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David Jarolim (l.) ist seit dieser Saison Kapitän des Hamburger SV © getty

Während Wolfsburg die richtigen Lehren aus dem UEFA-Pokalspiel gezogen hat, haben die Hamburger Konzentrations- und Integrationsprobleme.

Von Michael Schulz

München - "Wir müssen zum richtigen Zeitpunkt unsere Nadelstiche setzen und unsere Chancen nutzen", hatte Dietmar Beiersdorf nach dem enttäuschenden 0:0 der Hamburger im Europacup gegen Unirea Urziceni gefordert.

Die Worten des HSV-Sportdirektor schienen die Wolfsburger besser verinnerlicht zu haben. Denn mit drei gezielten Angriffen binnen 13 Minuten zog das Team von Trainer Felix Magath dem Nordrivalen den Zahn.

Daher musste Beiersdorfer eingestehen: "Wir haben gefühlt das Spiel kontrolliert. Wolfsburg kam drei, viermal vor das Tor und hat die Chancen eiskalt ausgenutzt."

Tore geschenkt

Nach der ersten Saisonniederlage seiner Mannschaft war HSV-Coach Martin Jol gründlich bedient. "Wir haben zwar noch nicht Weihnachten, aber diesmal haben wir ihnen die Tore geschenkt", sagte der Niederländer.

Der 52-Jährige musste mitansehen, dass zwei seiner drei Änderungen in der Startaufstellungen bei den Toren der "Wölfe" auf den Flügeln Schützenhilfe leisteten.

Thimothee Atouba war beim 1:0 einen Schritt langsamer als Torschütze Ashkan Dejagah (15.). Beim zweiten Treffer, diemal über die rechte Seite, sah Jerome Boateng schlecht gegen Sascha Riether aus und dessen Flanke verwertete Alexander Madlung (22.).

"Irgendwann muss ich die neuen Leute ja spielen lassen", verteidigte sich Jol.

Über die Außen spielen

Auch Magath rotierte, doch seine Änderung in der Anfangself - Dejagah für Edin Dzeko - traf.

"Der Trainer hat gesagt, dass wir über die Außen spielen und uns durchsetzen sollen. Das haben wir bei zwei Toren perfekt gemacht", sagte Dejagah, der von Magath den Vorzug vor Edin Dzeko in der Startelf erhalten hatte.

Der Deutsch-Iraner hatte aber noch eine andere Begründung für den Erfolg. "Wir haben von der ersten Minute an Gas gegeben und konzentrierter gespielt als in den Spielen zuvor", sagte er: "Wir haben weniger Fehler gemacht und daher hinten zu Null gespielt."

Mathijsen redelt Tacheles

Dasselbe Urteil konnte Frank Rost über seine Vorderleute nicht fällen, denn das 3:0 von Grafite (28.) war dann ein kollektiver Blackout der Hamburger Viererkette. Kurz danach musste Boateng vom Platz.

Während Rost von einer "großen Enttäuschung" sprach, redete sein Verteidiger-Kollege Joris Mathijsen Tacheles.

"Jede Chance ist ein Gegentor bei uns. Das ist eine einzige Katastrophe. Wir machen Fehler, die nicht passieren dürfen", erklärte der Niederländer. Eine Lösung hatte der Abwehrspieler jedoch auch nicht parat: "Ich weiß nicht, was bei uns passiert, dass wir diese Saison immer 0:2 hinten liegen."

Mangelnde Konzentration

Es war bereits das vierte Mal in dieser Saison - aber in Wolfsburg konnte Hamburg den Rückstand nicht mehr zu drehen.

"Solche Aufholjagden können wir nicht immer schaffen. Das kostet zuviel Kraft", schimpfte David Jarolim. Seine Chance in der 60. Minute war der letzte schwache Versuch, den Anschlusstreffer zu erzielen.

So fordert der HSV-Kapitän seine Mitspieler auf: "Bei solch einfachen Gegentore fehlt es einfach an der Konzentration."

Neuzugänge auf der Bank

Zehn Gegentore haben die Hanseaten schon auf dem Konto, so viele wie in der letzten Saison erst nach 13 Spielen.

Zudem leistete sich Trainer Jol den Luxus, millionenschwere Neuzugänge wie Mladen Petric oder Thiago Neves spät oder gar nicht (Marcell Jansen) zu bringen.

Seine Erklärung: "Wir haben noch einige exzellente Spieler, die sich noch integrieren müssen, damit wir noch stärker sind."

Zu viele Gegentore

Schon einen Schritt weiter ist der VfL Wolfsburg. Die Mannschaft hatte nach dem 1:0 im UEFA-Cup gegen Rapid Bukarest die richtige Lehren gezogen.

"Es wurde auch Zeit, dass wir auch in der Liga erstmal zu Null gespielt haben, denn wir haben bisher schon zu viele Gegentore kassiert", sagte Magath und fügte hinzu: "Dieser Sieg war verdient und absolut notwendig, denn ein viertes Unentschieden hätte uns in der Tabelle ziemlich runtergezogen.".

Zweite Hälfte kontrolliert

Der Trainer freute sich nicht nur über die optimale Chancenverwertung ("eine hundertprozentzige Trefferquote"), sondern auch über die Einstellung seines Teams.

"Der HSV war immer gefährlich und ich bin froh, dass wir die Partie in der zweiten Halbzeit kontrollieren konnten", erklärte der 55-Jährige.

Das war aber auch nicht schwer gegen harmlose Hamburger.

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