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Kollektives Entsetzen der Bayern um Luca Toni (v.l.) und Ze Roberto © getty

Ausflüchte bemühen die Bayern-Stars nach der Klatsche gegen Werder nicht. Aber sie sagen Pardon und geloben rasche Besserung.

Von Mathias Frohnapfel

München - Tim Borowski ist ein Mann der klaren Worte. Keiner, der in einen Satz zweimal ein "vielleicht" und dreimal ein "könnte" einstreut.

Deshalb stellte der Bayern-Mittelfeldspieler am Samstagabend nach der 2:5-Pleite gegen Werder Bremen klar fest: "Wir haben eine desolate Leistung gebracht.

Das Hauptthema ist sicher, dass wir in den Zweikämpfen und im Spielaufbau eine gewisse Lethargie an den Tag gelegt haben."

Der Biss fehlte

Eine Stunde haben die Reporter nach Spielschluss in den Katakomben der Allianz Arena ausgeharrt, um zu hören, wie "Boro" die Blamage gegen seinen Ex-Klub kommentieren würde.

Die Bayern hatten zum Wiesn-Auftakt die Bremer zu Toren eingeladen, als ob es dafür Freibier auf dem Oktoberfest geben würde.

Der nötige Biss habe gefehlt, klagte Borowski, und entschuldigte sich bei allen Fans.

"Als Mannschaft versagt"

Eine bizarre Situation für den 28-Jährigen, erzielte er doch zwei ansehnliche - und doch wertlose - Tore.

Außerdem: Halbzeit eins des Debakels verfolgte der Nationalspieler noch von der Bank aus.

Über seinen eigenen Wert verlor Borowski im Moment der Pleite keine Silbe. Denn: "Wir haben als Mannschaft versagt."

Die Konsequenz vorm DFB-Pokalspiel am Mittwoch gegen Nürnberg: Ab sofort müsse jeder Selbstreflexion betreiben und dürfe keinesfalls bei den Mitspielern nach Fehlern suchen.

Plötzlich wieder einig

Alle für einen. Einer für alle. So sehr wie die Bayern-Elf auf dem Spielfeld zusammengefallen war, sprach sie nun plötzlich mit einer Zunge.

Philipp Lahm konstatierte, "dass wir von Anfang an nicht aggressiv genug waren und Bremen eiskalt die Chancen genutzt hat".

Weltmeister Luca Toni sagte gleichfalls Sorry beim Anhang für die "brutta sconfitta" - die "hässliche Niederlage".

"Lieber einmal 2:5 verlieren als fünfmal 0:1"

Größe hatte zuvor Kapitän Mark van Bommel demonstriert.

Ganz allein war er nach Abpfiff zu den Bayern-Fans auf der Südtribüne geschritten. Die höhnischen Rufe der Werder-Fans - "Und ihr wollt Deutscher Meister sein?" - waren gerade erst verklungen.

Der schleppende Applaus zum Abgang passte zum Trauermarsch des Niederländers.

Lieber "einmal 2:5 verlieren als fünfmal 0:1", kam ihm später noch trotzig über die Lippen.

Wut ohne Worte

Ihre Wut verarbeiteten die Bayern-Bosse derweil wortlos. Eine halbe Stunde berieten sich Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge und Manager Uli Hoeneß im Stadionbauch. Gewiss nicht genug, um die höchste Heimpleite seit 1996 (1:4 gegen Karlsruhe) zu verdauen.

Genug aber, um wenigstens wortlos an den Reportern vorbeizustapfen.

Für die Bayern-Stars war die Niederlage eine Demütigung erster Klasse:

Die Abwehr lief wild durcheinander. Und jedes Tor verunsicherte Keeper Michael Rensing mehr, so dass er besonders bei den Treffern vier und fünf tatkräftig mithalf.

Mehr Gegentore hatte der deutsche Rekordmeister letztmals 1976 zu Hause beim 0:7 gegen Schalke bekommen. Damals stand Uli Hoeneß noch für die Roten auf dem Rasen und die meisten Fußballprofis trugen abseits des Platzes Schlaghosen zu wallendem Haar.

Rotation? "Die kommt automatisch"

FCB-Coach Klinsmann blieb indes tapfer seinem Lern-Credo treu. Beim nächsten Mal werde es seine Truppe schon besser machen.

Rotation? "Klinsi" verdrehte kurz die Augen. Von wegen.

"Für uns ist es wichtig, dass die Mannschaft sich findet. Rotation wird automatisch kommen."

Ein Weckruf?

Der Mann der klaren Worte kam indes zum Schluss - die ersten Reporter hatten schon ihre Diktiergeräte eingesteckt - um ein "vielleicht" nicht herum.

"Vielleicht", sagte Tim Borowski, "war das heute ein Weckruf."

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