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Felix Magath wurde 2008 mit dem VfL Wolfsburg Deutscher Meister © getty

Nach dem Torfestival gegen den HSV bestätigen die Schalke-Bosse erstmals den gewaltigen Schuldenberg, bleiben aber cool.

Von Martin Volkmar

München - Riesenstimmung herrschte auf Schalke nach dem turbulenten Spitzenspiel gegen den Hamburger SV.

Dabei hatten die Gelsenkirchener trotz einer halben Stunde in Überzahl gerade noch glücklich einen Punkt geholt. (DATENCENTER: 10. Spieltag)

Doch dank des Last-Minute-Ausgleichs von Kevin Kuranyi fühlte sich das 3:3 für Spieler und Fans wie ein Sieg an. 166305(DIASHOW: Die Bilder vom 10. Spieltag)

Nur der Mann, der für den enormen Aufschwung der Königsblauen verantwortlich ist, bremste mal wieder die Euphorie.

Schalke noch keine Spitzenmannschaft

"Es war ein großes Spiel, aber ich war ein bisschen enttäuscht über das Ergebnis. Drei Punkte und ein weniger aufregendes Spiel wären mir deutlich lieber gewesen", meinte Felix Magath.

Trotz Platz vier mit nur zwei Punkten Rückstand auf Tabellenführer Bayer Leverkusen lautete sein ernüchterndes Fazit: "Eine Spitzenmannschaft sind wir noch nicht. Wir sind ein Team mit Perspektiven, das mal ein Spitzenteam werden kann."

Ob der Trainer dazu die nötige Zeit haben wird, erscheint aber angesichts beinahe täglicher neuer Hiobsbotschaften als äußerst fraglich.

Immer wieder Spekulationen um Finanzprobleme

Die "Welt am Sonntag" hatte pünktlich zum Spiel von der Horrorsumme von 250 Millionen Euro Verbindlichkeiten statt der bislang bekannten rund 137 Millionen berichtet, wodurch die Lizenz ebenso stark gefährdet sei wie der Bestand des aktuellen Teams.

Doch so defensiv Magath das sportliche Hoch beurteilte, so offensiv verteidigte er die Schalker Finanzpolitik und dementierte vehement eine kurz bevor stehende Pleite.

"Ich bin optimistisch, dass sich unsere finanzielle Situation schneller verbessern wird als viele glauben und wir in den nächsten Wochen positive Nachrichten in dieser Richtung vermelden können. Die Fans, Mitglieder und Freunde müssen sich keine Sorgen machen", sagte der 56-Jährige.

Magath bestätigt Schuldenberg indirekt

Auch diese Zahl, die da gebracht wird, war schon lange bekannt und ist somit Schnee von gestern. Unsere Zahlen sind allen öffentlich zugänglich und wurden auch von dem damaligen und dem jetzigen Präsidenten bestätigt. Es ist nichts Neues."

Mit anderen Worten: Schalke hat tatsächlich Verbindlichkeiten in der genannten Höhe, die der "kicker" sogar auf 260 Millionen Euro beziffert.

Trotzdem sprach der zuständige Finanzvorstand Peter Peters in der "WAZ" von "medialer Panikmache". Die Zahlen seien schließlich lange bekannt:

"200 Millionen Euro hat die Arena gekostet, 20 Millionen Euro haben wir ins Vereingelände investiert und 80 Millionen Euro in die Mannschaft. Das sind zusammen 300 Millionen Euro. Da der Verein so viel Geld nicht hatte, hat er es sich langfristig geliehen", so Peters.

Tönnies bleibt cool

Davon habe man aber einen Teil schon zurückgezahlt und auch die im Vorjahr von seinem Amtsvorgänger Josef Schnusenberg bestätigte Summe von 250 Millionen Euro weiter reduzieren können.

Daher sagt Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies im Brustton der Überzeugung: "Wir haben alles unter Kontrolle."

Wie lange dies allerdings noch so sein wird, ist höchst fraglich. Denn zum einen häufen sich die Berichte, dass Schalke langsam, aber sicher seine Kreditlinien bei den Banken komplett ausgereizt hat.

Und zum anderen droht angeblich eine Kündigung der so genannten Schechter-Anleihe, bei der der Verein nach jetzigem Stand laut "kicker" noch 67 Millionen Euro tilgen muss und zusätzlich 35 Millionen Euro Zinsen für die Restlaufzeit bis 2025.

Schechter-Anleihe als Problem?

Daher ist der Traditionsklub dringend auf schnelle Einnahmen in Millionenhöhe angewiesen und denkt daher darüber nach, die Schalker Arena an einen Investor oder mehrere zu verkaufen.

Darüber hinaus ist die Reduzierung des übergroßen und nach dem FC Bayern teuersten Kader in der Winterpause fest eingeplant.

"Felix Magath wird sicherlich Spieler in den Markt stellen", sagte Tönnies vergangene Woche bei einem Treffen mit nordrhein-westfälischen Landtagsabgeordneten. Man werde aber keinen Spieler unter Marktpreis abgeben.

Schon gar nicht Manuel Neuer, obwohl dieser nach Aussage von TV-Moderator Günter Jauch in der Winterpause sicher zum FC Bayern wechseln wird.

"Der Manuel ist das Gesicht von Schalke. Ich müsste heulen, wenn wir den verkaufen würden", erklärte Tönnies.

Neuer-Verkauf kein Thema

Und Neuer selber sagte Sport1.de: "Ich habe noch einen langfristigen Vertrag auf Schalke. Ich bin seit meinem vierten Lebensjahr Spieler auf Schalke. Und das möchte ich auch noch lange bleiben."

Magath, der den Nationaltorwart für unverkäuflich erklärt hat, freut sich derweil, dass die Leistung seiner Mannschaft bislang überhaupt nicht unter den Gerüchten leidet: "Die Spieler gehen gut mit der Situation um, von mir aus können wir weiter von Krise reden."

Ob auch die gesamte Schalker Führung gut mit der Situation umgeht, ist die andere Frage. Magath jedenfalls kritisierte am Wochenende mehrfach seinen Vorstandskollegen Peters und will nun sogar einen externen Finanzfachmann einschalten.

Druck auf Peters wächst

Der Druck auf Multifunktionär Peters wächst. Schon fordern erste Stimmen seinen Rücktritt aus dem Aufsichtsrat der DFL, die über Schalkes Lizenzerteilung befinden wird.

Zumal Peters derzeit zu Hause genug zu tun haben dürfte, wie Magaths Forderung deutlich macht: "Von ihm erwarte ich, dass er dieses Konstrukt in den Griff bekommt. Nur so kann die Leistungsfähigkeit des Klubs langfristig gesichert bleiben."

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