Bochums Sportvorstand Thomas Ernst spricht im Sport1.de-Interview über die Beweggründe, Heiko Herrlich als Coach zu verpflichten.

Von Martin van de Flierdt

München/Bochum - Seit dem späten Dienstagnachmittag ist Heiko Herrlich offiziell neuer Trainer des VfL Bochum. 168003(Diashow: Heiko Herrlichs Karriere)

"Im Fußball ist es wie in der Natur: Die starken Tiere fressen die schwachen", sagte der 37-Jährige bei seiner Vorstellung. "Laut Tabelle gehören wir gerade zu den schwachen Tieren. Aber ich werde nicht gerne gebissen." (DATENCENTER: 10. Spieltag)

Herrlich will mit dem VfL-Team möglichst schnell ein Trainingslager beziehen: "Die Jungs sollen mich besser kennenlernen, und ich will sie besser kennenlernen."

Sein unverbrauchter Arbeitsansatz war für Thomas Ernst ein wesentliches Argument für die Verpflichtung des Trainers.

"Was uns überzeugt hat, waren seine totale Begeisterungsfähigkeit sowie seine klaren Vorstellungen davon, wie er seine Aufgaben angehen will", sagt der Bochumer Sportvorstand.

Im Sport1.de-Interview äußert sich Ernst zudem zum Risiko, einen "Rookie" ans Ruder zu lassen, und sagt, was mit Interimscoach Frank Heinemann passiert.

Sport1.de: Herr Ernst, wann ist vereinsintern die Entscheidung gefallen, sich um Heiko Herrlich zu bemühen?

Thomas Ernst: Heiko Herrlich hat sofort auf unserer Liste ganz oben gestanden. Beim ersten Telefonat teilte er uns mit, dass er es sich grundsätzlich vorstellen könnte, bei uns Cheftrainer zu werden, wollte sich aber erst einmal auf die EM-Qualifikationsspiele mit der U-19-Nationalmannschaft Mitte Oktober konzentrieren.

Sport1.de: Warum ist Ihre Wahl auf ihn gefallen?

Thomas Ernst: Das hatte mehrere Gründe. Zum einen verfügt er über einen großen Erfahrungsschatz als aktiver Fußballer, war bei verschiedenen Mannschaften erfolgreich und hat die dortige Mentalität verinnerlicht.

Sport1.de: Und zum anderen?

Ernst: Was uns überzeugt hat, waren seine totale Begeisterungsfähigkeit sowie seine klaren Vorstellungen davon, wie er seine Aufgaben angehen will. Zudem identifiziert er sich mit dem von uns eingeschlagenen Weg, der unter anderem eine enge Vernetzung zwischen dem Lizenzspieler- und dem Nachwuchsbereich vorsieht.

Sport1.de: Welche Gegenleistung haben Sie erbringen müssen, um ihn vom DFB loszueisen?

Ernst: Das war nie ein Thema. Allerdings bin ich froh, dass der DFB dem Wunsch von Heiko Herrlich nachgekommen ist und unser Aufsichtsratsvorsitzende Werner Altegoer in einem finalen Gespräch mit DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger die Freigabe unter Dach und Fach gebracht hat.

Sport1.de: Sie haben gesagt, Herrlich soll "frischen Wind" in die Mannschaft bringen. Wie soll das konkret geschehen?

Ernst: Das wird Ihnen Heiko Herrlich sicherlich besser beantworten können. Auf jeden Fall sind wir sehr angetan von seinen Analysen und den daraus resultierenden Schlüssen für die Arbeit mit der Mannschaft. Nicht zu vergessen: Durch die zwei neuen Gesichter im Trainerteam werden die Karten neu gemischt.

Sport1.de: Inwiefern stellt es für Sie ein Risiko dar, einen Trainer ohne Erfahrung als Profi-Coach zu verpflichten?

Ernst: Wir sind von seinen Qualitäten überzeugt, deshalb stellt es für uns kein Risiko da. Jeder Trainer hat einmal irgendwo und irgendwann im Profi-Bereich angefangen, keiner hat seine Karriere mit 100 Bundesligaspielen auf dem Buckel begonnen.

Sport1.de: Welche Positivbeispiele hatten Sie bei Ihrer Wahl im Hinterkopf?

Ernst: Markus Babbel hat den VfB Stuttgart im vergangenen Jahr in die Champions League geführt, Thomas Tuchel überrascht aktuell mit dem FSV Mainz 05 in der Bundesliga, Christoph Daum ist beim 1. FC Köln vom A-Jugend-Coach zum Chef-Trainer befördert worden.

Sport1.de: Was hat der Arbeit von Frank Heinemann gefehlt und wie geht es jetzt mit ihm weiter?

Ernst: Es war in erster Linie eine Entscheidung für Heiko Herrlich und nicht gegen Frank Heinemann. Er hat die Sache als Interimstrainer sehr gut gemacht, wofür wir ihm sehr dankbar sind. Er wird dem Verein weiter erhalten bleiben ? wenn auch nicht im Profibereich.

Sport1.de: Sondern?

Ernst: Er soll die Entscheidung jetzt erst einmal sacken lassen, dann werden wir in Ruhe zusammensitzen und über sein Aufgabenfeld bei uns sprechen. Wir schätzen seine Arbeit als Trainer und in erster Linie ihn als Menschen. Auch in Zukunft wollen wir auf ihn nicht verzichten.

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