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Mario Gomez (r.) bejubelt mit Cacau (M.) und Osorio seinen Treffer zum 2:1 © getty

Gomez' Treffer zum 2:1 brachte die Wende für Stuttgart im Derby gegen KSC. Allerdings stand der Torjäger im Abseits.

Von Christian Stüwe

München - Der VfB Stuttgart siegt im Derby gegen den Karlsruher SC. Die Badener müssen gar seit 43 Jahren auf einen Erfolg in der Landeshauptstadt warten.

Doch das 3:1 (1:1) hört sich deutlicher an, als es der Spielverlauf letztlich war. Zumal nach einer starken ersten Hälfte des KSC der Knackpunkt der Partie ein Abseitstor war.

Mario Gomez war bei seinem 2:1 (68.) hauchdünn im Abseits, schwer zu erkennen für Schiedsrichter Peter Gagelmann und seine Assistenten.

Sami Khedira (22.) hatte zuvor die Führung durch Sebastian Freis (8.) ausgeglichen, Ciprian Marica (87.) besorgte die endgültige Entscheidung. Doch der Wendepunkt der Partie war Gomez? Tor, da waren sich alle Beteiligten einig.

"So schnell kann man das nicht verdauen", ärgerte sich KSC-Manager Rolf Dohmen: "Ich bin überzeugt davon, dass das 2:1 Abseits war, so viele SMS habe ich bekommen. Das ist mit Worten nicht zu beschreiben. Das hat die Mannschaft nicht verdient."

"Soll ich sagen, dass es mir Leid tut?"

Sein Stuttgarter Gegenüber Horst Heldt sah die Lage erwartungsgemäß deutlich entspannter.

"Was soll ich sagen? Soll ich sagen, es tut mir Leid?", sagte der VfB-Manager: "Ich bin froh, dass wir gewonnen haben. Wenn es so eine Entscheidung war, wird man das in Karlsruhe bedauern, das kann ich verstehen."

Gomez glaubt an die Gerechtigkeit

Der bärenstark aufspielende Gomez, der einen weiteren Treffer vorbereitete, quittierte die Konfrontation mit den Fernsehbildern mit einem vielsagenden Grinsen.

"Irgendwann wird auch mal wieder Abseits gepfiffen, wenn ich nicht drin stehe. Das gleicht sich sowieso immer wieder aus", bemühte der Nationalstürmer die vermeintliche Gerechtigkeit im Fußball.

"Fühle mich wieder richtig gut"

"Wer sagt, das ist ein klares Abseits, versteht nicht viel vom Spiel", verteidigte Gomez sein Tor und zeigte sich einfach nur glücklich darüber, nach seinem Doppelpack im UEFA-Cup schon wieder ein Tor erzielt zu haben.

Die kleine Krise während der Europameisterschaft im Sommer scheint der Stürmer endgültig überwunden zu haben: "Jeder Spieler wird mal eine Phase haben, in der er nicht so gut trifft. Ich fühle mich wieder richtig gut."

Im letzten Aufeinandertreffen der schwäbisch-badischen Rivalen hatte Gomez' Privatfehde mit KSC-Verteidiger Maik Franz für Aufregung gesorgt. Doch eine Neuauflage blieb aus.

Funkstille zwischen Franz und Gomez

"Es war okay. Wir haben kein Wort miteinander gesprochen. Er hat ein Tor geschossen, Glückwunsch", erklärte Franz nach der Partie.

Die Abseitsstellung lag ihm dennoch schwer im Magen: "Man redet nicht über den Schiedsrichter, aber bis zu dem Tor waren wir die bessere Mannschaft. Das war die spielentscheidende Szene, das ist extrem ärgerlich."

Dohmen setzte noch einen drauf: "Im Zweifel für den Angreifer, das kann ich nicht mehr hören. Abseits ist Abseits. Oder wir müssen das abschaffen."

Individuelle Klasse entscheidet die Partie

Die Niederlage nur an dem eigentlich irregulären Treffer festzumachen, wäre aber zu einfach. Nach einer starken ersten Hälfte des KSC war es vor allem die individuelle Klasse von Spielern wie eben Gomez oder Thomas Hitzlsperger, die den Unterschied machte.

Und auch wenn der VfB nach wie vor in der Kreativzentrale im offensiven Mittelfeld Probleme hat - der enttäuschende Jan Simak wurde zur Pause ausgewechselt - können die Schwaben sich mit nun zehn Punkten wieder Richtung Tabellenspitze orientieren.

Ganz anders der KSC. Nur drei Punkte stehen auf der Habenseite, nach der starken letzten Saison müssen die Karlsruher wieder nach unten schauen.

Offenbach und Wolfsburg die nächsten Gegner

"Wir haben unser Ziel nicht erreicht, hier Punkte mitzunehmen. In der ersten Halbzeit war es ein ganz vernünftiges Spiel von uns, aber nach dem 1:0 waren wir vor dem Tor nicht mehr entschlossen genug", ärgerte sich Trainer Edmund Becker.

Zunächst steht nun für die Karlsruher der Auftritt im DFB-Pokal gegen Kickers Offenbach an. Dann kommt am Sonntag der VfL Wolfsburg nach Baden. Sollten die beiden Spiele nicht erfolgreicher verlaufen, könnte es langsam ungemütlich am Wildpark werden.

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