Für Sport1.de schreibt der Ex-Nationaltorhüter Toni Schumacher über den Bremer Kantersieg in München und die Qualität der Bundesliga.

Was war das bloß für eine Fußball-Woche!

Mit dem Super-Gau der Bayern gegen Werder als absoluten Höhepunkt. Eine Demontage von historischem Ausmaß und Langzeitwirkung. Der Meister, der Branchenführer - K.o. gegangen und zerlegt. In Einzelteile. Abgewatscht zur Wiesn-Eröffnung. Und jetzt werden ALLE wieder durchdrehen?

Gleich vorneweg: Lasst bitte den Michael Rensing in Ruhe! Wenn ein unbestrittenes Torwart-Talent mit einer minimalen Bundesliga-Erfahrung nun der Grund für die erste Bayern-Krise der Saison sein soll - dann verstehe ich die Welt nicht mehr!

Den Bayern hat gegen Werder ALLES gefehlt. Biss, Kampf, System, Willen. Deshalb: Auch ein Oliver Kahn im Tor - oder ich ? - hätten gegen Bremen in schöner Regelmäßigkeit hinter sich gegriffen, um den Ball aus dem Netz zu holen.

Die Bayern werden spätestens jetzt wissen: Champions League und Bundesliga sind eben zwei Welten. Auch mal anders rum!

Nur beim Meister angestellt zu sein, heißt nicht, dass man den nationalen Titel im Jogging-Trab erkicken kann und dann in der Ruhe-Zone des Trainingsgeländes einen Espresso schlürfen darf. Bukarest ist eben nicht Bremen?

Und damit sind wir WIEDER mittendrin im Thema: Wie gut ist der Deutsche Fußball wirklich? Oder wie schlecht? Ist die Bundesliga eine optische Täuschung, eine sportliche Fata-Morgana? Unsere Klubs international nur Strohpuppen ohne Inhalt?

Ich habe ALLE Kommentare und Reaktionen der Sport1.de-Leser mehrfach gelesen und inhaliert, mir Gedanken gemacht. Kritische, lächelnde, manchmal sogar wütende. Aber: Ich BLEIBE dabei. Die Bundesliga ist für mich GUT. WETTBEWERBSFÄHIG. Auch international.

Weil ich die Bundesliga als GESAMT-PRODUKT sehe und begreife. Als das tägliche Brot. Als Entertainment-Kultur unseres Landes. Und deshalb will ich mal einiges KLARSTELLEN, tiefer gehen als sonst an einem Montag auf Sport1.de!

Wir glorifizieren die anderen Ligen: England spielt schneller, die Stimmung ist besser, Liverpool und Anfield Road, ManU und Old Trafford. Fußball-Geschichte zum Greifen, Anfassen. VÖLLIG RICHTIG.

Aber: das war schon immer so, schon zu meiner aktiven Zeit. Fußball auf der Insel, war und ist der Fußball des Volkes. Ehrlich, gradlinig, hart und klar. Und seit wann ist die Premiere League das Maß der Dinge: Seit Geld durch Investoren in die Klubs gepumpt wird, Super-Stars aus dem Ausland geholt werden, die Vermarktung immer mehr professionalisiert wurde, man die gefürchteten Hooligans in den Griff bekommen hat.

Ausländische Trainer den britischen Fußball-Stil modernisierten und einen eigenen Stil kreierten. Arsene Wenger, Gerard Houllier, Rafael Benitez, Jose Mourinho, Ruud Gullit. Sogar die Nationalmannschaft wurde im fremde Hände gegeben: Sven-Göran Eriksson, Fabio Capello. Die Grundeinstellung in England: Nur das Beste ist gut genug für die Mannschaft. Top-Trainer, Top-Spieler, kein Mittelmaß mehr. In der Spitze.

Wir schauen neidisch nach Spanien: Real, Barca. Und dann? Valencia. Gut. Und dann? Villarreal ist das neue Zauberwort, Atletico Madrid. Jetzt mal ehrlich: Seit Wann?

Villareal ist wie die 1899 Hoffenheim: 2000 aufgestiegen in die Primera Division, 2003 und 2004 für den Uefa-Cup qualifiziert, Stars gekauft wie Riquelme, Sorin, Forlan. 2004/05 erstmals in der Champions League, Halbfinale erreicht. Seitdem Mitglied der Familie der Top-Klubs. Die Infrastruktur: 16.000 Mitglieder, das Stadion "El Madrigal" fasst 23.000 Zuschauer. Ein Klub im Wachstum.

Atletico Madrid: Seit zwei Jahren wird Geld in die Mannschaft gepumpt, konsequent und ohne Rücksicht auf irgendwas. Forlan, Aguerro, Coupet, Ujfalusi. Das Stadion "Vicente Calderon" - eine Bruchbude. Die Vermarktung: Im Vergleich zur Bundesliga nur Mittelmaß.

Hier geht es zum zweiten Teil der Kolumne

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