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Mesut Özil (M.) erzielte in München sein zweites Bundesligator © imago

Mit einer bärenstarken Leistung beim Bremer 5:2-Erfolg in München deutet der vermeintliche Problemfall seinen möglichen Wert für Werder an.

Von Martin van de Flierdt

München - Als Mesut Özil im Januar dieses Jahres von Schalke 04 zu Werder Bremen wechselte, haftete ihm ein zweifelhafter Ruf an.

Einen weiteren Problemfall nach dem oft und nicht zu Unrecht als solcher bezeichneten Carlos Alberto habe sich der viermalige Deutsche Meister ins Haus geholt, unkten Pessimisten.

Einen teuren zudem, die Ablöseschätzungen reichten von 3,5 bis 4,8 Millionen Euro. Özil galt als geldgierig, weil er in Vertragsverhandlungen mit Schalke ein Jahresgehalt von 1,5 Millionen Euro ausgeschlagen haben sollte.

Und als schwierig, weil er bei den anschließenden heftigen Meinungsverschiedenheiten mit seinem Verein die Schalker Klubführung öffentlich attackiert hatte.

Der damalige "Knappen"-Coach Mirko Slomka kündigte daraufhin an, Özil nie mehr für Schalke spielen lassen zu wollen. All das schreckte Werder nicht.

"Wenn wir schlecht über ihn denken würden, hätten wir ihn nicht verpflichtet", sagte Werders Sportdirektor Klaus Allofs über den 19-Jährigen, der ungewollt, aber nicht ganz ohne eigenes Zutun zwischen die Stühle geraten war. "Er ist eine Investition in die Zukunft."

Zukunft hat begonnen

Diese Zukunft, so legt es zumindest der überzeugende Auftritt Özils beim Bremer 5:2-Coup in München nahe, hat nun begonnen.

Bereits beim 1:1 gegen Schalke am 2. Spieltag hatte er von Beginn an mitwirken dürfen und Werders Tor vorbereitet. Gegen Cottbus brachte seine Einwechslung den entscheidenden Schub, das ersehnte 1:0 Diegos beim 3:0-Erfolg leitete er ein.

Nach einer durchwachseneren Vorstellung beim 0:0 in der Champions League gegen Anorthosis Famagusta legte er bei den Bayern nun die ersten beiden Bremer Tore auf und erzielte als Krönung mit dem sehenswerten 0:3 sein erstes Saisontor (Das Tor in der 3-D-Animation hier noch einmal sehen).

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Zweiter Bundesligatreffer

"Ich bin glücklich, dass es mal wieder ein Bundesligator geworden ist und dass es diesmal auch drei Punkte gebracht hat", meinte der Deutsch-Türke, der bislang nur beim 3:3 am 30. Spieltag der vergangenen Spielzeit in Karlsruhe getroffen hatte. "Ich fühle mich jetzt wohl in Bremen, bin integriert. Anfangs war es schwer."

"Mesut hat sich nicht nur spielerisch weiterentwickelt, sondern auch als Persönlichkeit", lobte Allofs. "Er kann ein ganz, ganz Großer werden." Auch Per Mertesacker und Jurica Vranjes äußerten sich Sport1.de gegenüber positiv über die jüngste Entwicklung des achtmaligen deutschen U-21-Nationalspielers.

"Mesut ist mit großen Erwartungen für die Zukunft geholt worden und wurde kritisch beäugt aufgrund verschiedener Dinge, die nicht auf den Fußballplatz gehörten", erinnerte Mertesacker. "So langsam kommen nun die Antworten auf all die Fragen."

"Özil ist explodiert"

Vranjes bescheinigte Özil, schon seit Monaten sehr gut zu trainieren. "Aber in den letzten Wochen ist er explodiert", behauptete der Kroate. "Und er kann es noch besser." Özil könne Werders "neuer Diego" werden, "weil er ein Typ ist, der immer auf dem Teppich bleibt."

Das Spiel in München, ergänzte Kapitän Frank Baumann, habe bezüglich Özil "die Beobachtungen der letzten Wochen abgerundet".

Bei Werder seien in der jüngeren Vergangenheit aber "häufig genug zu große Ausschläge nach unten vorgekommen". "Die sehr gute Leistung des Bayern-Spiels müssen wir bestätigen", forderte Baumann. "Das gilt auch für Mesut Özil."

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