Der VfL hat sich nach fünf Wochen intensiver Gespräche und Suche offenbar auf einen Bundesliga-Novizen als Trainer festgelegt.

München/Bochum - Fünf Wochen nach der Entlassung von Marcel Koller hat der VfL Bochum offenbar einen Nachfolger für den Schweizer gefunden.

Heiko Herrlich wird nach übereinstimmenden Meldungen neuer Trainer bei den Westfalen, die sich am 20. September von Koller getrennt hatten.

Herrlich soll laut "Reviersport" den Zuschlag bekommen haben, nachdem Edmund Becker, ehemaliger Coach des Karlsruher SC, dem VfL abgesagt hatte.

Der ehemalige Bundesligaprofi, der allerdings noch beim DFB als Trainer der U-19-Nationalmannschaft unter Vertrag steht, soll am Dienstag oder Mittwoch in Bochum einen Zweieinhalb-Jahres-Vertrag unterzeichen.

Schon am Sonntag auf der Bank?

Schon am Sonntag im Spiel bei Eintracht Frankfurt wird Herrlich demnach auf der Bank sitzen.

Bis zum Montagmittag wollte jedoch keiner der Beteiligten die Einigung bestätigen.

"Fragen zum VfL Bochum möchte ich im Moment nicht beantworten", sagte Herrlich der "dpa" am Montag.

Der ebenso gehandelte Jörn Andersen erklärte, er habe "derzeit keinen Kontakt zum VfL Bochum".

Auch VfL-Sportdirektor Thomas Ernst mauerte am Tag nach dem 1:4 gegen Werder Bremen: "Wir geben zu der Sache bis zum Vollzug keinen Kommentar mehr ab."

Erster Kontakt zum DFB

Immerhin bestätigte der DFB am Montagabend das offizielle Interesse der Bochumer an Herrlich.

"Es gab einen telefonischen Kontakt zwischen Thomas Ernst und DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach. Eine Entscheidung ist völlig offen", sagte Mediendirektor Harald Stenger.

Sollte Herrlich tatsächlich neuer Coach beim VfL werden, wäre die Niederlage gegen Bremen für Interimstrainer Frank Heinemann das fünfte und letzte Pflichtspiel als Verantwortlicher an der Seitenlinie seit Kollers Entlassung gewesen. (DATENCENTER: 10. Spieltag)

Vier Punkte aus vier Bundesligaspielen und das Pokal-Aus gegen Schalke waren zu wenig für das Urgestein, dem Außenseiterchancen auf den Posten eingeräumt worden waren.

Mainz als gutes Beispiel

Offenbar will der VfL nicht mehr auf alte Eisen setzen.

Welchen Effekt die Wahl auf einen unverbrauchten Menschen im Profibereich haben kann, wurde den Bochumern vom FSV Mainz 05 schmerzhaft vor Augen geführt.

Der 36-Jährige Thomas Tuchel, zuvor verantwortlich für die Mainzer A-Junioren und kurz vor Saisonstart für den entlassenen Jörn Andersen zum Chef aufgestiegen, siegte mit dem FSV 3:2 in Bochum.

VfL setzt auf Langfristigkeit

Und auf Langfristigkeit und Kontinuität wird bei den Westfalen ebenfalls wert gelegt. "Die letzten beiden Trainer waren jeweils vier Jahre hier", sagte Sportchef Ernst.

Mit dem einstigen Bundesliga-Rekordmann Herrlich will man beim VfL offenbar etwas aufbauen.

Vor einem Jahr hatte der 1. FC Kaiserslautern mit Sportvorstand und Ex-Nationalspieler Stefan Kuntz versucht, Herrlich vom DFB loszueisen - ohne Erfolg.

Überraschende Wahl

Dass Bochums Wahl nun offenbar auf den fünfmaligen Nationalstürmer fiel, ist überraschend. Denn Erfahrung als Klubtrainer im Profibereich hat Herrlich nicht.

Der einstige Stürmer machte 2005 seine Trainer-Lizenz und arbeitete zunächst als A-Jugendtrainer beim BVB, ehe er 2007 zum DFB wechselte.

Dort erreichte der heute 37-Jährige mit der U 17 im selben Jahr bei der WM den dritten Rang und ist seit August 2008 für die U 19 verantwortlich.

Zwischen 1989 und 2004 bestritt Herrlich 258 Bundesliga-Spiele und erzielte 76 Tore.

1995 wurde er mit 20 Treffern für Gladbach Torschützenkönig und wechselte für die damalige innerdeutsche Rekordablöse von elf Millionen Mark nach Dortmund.

Dort wurde er 1996 und 2002 Deutscher Meister sowie 1997 Champions-League-Sieger und Weltpokalgewinner.

VfL-Angebot als Profi abgelehnt

2000 wurde bei Herrlich ein Hirntumor diagnostiziert, 2001 gab er sein Comeback, fand aber nicht mehr zu alter Stärke zurück.

Kurz vor dem Ende seiner Profikarriere erhielt er ein Angebot aus Bochum, was er jedoch ablehnte.

Wie es aussieht, wird er nun doch noch zum VfL gehen ? als Trainer.

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