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Daniel van Buyten (l.) erzielte sein zweites Saisontor für die Bayern © imago

Der Pflichtsieg gegen Frankfurt beruhigt bei Bayern die Lage. Trotzdem offenbart das Spiel zahlreiche Baustellen beim FCB.

Von Martin Hoffmann und Daniel Rathjen

München - Der Matchwinner vermutete, dass höhere Mächte am Werk waren.

"Der Fußball-Gott war auf unserer Seite", lautete das Spielfazit von Daniel van Buyten, dem Siegtorschützen beim 2:1 des FC Bayern gegen Eintracht Frankfurt.

Und nein, Louis van Gaal war nicht gemeint. Der Trainer hat ja mittlerweile glaubwürdig dementiert, sich ernsthaft als "Gott" bezeichnet zu haben.

Dabei könnte sein Beitrag zum wichtigen Pflichtsieg schon fast als göttlicher Eingriff durchgehen.166305(DIASHOW: Der 10. Spieltag)

Spielentscheidende Eingebung

Vier Minuten vor Schluss vollzog er die taktische Volte, die das Spiel entscheiden sollte:

Er tauschte Stürmer Luca Toni aus und brachte Abwehrmann Martin Demichelis - unter lauten Pfiffen der Fans, die van Gaals Wege hier unergründlich fanden.

Die Idee dahinter erwies sich jedoch als genau die richtige: Der kopfballstarke van Buyten rückte von der Abwehr ins Sturmzentrum - mit bekanntem Ergebnis.

Trainerkritik perlt ab

Je nachdem, wie man zu Bayern steht, kann man das als genialen Schachzug oder als pures Glück bezeichnen.

Das Ergebnis ist dasselbe: Van Gaals dritter Glücksgriff nach den Einwechslungen von Arjen Robben und Mario Gomez - dem Schützen und dem Vorbereiter des 1:1 - beruhigte eine Debatte, die nach dem Spiel noch allgegenwärtig war.

Heftig wie nie zuvor war nach dem 1:2 in Bordeaux die mediale Kritik auf van Gaal eingeprasselt.

Nach dem Erfolgserlebnis gegen Frankfurt konnten die Bayern sie gelassen an sich abperlen lassen.

"Nicht verheiratet - aber fast"

"Das ist ein Thema der Medien", meinte Kapitän Mark van Bommel zur angeblich schwierigen Beziehung der Mannschaft zum Trainer.

"Wir haben ein super Verhältnis", meinte van Gaals niederländischer Landsmann: ?Wir sind nicht verheiratet - aber fast.?

Ähnlich gelassen konnte Manager Uli Hoeneß hinterher behaupten, während des Spiels "nicht nervös" gewesen zu sein: "So lange wir uns Chancen erarbeiten, bin ich das nicht."

"Das Glück erzwungen"

Wobei Hoeneß dann aber doch zugab, kurz vor van Buytens Siegtreffer erstmals in dieser Saison "Bauchschmerzen" gehabt zu haben - im Hinblick darauf was über die Bayern hereingebrochen wäre, hätte es mit dem Dreier nicht geklappt.

Dieses Szenario war auch in den Köpfen der Spieler, wie van Buyten zugab: "Wir wussten, das was los ist, wenn wir das verloren hätten."

Es war ein Antrieb, dass die Bayern am Schluss "das Glück erzwungen haben", wie van Gaal es formulierte.

Systemumstellung mit wenig Wirkung

Doch auch wenn Hoeneß' Bauchschmerzen durch den Siegtreffer schnell vertrieben werden konnten: Er änderte nichts daran, dass die Bayern-Elf in dem Spiel weiterhin ihre Baustellen offenbarte.

Anders als seine Einwechslungen zeitigte eine erneute Systemumstellung van Gaals weniger Wirkung.

Statt einer Doppel-Sechs installierte van Gaal diesmal eine Raute im Vierer-Mittelfeld - mit einem Bastian Schweinsteiger als "Zehner", der sich in der Rolle sichtlich unwohl fühlte.

Genauso wenig funktionierte Anatolyi Tymoshchuk im rechten Mittelfeld. Er agierte derart bieder, dass man sich langsam fragen muss, ob sich Bayern von Zenith St. Petersburg einen untalentierten Doppelgänger des dort so starken Ukrainers andrehen hat lassen.

Hoeneßsche Statistik-Deutung

Auf der Tagesordnung bleibt auch weiter die Sache mit den treffunsicheren Stürmern.

Miroslav Klose wartet weiter auf einen Ligatreffer, Luca Toni vergab mehrere Großchancen und der wieder nur eingewechselte Mario Gomez wurde das 1:1 von Arjen Robben quasi vom Fuß gestohlen.

In die Torjägerstatistik nach hoeneßscher Deutung geht jedoch Gomez als Schütze ein. "Mario hat das Tor gemacht", meinte der Manager: "Das wird ihm jetzt gut tun."

Müller als Flugkünstler

Stoff für neue Debatten lieferte auch der junge Aufsteiger Thomas Müller. Waren es in Bordeaux seine Unbeherrschtheiten, die für Ärger sorgten, waren es diesmal seine Flugeinlagen.

In drei Zweikämpfen mit Frankfurts Abwehrbeißer Maik Franz legte Müller einmal eine klare Schwalbe, zweimal ging er zumindest auffällig leicht zu Boden.

Der 20-Jährige handelte sich dafür wütende Verbalattacken seines temperamentvollen Gegenspielers ein.

Franz im Banner-Modus

Die Journalisten, die sich von Franz nach dem Spiel verbale Giftpfeile von Franz gegen den Jungstar erhofft hatten, wurden aber enttäuscht.

Franz hat auf und neben dem Platz ja gewissermaßen zwei Persönlichkeiten, die im Wesen so unterschiedlich sind wie der stille Wissenschaftler Bruce Banner und sein Alter Ego, der unglaubliche Hulk.

Und Franz hatte wieder von Hulk auf Banner-Modus umgeschaltet, als er zu Müllers Flugeinlagen nur höflich anmerkte: "Das muss nicht sein."

"Das mit den Schwalben muss nicht sein"

Ein Reporter hakte nach und fragte, was er denn auf dem Platz zu Müller gesagt hatte.

"Dass er ein super junger Spieler ist, aber dass das mit den Schwalben nicht sein muss", antwortete Franz und musste selbst dabei schmunzeln.

Es blieben Zweifel zurück, ob das wirklich der genaue Wortlaut war.

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