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Franz Beckenbauer bestritt als Aktiver 103 Länderspiele für Deutschland © getty

Trotz des 2:1-Erfolgs der Bayern gegen Frankfurt kritisieren Franz Beckenbauer und Uli Hoeneß fehlende Spielkultur und Dominanz.

Von Martin van de Flierdt

München - Beim FC Bayern gewöhnen sich die Verantwortlichen nur widerwillig daran:

Die Politik der kleinen Schritte, das aktuell Machbare als Maxime.

Der erst spät herausgeschossene 2:1-Erfolg gegen Eintracht Frankfurt fand nach dem bedenklichen Champions-League-Auftritt von Bordeaux bei den Klubgranden daher auch nur des schnöden Resultats wegen Anklang.

"Jetzt musst du mit dem Primitiven zufrieden sein", drückte es Präsident Franz Beckenbauer bei "Sky" deutlich aus.

Keine Glanzpunkte ohne "Rib und Rob"

"Du kannst jetzt keine Glanzpunkte setzen. Das kannst du, wenn Franck Ribery und Arjen Robben beide wieder da sind."

Bis dahin wird noch einige Zeit ins Land gehen. Diese Übergangsphase macht Beckenbauer durchaus Sorgen.

"Ich sehe nicht, wer jetzt die spielerischen Glanzpunkte setzen kann", räumte der "Kaiser" ein.

"Dann musst du es eben mit der Brechstange probieren."

Hoeneß schwante Böses

Diese Brechstange hieß am Samstag Daniel van Buyten. Bis der Belgier allerdings den erlösenden 2:1-Siegtreffer in der 88. Minute endlich markierte, hatte Uli Hoeneß nach eigenem Bekunden schon mit leichten Bauchschmerzen zu kämpfen.

"Wir hatten uns schon alle ausgemalt, was passiert, wenn wir hier verlieren", gab Bayerns Manager zu.

"Dann wären wir natürlich alle unruhig geworden." .

Eine Diskussion um Trainer Louis van Gaal wäre wohl kaum mehr zu verhindern gewesen.

Hoeneß' Forderung daher: Die Mannschaft müsse in den nächsten Wochen "einfach dominanter" auftreten

"Ein FC Bayern, der seine Spiele nur so lala gewinnt, ist nicht der FC Bayern", erinnerte der Manager an das eigentliche Selbstverständnis des Rekordmeisters. "Mia san mia - das ist nicht das, was wir momentan spielen."

Noch reichlich Luft nach oben

Auch den Spielern ist klar, dass sie deutlich mehr abrufen müssen, wollen sie den hohen Ambitionen gerecht werden.

"Bis zum Leistungslimit ist es noch ein wenig hin", gestand Miroslav Klose. "Aber wir werden jeden Tag besser."

Das ist auch nötig, denn der nächste Monat wird zeigen, wohin die Münchner Reise in dieser Saison geht.

Nach dem DFB-Pokal-Achtelfinale bei Eintracht Frankfurt (Mi., ab 20.15 Uhr LIVE) spielt der FCB in der Liga gegen Stuttgart, auf Schalke und gegen Leverkusen.

In der Champions League warten die Heimpartien gegen Bordeaux und Haifa.

Kritik von Kahn und Effenberg

Die Möglichkeit, kurzfristig internationales Top-Niveau zu erreichen, wird der Mannschaft von ehemaligen Bayern-Größen aber bereits abgesprochen.

"Ihr fehlt die Siegermentalität", sagte Oliver Kahn der "Bild". "Für ganz oben", meint Ex-Kapitän Stefan Effenberg, "reicht die Qualität nicht, vor allem in Europa."

Dass der FC Bayern der Konkurrenz längst nicht mehr die Knie schlottern lässt, bestätigte am Sonntag Frankfurts Vorstandsboss Heribert Bruchhagen im DSF-Doppelpass:

"Die Zeiten, in denen Mannschaften mit Angst nach München fuhren, sind vorbei."

Dass die Hessen nach der knappen Niederlage in der Liga nun im Pokal vor Ehrfurcht erstarren werden, ist daher kaum zu erwarten.

Zur Not muss es also wieder die Brechstange richten.

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