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Jerome Boateng (r.) verletzte sich kurz nach der Pause, spielte aber weiter © getty

Der HSV verpasst einmal mehr denkbar knapp eine große Chance. Gladbach dreht die Partie. Jerome Boateng wird zur tragischen Figur.

Von Christian Stüwe

München - Die Leidenszeit des Jerome Boateng dauerte deutlich länger als eine halbe Stunde.

Bereits kurz nach der Halbzeit zog sich der Hamburger Innenverteidiger im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach (2:3) eine schwere Fußprellung zu.

Boateng humpelte über den Platz, nahm sogar während des Spiels eine Schmerztablette.

Trainer Bruno Labbadia hätte noch dreimal wechseln können, der Verteidiger blieb aber auf dem Platz.

In der Schlussphase verspielte der HSV eine 2:1 Führung, die Gladbacher Dante und Joker Rob Friend drehten die Partie. Der HSV kassierte die erste Niederlage der Saison.

"Letztlich ist das schief gegangen"

"Ich hatte keinen Abwehrspieler mehr auf der Bank", begründete der Trainer seine Entscheidung, "und er muss mir auch signalisieren, wenn es nicht mehr geht."

Boateng nahm die Schuld auf sich: "Wir hatten keine Abwehrspieler mehr, da habe ich auf die Zähne gebissen. Was ich danach gespielt habe, sah natürlich nicht mehr gut aus. Letztendlich ist das schiefgegangen."

Kritik aus der Mannschaft

In der Mannschaft kam Boatengs Durchhaltewillen infolgedessen nicht gut an. "Wenn er verletzt ist, muss er das anzeigen und rausgehen", sagte Joris Mathijsen.

"Ich denke schon, dass der Trainer zu spät gewechselt hat", sagte Ze Roberto, "Jerome ist ja die ganze Zeit nur auf einem Bein gelaufen."

Verletztenmisere hinterlässt Spuren

In den Schuldzuweisungen steckte auch eine Menge Frust, die Verletztenmisere geht eben doch nicht spurlos am HSV vorbei.

Konnten die Hamburger die Ausfälle etlicher Leistungsträger bisher beinahe problemlos kompensieren, gelang es gegen Gladbach nie, das gefährliche Konterspiel der Gäste zu unterbinden.

"Dass die Gladbacher sehr gut Fußball spielen können und dass sie kompakt stehen und Konter fahren, wussten wir", ärgerte sich Labbadia. "Wir hätten es trotzdem schaffen müssen, eine 2:1-Führung zu halten."

Die Ernüchterung nach der verpassten Chance zur Tabellenführung konnte Labbadia nicht verbergen: "Wir sind jetzt sehr, sehr enttäuscht, werden aber sachlich damit umgehen."

HSV verpasst erneut "großen Schritt"

Schwerer als die bloße Niederlage wiegt daher der Umstand, dass wieder eine günstige Gelegenheit verpasst wurde. Die Tür stand wieder einmal sperrangelweit offen, doch die Hamburger blieben vor ihr stehen.

"Wir hätten heute einen so großen Schritt nach vorne machen können", haderte Kapitän David Jarolim.

Gladbach mit toller Moral

Doch die Gladbacher hatten Entscheidendes dagegen, sie verdienten sich den Erfolg mit einer engagierten Leistung.

"Ich muss der kompletten Mannschaft ein Riesenkompliment für die Leistung und ihren guten Kampf machen", freute sich Trainer Michael Frontzeck: "Obwohl wir zweimal in Rückstand geraten sind, haben wir nie die Organisation verloren."

Nach sechs sieglosen Spielen setzten die Gladbacher im Abstiegskampf steckenden Gladbacher ein Zeichen. "Es war nicht ganz unwichtig, nach der langen erfolglosen Phase gegen einen ambitionierten Verein zu gewinnen", sagte Frontzeck.

"Gott hat das Glück auf die richtige Seite fallen lassen"

Ein wenig Schadenfreude konnte sich Frontzeck nicht verkneifen, war ihm die Berichterstattung in den Hamburger Medien im Vorfeld der Partie doch ein Dorn im Auge gewesen.

"In den Zeitungen stand, dass jetzt die grauen Mäuse kommen", so Frontzeck: "Das habe ich als sehr respektlos empfunden. Aber manchmal schaut der liebe Gott auf die Erde und lässt das Glück auf die richtige Seite fallen."

Labbadia richtet den Blick nach vorne

Während die Gladbacher das Glück diesmal auf ihrer Seite hatten, gilt es für den HSV nun, die Niederlage möglichst schnell zu verarbeiten.

"Das war in der Bundesliga der erste richtige Rückschlag für uns, nachdem wir bislang immer viel Applaus bekommen haben", erklärte Labbadia:

"Damit müssen wir jetzt umgehen und weitermachen. Am Donnerstag steht gegen Celtic Glasgow schon wieder das nächste wichtige Heimspiel an. Darauf werden wir jetzt konzentriert hinarbeiten und versuchen, die am Samstag gemachten Fehler abzustellen."

Es dürfte von Vorteil sein, dass sich die HSV-Kicker angesichts der bald anstehenden nächsten Aufgabe nicht lange einen Kopf machen können.

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