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Louis van Gaal (M.) und seine beiden Co-Trainer brauchen positive Ergebnisse © imago

Die Situation beim FCB ist kritisch. Doch Louis van Gaal darf in Ruhe arbeiten. Dabei muss seine Art kritisch hinterfragt werden.

Von Daniel Rathjen

Bordeaux/München - Was genau ist Louis van Gaal?

Es ist schwer zu erkennen, wo beim Trainer des FC Bayern die Ironie beginnt und die Ernsthaftigkeit aufhört.

Vor kurzem soll der Niederländer seinen Profis in der Kabine gepredigt haben: "Ich bin wie Gott. Ich werde nie krank - und ich habe immer Recht."

Nun, die Sprachbarriere bereitet dem 58-Jährigen noch Schwierigkeiten.

Es mangelt an Stabilität

Aber der Gott sah in Frankreich, dass es schlecht war. Die Niederlage bei Girondins Bordeaux trifft die Münchner hart. "Wir sind im Moment nicht stabil", analysierte der Coach.

Nach dem bitteren 1:2 (1:2) beim französischen Champion ist der Bundesliga-Sechste auch in der Champions League als Gruppendritter schwer unter Druck.

(DATENCENTER: Gruppe A)

In der Königsklasse droht das Aus

Sein Team liegt mit vier Zählern auf Platz drei hinter Bordeaux (7) und Juventus Turin (5), das Pflichtziel Achtelfinale ist akut in Gefahr.

Eine schlechtere Start-Bilanz in den ersten drei Vorrunden-Spielen der Königsklasse hatte es zuletzt 2002 mit nur einem Punkt gegeben, damals folgte das Aus.

Van Gaals Botschaft noch nicht angekommen

Fest steht zudem, dass van Gaals Botschaft nach fünf Monaten noch nicht bei der Mannschaft angekommen ist.

Dies unterstrich auch der Coach selbst, der auf die Frage, wie er sein Team ändern könne, gereizt antwortete: "Wenn ich das wüsste..."

Bilanz schlechter als unter Klinsmann

Tatsächlich ist seine Gesamtbilanz bei Halbzeit der Hinserie noch schlechter als die von seinem später gefeuerten Vorgänger Jürgen Klinsmann vor einem Jahr.

Obwohl Klinsmann vor einem Jahr in der Champions League zum gleichen Zeitpunkt fast schon das Achtelfinale erreicht hatte, rumorte es bereits gewaltig.

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Im Oktober 2009 ist die sportliche Situation akuter, doch van Gaal kann in Ruhe seiner Arbeit nachgehen.

Bosse werden langsam nervös

Er braucht noch Zeit, die er nicht hat. Die Bosse werden langsam nervös, halten sich aber noch zurück. Gerade weil sie mit ihrem Namen hinter dem Projekt van Gaal stehen.

Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge sagte zu diesem Thema bei der wenig erbaulichen Frankreich-Reise nur, dass "Louis van Gaal weiß, dass wir Erfolg haben müssen".

Präsident Franz Beckenbauer merkte lediglich an, dass der Trainer "ein klein bisschen ratlos" wirken würde. Manager Uli Hoeneß äußerte sich bislang nur selten zu van Gaal.

"Ganzheitliches Prinzip" zu komplex

Dabei gäbe es längst Anlass genug, die Arbeit kritisch zu hinterfragen, was hinter den Kulissen wohl auch passiert. Sein Prozess, sein "ganzheitliches Prinzip" ist offenbar zu komplex für kurzfristigen Erfolg.

Nach knapp vier Monaten, nach Transferausgaben von 75 Millionen Euro, passt nicht viel zusammen. Die logische Folge: Die Ergebnisse stimmen nicht.

Mannschaft wirkt leblos

Die Mannschaft versteht van Gaal nicht, er die Mannschaft nicht. "Wie konnten wir so viele Fehlpässe spielen? Warum haben wir in Bordeaux nach der Führung nicht selbstbewusst gespielt?", fragte er sich.

Weder taktisch noch spielerisch hat es unter Disziplin-Fanatiker van Gaal bisher großartige Fortschritte gegeben, die Mannschaft wirkt phasenweise sogar leblos.

Einige Spieler stagnieren zudem in ihrer Entwicklung (wie Bastian Schweinsteiger) oder sind mit ihrer Situation nicht glücklich (Mario Gomez, Hamit Altintop, Luca Toni, Michael Rensing).

Unmut wegen Training am Spieltag

Wenig erfreut soll das Team auch auf ein Training am Mittwoch vor dem Spiel gegen Bordeaux reagiert haben.

Üblich war bisher ein Anschwitzen. Beim Training ging es laut "Bild" stattdessen intensiv zur Sache, so dass Bastian Schweinsteiger am Abend nur mit Fuß-Bandage agieren konnte.

Angebilch sollen einige Spieler Kapitän Mark van Bommel angesprochen haben, damit er Trainer van Gaal um weniger harte Einheiten vor den Spielen bittet.

Ribery fällt lange aus

Erschwerend ist für van Gaal natürlich die prekäre Personallage.

Die Rückschläge durch die Verletzungen von Kapitän Mark van Bommel, Martin Demichelis, Arjen Robben und vor allem von Franck Ribery sind unglaubliches Pech.

Der Franzose, das einzige kreative Element bei den Bayern, muss möglicherweise sogar bis Ende November pausieren.

"Wir haben die Entscheidung getroffen, dass wir die Verletzung ausheilen lassen wollen", sagt van Gaal.

Van Bommel pausiert gegen Frankfurt

Allerdings sollte das Star-Ensemble auch so - zumindest national - mithalten.

Am Samstag gegen Frankfurt (ab 15 Uhr LIVE) wird er van Bommel und Toni wohl wieder eine Pause gönnen.

Vor ein paar Tagen hatte er erwähnt, dass sie nach ihren Verletzungen noch nicht in der Lage seien, drei Spiele in einer Woche zu absolvieren.

Müllers Pech könnte Gomez' Chance sein

Auch dem Pechvogel von Bordeaux, Thomas Müller würde ein Durchschnaufen gut tun. Das wäre wiederum eine neue Chance für Gomez.

Fakt ist, dass es in allen Wettbewerben jetzt zunehmend enger wird. Van Gaal hat seinen Optimismus noch nicht verloren. "Wir haben ein Spiel verloren, aber nicht den Krieg", sagte er noch in Bordeaux.

Stürmische Zeiten drohen

Er nimmt - ebenso wie der Vorstand - die Mannschaft in die Pflicht und bleibt ruhig.

Bleiben allerdings auch künftig die Siege aus, wird es stürmisch für van Gaal an der Säbener Straße.

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