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Mit AZ Alkmaar wurde van Gaal 2009 niederländischer Meister © getty

Der Bayern-Trainer gibt sich vor dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt bescheiden. Ribery muss nun doch nicht operiert werden.

Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel

München - Anders zu reagieren, als man es erwartet, auch das ist ein Markenzeichen von Louis van Gaal.

Ein Wutausbruch eventuell, zumindest aber ein paar feurige Worte - so hatten wohl viele den Bayern-Trainer im FCB-Pressetalk erwartet.

Entsprechend heftig hatten die Medien ja van Gaal und die Bayern nach der Champions-League-Scmach von Bordeaux angegangen.

Und immer wieder wurde vorgerechnet, dass van Gaals Bilanz derzeit schlechter ist als die von Jürgen Klinsmann, seinem Vorgänger. Schließlich machte der FCB unter Klinsmann problemlos die Achtelfinal-Qualifikation in der Königsklasse klar.

Kritik als Reaktion auf FCB-Talfahrt

FCB-Pressesprecher Markus Hörwick hatte daher noch einen Hinweis für die Reporter: Es sei nicht selbstverständlich, dass van Gaal nun Rede und Antwort stehe.

Doch der 58-Jährige donnerte vor der Partie gegen Eintracht Frankfurt (Sa., ab 15 Uhr LIVE) nicht.

Einen Hinweis auf die Arbeitsweise der Medien hatte er allerdings.

"Das ist doch immer dasselbe, wenn die Resultate ausbleiben", antwortete van Gaal auf die einprasselnde Kritik.

Dann blickte er in die Runde und stellte fest, dass sein Satz: "Ich bin wie ein Gott, werde nie krank, und habe immer Recht", aus dem Zusammenhang gerissen sei.

Alles nur wegen der Lederhose?

Schuld an der Fehlinterpretation war aus seiner Sicht das urbayerische Kleidungsstück schlechthin, die Lederhose.

"Ich habe während des Oktoberfests gesagt, die Lederhose passt mir wie einem Gott", erklärte van Gaal. Und fügte an, dass er außerdem seine Spieler habe wissen lassen, mit 58 Jahren sei er nie krank gewesen. Punkt, aus.

Die Medien kritisierte er für die zugespitzte Darstellung: "Das ist nicht ehrlich."

"Ich bin ein Trainer, der hart arbeitet"

Der Bayern-Coach beeilte sich zudem für Aufklärung zu sorgen.

"Wenn ich Gott wäre, würde ich alles gewinnen", sagte er. "Ich bin kein Gott, ich bin nur ein Trainer, der hart arbeitet und sich viel um die Spieler kümmert."

Ziemlich präzise lieferte der Niederländer also die Arbeitsbeschreibung für den Job eines Fußballtrainers. Seine Stärken fügte er prompt an: "Ich kann viel erklären und analysieren."

Warnung vor torhungrigen Frankfurtern

Genau darauf dürfte es vor den beiden Spielen gegen Frankfurt in der Bundesliga und im DFB-Pokal am Mittwoch ankommen.

"Die Eintracht spielt immer, um ein Tor zu machen", ordnete van Gaal gegenüber Sport1.de den Gegner ein. Überhaupt bewertete er den Spielstil der Frankfurter als "nicht so defensiv".

Seine erste Aufgabe sei nun, die Bayern-Profis wieder aufzurichten.

"Ich spreche jetzt mehr mit den Spielern"

"Ich spreche jetzt mit den Spielern mehr als vorher", sagte er zur Vorbereitung auf die beiden Spiele gegen die Hessen. Nach Niederlagen sei das umso wichtiger.

Ob ihm der Druck nicht zu schaffen mache? Van Gaal schaute kurz irritiert, dann blieb er bei seiner Linie: "Wenn ich darauf antworte, heißt es wieder, ich bin arrogant."

Noch vor einer Woche hatte er den Journalisten vor dem Freiburg-Spiel mit auf den Weg gegeben: "Wenn ich jetzt weg wäre, wen sollte Bayern dann verpflichten? Ferguson, Capello? Die sind vielleicht erfolgreicher, aber besetzt."

Mit einem undurchdringlichen Panzer schien van Gaal in dem Moment ausgerüstet. Die öffentliche Meinung interessierte ihn - freundlich gesagt - nicht übermäßig.

Ribery wird nicht operiert

Anders an diesem Freitagnachmittag. Der Niederländer gab freimütig Auskunft über Arjen Robben, der gegen Frankfurt nicht von Anfang an spielen werde, und Franck Ribery, dem man eine Operation ersparen könne.

"Ich denke, dass dies eine gute Entscheidung ist. Ich habe mit ihm vereinbart, dass er die Verletzung erst ganz auskurieren muss", sagte van Gaal. Er hoffe, dass die Verletzung an der Patellasehne schneller heile als man jetzt denkt.

Demichelis soll gegen Bordeaux spielen

Zudem schilderte der Coach offen seine Pläne, dass Innenverteidiger Martin Demichelis spätestens zum Champions-League-Heimspiel gegen Bordeaux (3. November) in die Startelf zurückkehren soll.

Im dunklen Anzug und roter Krawatte antwortete van Gaal mehr als 20 Minuten auf sämtliche Fragen.

Dabei klärte er am Ende auch darüber auf, dass er das Wörtchen "arrogant" in seiner ersten Pressekonferenz im Juli anders gemeint habe.

In den Niederlanden, meinte der 58-Jährige, habe das längst nicht so einen negativen Klang wie in Deutschland. "In Holland heißt das, dass ein Mensch viel Selbstvertrauen hat."

Zumindest in diesem Punkt überraschte van Gaal nicht.

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