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Michael Rensing (r.) beerbte zu Saisonbeginn den zurückgetretenen Oliver Kahn im FCB-Tor © getty

Oliver Kahn nimmt seinen unter Beschuss geratenen Nachfolger in Schutz. Auch ein alter Rivale Kahns stellt sich vor Rensing.

Von Martin Hoffmann

München - Die unvermeidliche Frage quittiert Oliver Kahn mit einem freundlichen Lachen - um dann das zu sagen, was zu erwarten war.

Der "Torwart-Titan" denkt nicht an ein aktives Comeback beim FC Bayern, nach dem sich manch einer nach dem 2:5-Debakel gegen Werder Bremen sehnt: "Da gibt es kein Zurück mehr."

Stattdessen stellt Kahn sich in einem "Bild"-Interview schützend vor seinen unter Beschuss geratenen Nachfolger Michael Rensing.

"Wenn man auf junge Spieler baut, dann muss man halt auch manchmal die eine oder andere Holperstrecke in Kauf nehmen", macht Kahn klar: "Es wäre deshalb auch fatal, Rensing nun in Frage zu stellen."

Vertrauen von Klinsmann

Auch Trainer Jürgen Klinsmann sichert seiner neuen Nummer eins volle Rückendeckung zu.

Rensing solle sich "überhaupt keine Gedanken machen", sagt Klinsmann, "er hat die Unterstützung der ganzen Truppe."

Der FC Bayern müsse "genauso Spieler entwickeln wie jeder andere Klub auch". Dazu gehöre es, Spiele wie gegen Bremen "durchzumachen und wegzustecken".

Auch Kahns Anfang war schwer

"Man darf um Himmels willen nicht den Fehler machen, von Rensing zu erwarten, dass er sofort auf dem Niveau weitermacht, das ich vielleicht zu meiner besten Zeit hatte", mahnt Kahn.

Der langjährige Nationalkeeper erinnert daran, dass auch er seine Durststrecken hatte, nachdem er 1994 zum Rekordmeister gewechselt war.

"Meine erste Saison war eine Katastrophe", meint Kahn rückblickend: "Da war längst nicht alles Gold, ganz im Gegenteil. Und damals riefen die Leute nach meinem Vorgänger Raimund Aumann."

Vertrauen als beste Medizin

Rensing, dem es nun genauso ergeht, rät Kahn nur, seinen verkorksten Auftritt gegen Werder schnell abzuhaken: "Er sollte sich nur nicht zu viele Gedanken machen. Und da ist es gut, dass es am Mittwoch schon wieder das Pokalspiel gegen Nürnberg (Mi., ab 20 Uhr LIVE) gibt."

Was Rensing nun am dringendsten brauche, sei Rückendeckung aus dem Verein.

"Gerade ein Torwart in seiner exponierten und sozusagen auch einsamen Position braucht Vertrauen", so Kahn.

Auch Lehmann stützt Rensing

Auch Kahns ewiger Rivale Jens Lehmann macht Rensing Mut. Mehr noch: Er meint sogar, dass ihm der Gegenwind, den er jetzt bekommt, gut tut.

"Die jungen Torhüter werden heute hochgejubelt, ohne was gemacht zu haben", findet der Stuttgart-Keeper: "Je früher man einen Rückschlag bekommt, umso besser. Rückschläge sind wichtig, taten mir auch gut."

Lehmann zweifelt nicht daran, dass sein junger Kollege letztlich gestärkt aus der Angelegenheit hervorgeht: "Michael Rensing wird sich sicher durchbeißen, denn ich habe gesehen, dass er Potenzial hat."

Stein meldet Zweifel an

Vor Kahn und Lehmann hatte schon Ex-Nationalkeeper Toni Schumacher in seiner Kolumne auf Sport1.de gefordert: "Lasst bitte den Michael Rensing in Ruhe!" Wenn ein unbestrittenes Talent, dem es aber noch an Erfahrung mangele, der Grund für die Bayern-Krise sein solle, "dann verstehe ich die Welt nicht mehr".

Fast wortgleich forderte Sepp Maier in der "Abendzeitung": "Lasst Michael in Ruhe - der packt das!" Jeder Torwart sehe schlecht aus, "wenn die Abwehr vor ihm wie ein Hühnerhaufen umeinander läuft", verteidigte der langjährige Bayern-Torwarttrainer seinen früheren Schützling.

Mit Uli Stein meldete dagegen ein weiterer Ex-Nationaltorwart bei Sport1.de Zweifel an Rensing an: Ihm fehle es "ein bisschen an Aura und Ausstrahlung. Es ist die Frage, ob er das noch lernen kann oder ob er das nicht drauf hat."

Sport1.de-User sind gespalten

Hin- und hergerissen sind auch die User von Sport1.de im aktuellen Trend.

Ein beträchtlicher Teil der 40.276 Teilnehmer (Stand 23. September, 12.20 Uhr) findet, dass die Bayern ein Torwart-Problem haben.

Die Mehrheit von 51,9 Prozent allerdings stützt Rensing - und schließt sich damit Kahns Einschätzung über seinen Nachfolger an: "Er ist jung, er wird seinen Weg machen."

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