Udo Lattek stützt in seiner Sport1.de-Kolumne den Bayern-Trainer. Er empfiehlt ihm aber einen anderen Umgang mit der Mannschaft.

Hallo Fußball-Freunde,

um es gleich zu sagen, ich halte Bayern-Trainer Louis van Gaal für einen erstklassigen Mann.

Aber es kann durchaus sein, dass die Mannschaft überfordert ist. Dann muss ich als Trainer erkennen, dass ich die Mannschaft nicht richtig erreiche.

Und ich muss einen Weg finden, um das Team soweit zu bringen, mich zu verstehen. Ich darf aber nicht arrogant stehen bleiben und sagen: "Ich habe Recht. Was ich sage, wird gemacht. Was ich mache, ist richtig."

Ich muss auf die Spieler zugehen und mit ihnen reden. Auch über die Positionen, die sie einnehmen können, über die Art und Weise und auch über die Taktik.

Ganz klar: Man muss nicht alles übernehmen, was die Spieler sagen. Aber man muss darüber nachdenken und die Konsequenzen daraus ziehen.

Und wenn man merkt, dass die Spieler recht haben, übernimmt man das - ohne in der Öffentlichkeit zu sagen, wenn es schief geht, die Spieler haben das entschieden. Die Verantwortung trägt man immer alleine.

Eine frühzeitige Entlassung von van Gaal wäre übrigens für verschiedene Leute nicht gerade günstig.

Ich würde an van Gaal festhalten. Er ist ohne Zweifel ein Trainer, der schon viele Erfahrungen gemacht hat.

Die Mannschaft muss sich jetzt dem Trainer nähern und der Trainer der Mannschaft.

Das kann man, wenn der Wille vorhanden ist. Aber wenn schon eine Mauer aufgebaut worden ist, kann man die sehr schlecht wieder einreißen.

Ich habe es schon vor Monaten gesagt: Louis van Gaal wäre vielleicht gut beraten, wenn er ein bisschen Luft aus der Atmosphäre rausnehmen würde, indem er sich auf eine fixe Mannschaft festlegt und nur punktuell auswechselt.

Die Spieler haben dann Selbstvertrauen, und er hat sie damit auf seiner Seite. Feinde hat ein Trainer immer. Doch ich sage auch: Wenn ein Trainer nur Freunde hat, hat er was falsch gemacht - damit muss er leben.

Der VfB Stuttgart hat an diesem Wochenende auch in Hannover verloren, steckt damit noch tiefer in der Krise. Dennoch glaube ich weiterhin an die Qualitäten von Markus Babbel. Aus meiner Sicht wird er ein sehr guter Trainer, er verkauft sich sehr gut.

Im Grunde genommen stimmt eigentlich alles. Nur nicht, dass sie die Tore nicht machen. Es wäre schlimm, wenn sie keine Torchancen herausarbeiten würden, aber das machen sie ja.

Das nur an dem Fehlen von Gomez auszumachen, wäre mir zu einfach - es gibt genügend andere Spieler, die Tore machen können.

Aber die Spieler haben Angst, in eine Torsituation zu kommen, weil sie dann versagen könnten und sie dann die Schuldigen sind. Es gibt einen Urknall, wenn sie gegen Bayern spielen und ein frühes Tor machen - dann ist auf einmal alles da.

Es fehlt einfach ein Tor. Es klingt brutal einfach. Aber das ist es auch.

Euer Udo Lattek

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