Trotz Galgenfrist: Markus Babbel ist in Stuttgart gescheitert. Eine Trennung wäre das Beste. Auch Heldt muss sich hinterfragen.

Irgendwann kommt der Punkt, da geht's eben nicht mehr.

Da bleibt das beiderseitig beschworene Zusammenraufen so wirkungslos wie der Gang zum Eheberater. Und am Ende ist die Scheidung für alle Beteiligten das Beste.

Genauso jedenfalls mutet das Verhältnis zwischen dem VfB Stuttgart und Markus Babbel an. Auch wenn sich beide Parteien nun noch mal fünf Tage geben, um die Beziehung vielleicht doch irgendwie zu kitten.

Und dass, obwohl de facto sportlich seit Monaten nichts mehr geht; die Frage also berechtigt ist: Was soll da denn nun ausgerechnet gegen die Bayern besser werden?

Nach dem Absturz in die Abstiegsregion. Nach dem drohenden Aus in der Champions League. Nach dem peinlichen Scheitern im DFB-Pokal.

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Sportchef Horst Heldt mag seinem Teamchef zwar noch ein (wohl letztes) Mal das Vertrauen aussprechen: "Wir haben mit dem Trainerteam und dem gesamten Vorstand die Situation analysiert: Wir werden weiter an diesem Team festhalten."

An der verfahrenen Situation per se ändert das aber nichts. Selbst Heldt muss trotz aller Freundschaft mit Babbel zugeben, es sei nun mal so, "dass im Fußball Ergebnisse zählen".

Dass Babbel die Stuttgarter gegen die Bayern noch betreuen darf, hat allein pragmatischen Grund: Drei Tage vorher einen Nachfolger einzubestellen, gliche einem panikartigen Schnellschuss.

Die VfB-Verantwortlichen werden sich womöglich bald die Frage stellen müssen, ob sie im Krisenmanagement professionell genug gehandelt haben.

Und insbesondere Heldt könnten seine Treueschwüre für Babbel dann zum Verhängnis werden.

Denn: Babbel ist mit seinem Latein eigentlich am Ende, hört sich fatalistisch an, wenn er sagt: "Ich weiß nicht, wie der Verein nach wie vor zu mir steht."

Ein Festhalten an ihm wäre grob fahrlässig und fatal angesichts der drohenden Konsequenzen für die Zukunft.

So bemerkenswert Babbels Leistung in der vergangenen Rückrunde war, als er bei den Schwaben gar zarte Titelträume reifen ließ: In der Gegenwart ist Babbel mehrfach krachend gescheitert.

Zu häufig wechselte er Personal und taktische Marschroute, ohne dass sich dabei Erfolg und spielerischer Fortschritt einstellte.

Zu wenig verstand er es, trotz des teuersten Kaders der Vereinsgeschichte und namhafter Zugänge (Hleb, Pogrebnyak, Kuzmanovic) der Mannschaft neue Qualität einzuimpfen.

Den Weggang der letztjährigen Stuttgarter Tore-Lebensversicherung Mario Gomez hin oder her.

Zu schwach ist zudem des Teamchefs Umgang mit den vermeintlichen Führungsspielern:

Weder Jens Lehmann als Babbels verlängerter Arm auf dem Platz vermag im Team einen Ruck zu entfachen, noch Kapitän Thomas Hitzlsperger, der durch die vorübergehende Verbannung auf die Tribüne anstatt der erhofften Trotzreaktion noch mehr Verunsicherung zeigt.

Und zu stark hat der Trainer-Lehrgang in Köln Babbel letztlich eben doch Zeit und Energie geraubt, um die Kernaufgaben im Ländle vernünftig zu leisten.

Unterm Strich ist Babbel nach wie vor kein fertiger Trainer: Er ist ein Azubi, der sich möglicherweise zu schnell zu viel zugemutet hat.

Und der bei einer weiteren Weiterbeschäftigung noch mehr an Reputation einbüßt als der VfB. Weil von den bestehenden Problemen mindestens das des Trainer-Lehrgangs nicht lösbar ist.

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