vergrößernverkleinern
Hertha BSC um Cicero (v.) ist seit 261 Minuten ohne eigenen Torerfolg © getty

Hertha braucht jeden Punkt gegen den BVB, der nach dem Pokal-Aus selbst in der Pflicht steht. Favre klagt gegen die Kündigung.

Dortmund/Berlin - Die einen lechzen nach Wiedergutmachung für die Pokal-Blamage, die anderen gieren nach dem ersten Sieg seit drei Monaten:

Im Freitagsspiel zwischen Borussia Dortmund und Tabellenschlusslicht Hertha BSC Berlin (ab 20 Uhr LIVE) ist für reichlich Brisanz gesorgt.

Während den Dortmunder Pokal-Deppen eine deutliche Ansprache aus der Chefetage Beine machen soll, sucht Hertha-Trainer Friedhelm Funkel mit einer Politik der ruhigen Hand den Weg aus der Krise.

"Man muss den Spielern immer wieder Mut zusprechen, sie dürfen nicht verzagen", sagt Funkel, der im Training oft das Gespräch mit seinen verunsicherten Profis sucht. Seit nun mehr fünf Partien inklusive Europapokal warten die Berliner auf einen Treffer.

Favre klagt auf Wiedereinstellung

Neue Querschläger setzt es zudem von außerhalb: Der fristlos entlassene Trainer Lucien Favre klagt vor dem Arbeitsgericht Berlin auf Wiedereinstellung.

"Die Kündigungsschutzklage ist bei uns eingegangen", sagte Gerichtssprecher Martin Dreßler der B.Z. (Samstagsausgabe).

Favre war am 28. September freigestellt und 23 Tage später fristlos gekündigt worden, nachdem er auf einer privaten Pressekonferenz die Hertha-Verantwortlichen attackiert hatte. Der Verein hatte daraufhin die Aussagen Favres von einem Arbeitsrechtler auf "vereinsschädigendes Verhalten" prüfen lassen.

Abfindung von 1,4 Millionen Euro

Favre will die Kündigung nicht akzeptieren, sondern besteht auf der Zahlung der Abfindung in Höhe von 1,4 Millionen Euro.

Der Gütetermin ist laut B.Z. für den 26. November anberaumt.

Herthas kickendes Personal hat derweil ganz andere Sorgen:

Rückendeckung für Wichniarek

Vor allem die glücklosen Stürmer, die gemeinsam erst ein Bundesligator zustandegebracht haben und damit auf dem letzten Platz der Liga rangieren, bekommen derzeit deshalb verbale Streicheleinheiten Coach Funkel: "Auch ich hatte in meiner Karriere Phasen, in denen ich nicht getroffen habe. Sie kommen da wieder raus."

Sinnbild für die Torflaute im Hertha-Sturm ist Artur Wichniarek. Der Rückkehrer von Arminia Bielefeld trifft in Berlin einfach das Tor nicht.

"Wir werden einen Teufel tun und ihn jetzt fallen lassen", sagt Manager Michael Preetz, der den 32 Jahre alten Polen jedoch auch in die Pflicht nimmt: "Auf dem Platz muss er sich selbst helfen."

Abwehrleistung wieder okay

Nur wenn die Stürmer ihre Ladehemmungen ablegen, kann Hertha nach dem 1:0 zum Saisonauftakt gegen Hannover 96 den zweiten Liga-Sieg einfahren.

Das verdiente 0:0 gegen Meister VfL Wolfsburg - das Ende einer acht Spiele andauernden Niederlagenserie - zeigte, dass zumindest die Abwehr der Berliner wieder erstligatauglich ist.

Druck vor der immensen Kulisse am Dortmunder Signal Iduna Park spürt Funkel nicht. Vielmehr erkennt der Trainer darin einen Ansporn.

Personelle Probleme

Leicht wird das Auswärtsspiel in keinem Fall. Denn Funkel plagen personelle Probleme. Seine zuletzt bewährte Elf muss der 55-Jährige womöglich umbauen.

Mittelfeldmann Gojko Kacar plagt sich mit einem Bluterguss im Oberschenkel herum. Sein Einsatz gegen Dortmund ist deshalb ebenso fraglich wie der von Mittelfeld-Kollege Cicero, der an einer Außenbanddehnung laboriert.

In keinem Fall dabei sind Mittelfeld-Allrounder Maximilian Nicu (noch im Aufbautraining) sowie Ex-Borusse Florian Kringe (Mittelfußbruch). Wieder bereit steht dagegen Keeper Jaroslaw Drobny.

BVB zu harmlos

Sorgen ganz anderer Art hat der BVB nach seiner 2:3-Pleite im DFB-Pokal gegen Drittligist VfL Osnabrück - die Offensive zu harmlos, die Defensive zu dilettantisch.

Außer Lucas Barrios strahlt derzeit kein Stürmer Torgefahr aus.

"Das war Komplettversagen. Wenn man das amateurhaft nennen würde, wäre das eine Beleidigung für alle Amateure. Wir haben wie im Kindergarten verteidigt", wetterte Sportdirektor Michael Zorc und fordert eine Reaktion: "Die Mannschaft steht jetzt in der Schuld."

Klopp fordert Wiedergutmachung

Auch Coach Jürgen Klopp, der für das Achtelfinal-Aus "keine Erklärung" und "keine Entschuldigung" hatte, stellte unmissverständlich klar: "Es wäre eine Frechheit, wenn wir nach dieser nicht wiedergutzumachenden Niederlage gegen Hertha ohne Mut agieren würden".

Und weiter: "Jetzt ist es unsere Pflicht, im einzig verbliebenen Wettbewerb zu zeigen, dass wir uns weiter in der Spur halten."

Denn nur ein Sieg beim Tabellenschlusslicht kann einen weiteren Stimmungsabfall verhindern.

Kopfwäsche nach Pokal-Aus

Um auf Nummer sicher zu gehen, dass seine Worte auch ankommen, verpasste Klopp seiner Mannschaft einen Tag nach der Pokal-Blamage eine einstündige Kopfwäsche, die nun zur Kehrtwende beitragen soll.

Klopp wird wohl den Pokal-Versagern von Beginn an die Chance zur Rehabilitation geben. Außerhalb jeder Diskussion steht Welttorjäger Barrios, der fünf der letzten sechs Dortmunder Pflichtspieltreffer erzielte und an dem auch Hertha vor der Saison interessiert war.

Verzichten muss der BVB-Ttrainer auf die Langzeitverletzten Sebastian Kehl und Tamas Hajnal sowie auf Sven Bender.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Dortmund: Weidenfeller - Owomoyela, Subotic, Hummels, Dede - Tinga, Sahin - Blaszczykowski, Zidan, Valdez - Barrios.

Trainer: Klopp

Berlin: Drobny - Stein, Friedrich, von Bergen, Pejcinovic - Ebert, Dardai, Lustenberger, Piszczeck (Kacar) - Raffael, Ramos

Trainer: Funkel

Schiedsrichter: Felix Brych (München)

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel