite gegen Hertha BSC Berlin ist Abstiegskampf angesagt.

Mönchengladbach - Vier Niederlagen in fünf Spielen, Schwächen im Spielaufbau und Pech im Abschluss, dazu ein arg angekratztes Selbstbewusstsein.

Borussia Mönchengladbach ist nach der Euphorie über die Bundesliga-Rückkehr gleich wieder Stammgast im Tabellenkeller.

Durch das 0:1 (0:1) gegen Hertha BSC Berlin ist der fünfmalige Deutsche Meister wieder auf einen Abstiegsplatz gerutscht, doch noch läuten im Borussia-Park keine Alarmglocken.

"Wir lassen uns von außen keine Unruhe reinreden. Wichtig ist, dass wir nach dem Spiel die Köpfe oben behalten und es am Dienstag in Cottbus besser machen", sagte Alexander Voigt, den Borussia-Trainer Jos Luhukay wegen seiner Bissigkeit erstmals in dieser Saison aufgeboten hatte.

Wende im Pokal

"Wenn man verliert ist es immer etwas unruhig. Aber wir können aus solchen Spielen wie heute auch Selbstvertrauen holen", sagte Luhukay.

Ausgerechnet das DFB-Pokalspiel am Dienstag bei einer von nur zwei Bundesliga-Mannschaften mit noch weniger Punkten soll die Wende zum Besseren bringen.

"Dieses Spiel ist wichtig für den Verein und die Fans, aber auch für die Mannschaft. Sie kann sich Selbstvertrauen holen für das schwere Spiel in Hamburg", sagte Luhukay.

Sechs Tage nach dem 1:5-Debakel bei Hannover 96 zeigte seine Mannschaft erneut ohne den erfahrenen Patrick Paauwe, der kurz vor Spielbeginn passen musste, zwar eine bessere Leistung.

Defizite im Spielaufbau

Aber auch nur ein Aussetzer in der Abwehr beim Tor von Gojko Kacar in der elften Minute genügte, um auf die Verliererstraße zu geraten.

Zum einen, weil EM-Teilnehmer Oliver Neuville bei seinem ersten Einsatz von Beginn an viel Pech mit gleich zwei Pfostenschüssen hatte und sein in der letzten Saison kongenialer Sturmpartner Rob Friend nach Neuville-Vorarbeit eine hundertprozentige Torchance versiebte.

"Wenn man heute das Spiel sieht, dann waren wir nicht viel schlechter als Hertha. Ich denke, dass die Berliner die glücklichen Gewinner sind", sagte Luhukay.

Zum anderen aber auch, weil vor 43.193 Zuschauern die Defizite im Spielaufbau wieder überdeutlich wurden.

Paauwes fehlt

"Nach dem Seitenwechsel wollten wir noch mehr Druck machen, haben aber zu viele Ballverluste produziert und dadurch Marko Marin, Karim Matmour und unsere Stürmer nicht mehr erreicht. So sind wir nicht mehr oft gefährlich vors Tor gekommen", erklärte Luhukay.

Paauwes ordnende Hand fehlte, seine Rolle konnten weder der Israeli Gal Alberman noch Last-Minute-Einkauf Michael Bradley übernehmen.

Der 21 Jahre alte US-Boy deutete seine Fähigkeiten aber zumindest an und nährte damit die Gladbacher Hoffnungen, dass sich die Mannschaft schon noch entwickeln werde.

Es läuft nicht

"Natürlich läuft es in den ersten Spielen nicht gut für uns, wir müssen aber jetzt einfach unsere Punkte holen. Ich mache mir da keine Sorgen", sagte Jung-Nationalspieler Marko Marin.

Kämpfer Voigt wies aber darauf hin, "dass Hertha ein Gegner ist, den man zu Hause eigentlich schlagen muss".

Zumal die Gäste auch die letzte Konsequenz vermissen ließen. "Wir hätten vor der Pause das 2:0 machen müssen und haben in der zweiten Halbzeit zu langsam gespielt", monierte Trainer Lucien Favre.

"Wenn Neuville nicht den Pfosten trifft, sondern das 1:1 schießt, kann das Spiel noch kippen."

Extra-Lob von Hoeneß

So aber blieb der serbische Olympiateilnehmer Kacar der Matchwinner und kassierte dafür ein Extra-Lob von Dieter Hoeneß.

"Er ist einer, der beides kann, aggressiv verteidigt, aber auch Möglichkeiten nach vorne hat", meinte der Hertha-Manager.

"Die Verbindung zwischen fußballerischer Qualität und seinem Charakter ist das, was ihn so wertvoll macht."

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