Das hat gesessen: Uli Hoeneß und Co. waren nach der Pleite gegen Werder "enorm" angeschlagen, ließen es sich aber nicht anmerken.

Karl-Heinz Rummenigge hat gelernt.

Im vergangenen November hatte Manager Uli Hoeneß dem Vorstandsboss von Bayern München nach dem überflüssigen 2:2 im UEFA-Pokal gegen ein B-Team der Bolton Wanderers dazu geraten, eine Nacht darüber zu schlafen, ehe er vor die Presse tritt.

Rummenigge tat es nicht. Seine im Zustand wütender Erregung getroffenen Aussagen leiteten das Ende der Ära Hitzfeld beim Rekordmeister ein.

Die seelische Verfassung Rummenigges nach dem vereinshistorischen 2:5-Debakel gegen Werder Bremen dürfte ähnlich gewesen sein.

Denn mit einem derartigen Tiefschlag hatten die Münchner nicht gerechnet.

Nach dem 1:0-Erfolg in Bukarest bei der Rückkehr in die Champions League hatte Franz Beckenbauer schon davon gesprochen, dass der FC Bayern des Jahrgangs 2008/09 wieder in der Lage sei, den Titel in der Königsklasse zu gewinnen.

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Dann kam mit Werder Bremen ein personell geschwächter Gegner in die Allianz Arena, dessen Saisonstart nicht zuletzt aufgrund des kargen 0:0 am Mittwoch gegen Anorthosis Famagusta nicht als gelungen zu bezeichnen war.

Da zudem am Samstag das Oktoberfest eröffnet wurde, währenddessen es in den vergangenen 45 Jahren gerade einmal sechs Heimniederlagen gab, gingen die Münchner Profis offenbar mehr oder minder von einem Selbstgänger aus.

"A gmahde Wiesn", wie der Bayer sagt. Wie sonst ist zu erklären, dass sie die eigene Einstellung kritisierten, nachdem das Kind in den Brunnen gefallen war?

Den stärksten nationalen Konkurrenten der vergangenen Dekade trotz dessen bis dato steigerungsbedürftiger Form auf die leichte Schulter zu nehmen, war eine Nachlässigkeit, die kaum nachzuvollziehen ist.

Nicht zuletzt deswegen dürfte Hoeneß und auch Rummenigge der Kamm geschwollen sein. Anders als im November verkniffen sich die Münchner Bosse jegliche spontane Äußerung vor der Presse, um sich nicht potenziell Folgenschweres entlocken zu lassen.

Dass der Trainer im Vorjahr nicht so schlecht war, wie er nach dem Bolton-Spiel erschien, zeigte der Abschied Ottmar Hitzfelds mit dem Double.

Jürgen Klinsmann schon nach einer herben Pleite in eine ähnliche öffentliche Bredouille zu bringen, vermieden die Vereinsoberen daher aus gutem Grund. Doch nach der "Klatsche" (Klinsmann) besteht Redebedarf.

Einen ähnlichen Auftritt darf sich der FC Bayern in naher Zukunft nicht mehr leisten. Denn dann dürfte es Rummenigge schwerlich erneut wortlos an den Journalisten vorbei schaffen.

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