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MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Die erste Niederlage im 28. Bundesliga-Spiel war für Michael Rensing gleich eine Klatsche © getty

Bayern-Keeper Michael Rensing steht erstmals heftig in der Kritik. Bei der 2:5-Pleite gegen Werder patzte er wie die gesamte Bayern-Abwehr.

Von Mathias Frohnapfel

München - Es ist das Torwart-Schicksal: heute gefeiert, morgen verhöhnt. Und Fehler flimmern in x-facher Wiederholung durch zig Sportsendungen.

Bayern-Keeper Michael Rensing hat sich auf diese Achterbahnfahrt eingelassen.

Seit dem 2:5-Debakel der Münchner im Schlager gegen Werder Bremen liegen jetzt auch seine Fehlgriffe zur allgemeinen Ansicht vor.

Zweifellos ging der fünfte Gegentreffer auf sein Konto, als er sich bei einer Flanke brutal verschätzte. Markus Rosenberg sagte danke.

Spielentscheidend war das lange nicht mehr.

"An guten Tagen hält er alle vier"

Allerdings hatte der 24-Jährige, der in dieser Saison das Erbe von "Torwarttitan" Oliver Kahn angetreten hat, auch vorher alles andere als einen befriedigenden Arbeitstag.

Ex-Nationalkeeper Uli Stein fasste im Gespräch mit Sport1.de die Leistung des Niedersachsen so zusammen: "Vom ersten Tor abgesehen, hat er bei allen Gegentreffern nicht gut ausgesehen. An guten Tagen hält er alle vier."

Lässt sich Ausstrahlung lernen?

Sicher, räumt der frühere Hamburger und Frankfurter Schlussmann ein, habe die gesamte Bayern-Hintermannschaft keine gute Figur gemacht. Doch das Team habe sich auch nicht an Rensing aufrichten können.

Stein kennt nach einer Karriere von 512 Bundesliga-Einsätzen die Härten des Geschäfts. "Rensing fehlt ein bisschen an Aura und Ausstrahlung", meinte der 53-Jährige. "Es ist die Frage, ob er das noch lernen kann oder ob er das nicht drauf hat."

Lattek sieht weiter "großartigen Torwart"

DSF-Experte Udo Lattek unterstützte dagegen Rensing, nannte ihn auch nach der Pleite "einen großartigen Torwart".

Seine Meinung: Solche Partien "muss man einem jungen Torwart zugestehen, oder man muss sofort einen neuen kaufen. Aber Rensing wird es sicherlich schaffen, denn er hat das Talent."

Für Uli Stein muss der Jungspund jetzt durch diese harte Schule, die jeder neue Bundesliga-Keeper zu bestehen habe. Egal, ob Kahn oder ein anderer vorher im Tor gestanden habe.

Keine Kahn-Kopie

Rensing hat bewusst vor der Saison alle Kahn-Vergleiche wie knallharte Schüsse abgewehrt.

"Ich habe noch nie versucht, jemanden zu kopieren oder nachzumachen. Ich ziehe meinen eigenen Stil durch", sagte er im August.

Nach der historischen Heimpleite gegen Werder marschierte Rensing an den Reportern ohne eine Silbe vorbei.

Van Buyten mault Keeper an

Im Spiel hatte sich Rensing bereits einiges gefallen lassen müssen. Verteidiger Daniel van Buyten brüllte ihn an, als er dem Belgier unglücklich in den Rücken gesprungen war.

Das gehöre am Anfang dazu, kommentierte Bayern-Präsident Franz Beckenbauer.

Immerhin: Mehr Rückhalt bekam der Keeper von seinem Trainer. Jürgen Klinsmann sagte im "Aktuellen Sportstudio": "Es gibt gar keinen Torwart, der ohne Fehler gespielt hat. Michael Rensing wird ganz normal seinen Weg gehen, er wird Konstanz aufbauen."

Unter Beobachtung

Dennoch machen die Aussetzer das Torhüter-Leben auf dem Medien-Präsentiertisch FC Bayern definitiv nicht einfacher.

Bereits nach fünf Spieltagen müssen die Roten alles tun, damit ihr junger Keeper - deutlich ruhiger als zuvor "Vulkahn" - nicht in der brenzligen Situation verbrannt wird. Schon im Champions-League-Spiel gegen Bukarest (1:0 für Bayern) hatte Rensing einige Schüsse auf recht unorthodoxe Weise abgewehrt.

Im Sport1.de-Trend waren 56 Prozent der User der Meinung: "Ja. Bayern hat ein Torwartproblem" (Stand, Montag 08.06 Uhr).

"Er braucht Rückendeckung"

Aus Ulis Steins Sicht müssen die FCB-Verantwortlichen ihrem Torhüter jetzt das Gefühl geben, "dass sie zu ihm halten. Er braucht Rückendeckung, dann geht er auch gestärkt aus so einem Spiel hervor."

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