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Thomas Tuchel führte die Mainzer A-Jugend in diesem Sommer zum Meistertitel © getty

Mainz befindet sich nach dem 3:0 gegen Freiburg im Freudentaumel. Trainer Thomas Tuchel macht FSV-Ikone Klopp fast vergessen.

Mainz - Thomas Tuchel sprang auf den Zaun vor der Mainzer Fankurve und ließ sich minutenlang feiern.

Als die Effektivität des eiskalten FSV haushoch über die Spielkultur des SC Freiburg gesiegt hatte, legte der ansonsten introvertierte Trainer alle Hemmungen ab.

Erstmals seit seinem Amtsantritt tat es der 36-Jährige damit seinem berühmten Vorgänger Jürgen Klopp gleich.

"Ich hätte es als Unhöflichkeit empfunden, es nicht zu tun. Es war auch eine Auszeichnung für mich", sagte Tuchel nach dem 3:0 (1: 0) der Rheinhessen im Duell der Aufsteiger.

Neuer Liebling

Dank 17 Punkten aus zehn Spielen ist Tuchel längst aus dem langen Schatten von Ikone "Kloppo" getreten und der neue Liebling.

"Wie wir uns stabilisiert haben, das ist allererste Sahne", sagte FSV-Präsident Harald Strutz. 13 von möglichen 15 Punkten hat Mainz am Bruchweg geholt.

Europa League kein Thema

Das Erreichen der Europa League ist aber offiziell noch kein Ziel. "Mit 17 Zählern kann man noch absteigen. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir das regeln", sagte Manager Christian Heidel augenzwinkernd.

Mainz untermauerte mit dem fünften Saisonsieg seinen Status als bester Aufsteiger der Saison eindrucksvoll.

Während Tuchel nach seinem Ausflug in luftige Höhen in die Katakomben eilte, läuteten die Mainzer Anhänger zusammen mit ihren drei Matchwinnern die fünfte Jahreszeit vorzeitig ein.

Starkes Trio

Bei den Klängen der "Humba"-Faschingshymne ließen sie Doppeltorschütze Tim Hoogland (50./85.), Andreas Ivanschitz (24.) und Keeper Heinz Müller hochleben.

Offensivkraft Ivanschitz hatte mit seinem fünften Saisontreffer und seiner insgesamt sechsten Torvorlage seinen Ruf als Top-Scorer der Liga unterstrichen.

Der zu Saisonbeginn von Panathinaikos Athen verpflichtete Österreicher, dessen Einsatz wegen eines Infektes lange Zeit fraglich gewesen war, gab das Lob aber an Tuchel weiter.

"Genießen den Moment"

"Der Trainer schafft es immer wieder, uns neu zu motivieren. Die Ergebnisse geben Selbstvertrauen", sagte Ivanschitz und bewies Bodenhaftung:

"Wir genießen den Moment, aber wissen die Situation einzuordnen."

Müller nicht normal

Auch Müller untermauerte mit zahlreichen Paraden seinen Kultstatus.

"Heinz hat Magneten in seinen Handschuhen. Er zieht die Bälle magisch an", sagte Heidel über den Schlussmann, der auch für Freiburgs Coach Robin Dutt der mitentscheidende Mann war:

"Das war nicht mehr normal, was Müller rausgeholt hat."

Bittere Niederlage für Freiburg

Einen Tag nach seiner Vertragsverlängerung bis 2012 war Dutt die Enttäuschung nach der dritten Niederlage in Folge anzusehen.

Zum wiederholten Male standen die Freiburger nach einer guten Leistung, aber auch einer haarsträubend schlechten Chancenverwertung (17:11 Schüsse) mit leeren Händen da.

"Es ist bitter, wenn am Ende so eine deutliche Niederlage steht. Ich kann meiner Mannschaft gar keinen großen Vorwurf machen, aber wir hätten die Chancen besser nutzen müssen", sagte der 44-Jährige.

Pechvogel Bechmann

Symptomatisch für die fehlende Effektivität: Tommy Bechmann verfehlte in der 46. Minute das leere FSV-Tor.

"Wenn Tommy Bechmann in der 46. Minute den Ausgleich macht, wäre das Spiel anders verlaufen. Ein 1:1 zu dem Zeitpunkt wäre auch nicht unverdient gewesen. Das Spiel war lange Zeit einigermaßen ausgeglichen. Für uns ist es natürlich bitter, dass es am Ende 0:3 ausgeht", bemerkte Dutt.

Obwohl die Abstiegszone immer näher rückt, bleibt Dutt optimistisch: "Ich habe viele Sachen gesehen, auf denen sich aufbauen lässt."

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