vergrößernverkleinern
Markus Babbel (r.) spielte neun Jahre beim FC Bayern München © imago

VfB-Keeper Jens Lehmann wird nach der Partie gegen den FC Bayern philosophisch. Uli Hoeneß eröffnet wieder die "Abteilung Attacke".

Von Felix Götz und Matthias Becker

München - So hat man eine Krise am Neckar selten erlebt:

Unmittelbar nach dem Aufwärmen stürmte die Stuttgarter Mannschaft in die Cannstatter Kurve und wurde von den treuesten Anhängern gefeiert, als hätte sie soeben die Deutsche Meisterschaft errungen. 168868(DIASHOW: Bilder des Spieltags)

Dabei steckt der VfB auch nach dem 0:0 gegen den FC Bayern mit nur neun Zählern aus elf Spielen und Rang 14 im Tabellenkeller fest. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Diese Fans unterstützen uns auch dann, wenn es schlecht läuft. Dafür wollten wir uns einfach bedanken", erklärte Alexander Hleb, der erneut eine schwache Vorstellung ablieferte, die Geste.

Die Diskussionen um Trainer Markus Babbel scheinen somit vorerst beendet. Bei den Fans, die ein großes Plakat mit der Aufschrift "Babbel muss bleiben" in die Höhe hielten, hat der 37-Jährige sowieso noch immer Kredit.

Babbel holt Presse ins Boot

Dem früheren Bayern-Profi war es unter der Woche sogar gelungen, die Presse in der baden-württembergischen Landeshauptstadt mit ins Boot zu nehmen.

Der VfB-Trainer forderte positive Schlagzeilen, die zur zusätzlichen Motivation seiner Elf dienen sollten.

"Zeigt endlich, dass ihr Kerle seid", schrieb daraufhin die "Bild Stuttgart". Und die "Stuttgarter Zeitung" titelte: "Geht's raus und gewinnt."

Lehmann wird philosophisch

Die Mannschaft zeigte nicht nur mit bedingungslosem Einsatz auf dem Platz die Verbundenheit zum Coach, sondern auch danach.

"Ich bin der Meinung, dass der Trainer mit seiner Qualität absolut der richtige Mann ist", sagte Jens Lehmann stellvertretend.

Der Keeper wurde nach dem 90-minütigen Abnutzungskampf gegen den Rekordmeister sogar philosophisch: "Es ist ein Silberstreif am Horizont aufgetaucht."

"Nichts schönreden"

Und Babbel freute sich: "Mein Team hat einen tollen Fight gezeigt. Heute haben wir einen Punkt gewonnen."

Nach fünf Pflichtspielpleiten in Folge hat der VfB die schlimme Talfahrt zwar zunächst gestoppt, von einem gefühlten Sieg wollte aber niemand etwas wissen.

Kapitän Thomas Hitzlsperger, der sehr bemüht war, dem das Selbstvertrauen allerdings eindeutig fehlt, erkannte einen "Achtungserfolg, mehr nicht."

Und auch Babbel warnte: "Wir müssen höllisch aufpassen, dass wir das nicht schönreden."

Offensiv zu harmlos

Dafür gibt es auch keinen Grund: Die Schwaben waren in der Offensive nämlich wie schon unter der Woche beim Aus im DFB-Pokal gegen Greuther Fürth nicht kaltschnäuzig genug.

Ciprian Marica und Julian Schieber kämpften, waren aber einmal mehr viel zu harmlos. Cacau, noch gefährlichster VfB-Angreifer der bisherigen Saison, fehlte verletzt. Pawel Pogrebnyak wurde erst zehn Minuten vor dem Ende eingewechselt

Nur in der Anfangsphase kam der Deutsche Meister von 2007 zu guten Möglichkeiten, die alle vom starken Bayern-Torwart Hans-Jörg Butt entschärft wurden.

Gomez wieder glücklos

So wurde wieder deutlich, dass der zu den Bayern abgewanderte Mario Gomez nicht im Ansatz adäquat ersetzt wurde. Der VfB hat Probleme ohne den Nationalspieler, und Gomez hat Schwierigkeiten beim FC Bayern.

Der 24-Jährige, der bei jeder Ballberührung von den VfB-Fans gnadenlos ausgepfiffen wurde, durfte von Beginn an neben Miroslav Klose spielen.

Gomez zeigte eine bessere Leistung als sein Sturmpartner, setzte sich aber nur einmal bei einem Schuss aus elf Metern ans Außennetz richtig gut in Szene.

Insgesamt boten die Münchner offensiv eine ebenso enttäuschende Vorstellung wie Stuttgart. Der eingewechselte Luca Toni versenkte die Kugel zwar kurz vor Schluss im Tor, stand dabei aber im Abseits.

Schlechter als Klinsmann

So war bei den Bayern mit dem einen Zähler niemand wirklich zufrieden, auch wenn Trainer Louis van Gaal, der Arjen Robben schonte, ein "gerechtes Ergebnis" ausmachte.

"Wir haben nicht so viele Chancen gehabt, aber auch nicht so viele zugelassen. Wir hatten zu viele Ballverluste. Mehr kann ich dazu nicht sagen", meinte der Niederländer, der zwei Punkte weniger auf dem Konto hat als Jürgen Klinsmann zum gleichen Zeitpunkt in der vergangenen Saison.

Hoeneß tönt

"Wir ärgern uns, wir hätten einen Riesenschritt nach vorne machen können", monierte Butt. So bleiben die Bayern Tabellenfünfter.

Die vier Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Bayer Leverkusen beunruhigen Manager Uli Hoeneß nicht, obwohl seine aktuellen Bayern kaum etwas mit den "Mia-san-mir-Bayern" vergangener Tage zu tun haben.

Schwache Spiele trotzdem zu gewinnen - diese Qualität ist dem Champions-League-Sieger von 2001 zuletzt etwas verloren gegangen.

"Ich denke, dass wir vor Weihnachten auf Platz eins stehen", eröffnete der 57-Jährige die "Abteilung Attacke". Eine Ansage, die irgendwie mehr nach Zweckoptimismus, als nach Überzeugung klang.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel