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Friedhelm Funkel (l.) will den Kader der Berliner Hertha "ausmisten" © imago

Hertha, Gladbach und Stuttgart stecken in der Krise. Sport1.de gibt einen Überblick der Brennpunkte der Bundesliga.

Von Thorsten Mesch

München - Neun Spiele, drei Punkte. Mit dieser katastrophalen Zwischenbilanz steht die Berliner Hertha nicht nur mit fünf Punkten Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz am Tabellenende der Bundesliga.

Nach acht Niederlagen in Folge nehmen die Hauptstädter Kurs auf die legendäre Pleitenserie von Tasmania Berlin, das in der Saison 1965/66 zehn Mal hintereinander verlor und am Ende mit 8:60 Punkten als schlechtester Absteiger in die Bundesliga-Geschichte einging.

Trainer Friedhelm Funkel schlägt nun lautere Töne an und droht mit personellen Konsequenzen.

Auch Borussia Mönchengladbach und der VfB Stuttgart stecken tief in der Krise. Der Druck auf Borussia-Trainer Michael Frontzeck und VfB-Coach Markus Babbel wächst. Weitere Niederlagen kann sich keiner mehr erlauben.

Sport1.de gibt einen Überblick der brisantesten Krisenherde der Bundesliga.

HERTHA BSC:

In der Rangfolge der längsten Pleitenserie der Liga liegt die Hertha auf Platz fünf hinter Tasmania, dem 1. FC Nürnberg (1983/84), Arminia Bielefeld (1999/2000, beide ebenfalls zehn) und dem Wuppertaler SV (1974/75, neun).

Alle diese Mannschaften stiegen am Ende der Saison ab, und auch der Hertha droht in der aktuellen Verfassung der Abschied aus dem Oberhaus.

"So, wie wir derzeit auftreten, sind wir nicht einmal zweitligatauglich", gab Kapitän Arne Friedrich nach dem 0:3 in Nürnberg am Samstag zu. Als Quittung gab es am Sonntag für Friedrich und seine Teamkollegen ein Straftraining.

Brandrede und Steigerungsläufe

Nach einer Brandrede in der Kabine ließ Funkel seine Spieler Steigerungsläufe absolvieren.

"Das haben wir gebraucht", sagte Mittelfeldmann Gojko Kacar. "Wir mussten wieder klar werden im Kopf." Der Serbe, nach seiner Verletzungspause noch weit weg von seiner Normalform, wurde in Nürnberg zur Pause ausgewechselt.

Funkel will aussortieren

Andere Hertha-Profis müssen gar fürchten, endgültig aussortiert zu werden. "Ich werde jetzt den Kader auf den Prüfstand stellen und herausfinden, auf wen ich mich verlassen kann", drohte Funkel.

In Nürnberg habe er noch "ein, zwei Schönspieler zuviel dabei" gehabt, erklärte der Coach und kündigte an: "Die werden im nächsten Spiel nicht mehr auflaufen.

Namen nannte er nicht, aber gemeint sein könnten die auffallend schwachen Cicero und Raffael. Auch die vor der Saison gekommenen Artur Wichniarek und Christoph Janker stehen unter kritischer Beobachtung.

"Es geht um die Existenz"

Mit welcher Startelf die Berliner am Sonntag gegen Meister Wolfsburg auch auflaufen werden:

"Wir werden nicht dulden, dass einer nicht alles für den Klub gibt", sagt Manager Michael Preetz, schließlich gehe es "um die Existenz von Hertha BSC".

BORUSSIA MÖNCHENGLADBACH:

Ähnlich mies wie in Berlin ist die Situation in Mönchengladbach. Fünf Niederlagen in Folge kassierte die Borussia, die auf Rang 17 abrutschte und mit sieben Punkten vier Zähler vor der Hertha steht.

Mit der Vorstellung beim 1:2 in Wolfsburg war Trainer Michael Frontzeck dennoch nicht unzufrieden. "Auf die Leistung können wir aufbauen", sagte Frontzeck, "den einzigen Vorwurf, den ich meiner Mannschaft machen kann, ist, dass sie ihre Chancen nicht genutzt hat."

Kein Vorwurf an Bobadilla

Die größte Möglichkeit vergab Raul Bobadilla in der 70. Minute.

Nach einem Zusammenprall der Wolfsburger Diego Benaglio und Alexander Madlung kickte der Argentinier den Ball mit der Hacke aus 16 Metern am leeren Tor vorbei, statt sich in aller Ruhe zu drehen und die Kugel mit der Innenseite einzuschieben.

"Ich dachte, die Szene war abgepfiffen", entschuldigte sich Bobadilla. Das dachten viele im Stadion, auch Frontzek war sich nicht sicher.

"Ich habe die Szene erst im Fernsehen gesehen, Raul war wahrscheinlich etwas desorientiert", sagte der Coach, "ich werde ihn nicht dafür verurteilen, aber er muss aus so etwas lernen."

Gegen Köln unter Zugzwang

Am Samstag gegen Köln kann sich Bobadilla für seinen Fauxpas rehabilitieren. Mit einem Sieg im Derby würde Gladbach die Abstiegsplätze wieder verlassen und wieder am rheinischen Rivalen vorbeiziehen.

"Die Punkte müssen kommen", weiß Frontzeck. Noch stehen Vizepräsident Reiner Bonhof und Sportchef Max Eberl hinter dem Coach, doch das könnte sich nach einer weiteren Niederlage schnell ändern.

VFB STUTTGART:

Für die Schwaben war das 1:2 gegen Schalke 04 die dritte Heimniederlage in Folge. Nur ein Punkt trennt die Mannschaft von Trainer Markus Babbel von einem Abstiegsplatz.

Doch trotz der sportlichen Talfahrt hat der Coach immer noch das Vertrauen der Vereinsführung.

"Irgendjemand wird jetzt sicher die Trainerfrage stellen - wir stellen sie intern nicht", stellt sich Sportvorstand Horst Heldt vor den Coach.

Babbels Maßnahme, den formschwachen Kapitän Thomas Hitzlsperger wieder auf der Bank schmoren zu lassen, brachte nicht den erhofften Erfolg. Auch der Systemwechsel des Trainers fruchtete gegen Schalke nicht.

"Haben gezeigt, dass wir gewinnen wollen"

"Ob flache Vier oder Raute, ob ein oder zwei Stürmer - letztlich geht es darum, das System mit Leben zu füllen", sagt Sami Khedira im "kicker".

"Wir haben gezeigt, dass wir unbedingt gewinnen wollen. Wenn wir künftig weiter so auftreten, kommen auch wieder die positiven Ergebnisse", ist sich der Nationalspieler sicher.

Ob Hertha, Mönchengladbach oder Stuttgart: Positive Ergebnisse müssen her, und zwar schnell. Sonst werden personelle Maßnahmen wohl unausweichlich bleiben.

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