vergrößernverkleinern
Diego erzielte in seinen beiden Spielzeiten für Werder jeweils 26 Tore © getty

Noch vier Wochen bis zum Bundesliga-Start: Werder und dem HSV fehlt ein Torjäger, Olympia ist ein Reizthema. Auf Schalke hat der "Meister-Stürmer" Rückstand. Sport1 nennt die Baustellen der Bayern-Jäger.

München - Drei Wochen vor dem Start der 46. Bundesliga-Saison wetzen die letztjährigen Champions-League-Teams noch nicht die Messer für den Angriff auf den FC Bayern München.

Vielmehr lecken der Vizemeister Werder Bremen, der Hamburger SV und Schalke 04 ihre Wunden - körperlich und seelisch.

Am tiefsten getroffen hat es den äußerlich unversehrten Bremer Spielmacher Diego, der im Trainingslager auf Norderney seinen Schwermut dennoch offen zur Schau trägt.

Daneben haben die Werderaner weiterhin Stürmersorgen, teilen dieses Schicksal aber mit dem Nordrivalen HSV.

Die Schalker, die seit 50 Jahren vergeblich nach der Schale greifen, haben hingegen in Jefferson Farfan einen meisterlichen Goalgetter eingekauft. Der Peruaner hat jedoch Trainingsrückstand.

Sport1.de nennt die Baustellen der Bayern-Jäger.

Werder Bremen

Der SV Werder kämpft zur Zeit an zwei Fronten: Zum einen schmollt Diego, und Manager Klaus Allofs kennt den Grund: "Wenn seine Laune nicht die beste ist, könnte das wohl damit zusammenhängen, dass wir ihn nicht zu Olympia abstellen wollen."

"Am Ende wird es dann eine Entscheidung geben, bei der eine Seite Federn lassen muss", sagt Allofs in der "Syker Kreiszeitung" schmerzhafte Folgen voraus.

Womöglich auch Kollateralschäden: So merkte Daniel Jensen an, dass unzufriedene Spieler der gesamten Mannschaft "nicht gut" täten. Allofs kündigte eine weitere Aussprache an und verwies flugs auf die Rivalen: "In Schalke und Hamburg ist das ja auch ein Thema."

Das Sanogo-Rätsel

Was allerdings den Fall Diego ebenso wenig löst wie die Stürmersorgen, die beim dürftigen 3:1-Sieg gegen den Fünftligisten Fortuna Köln am Donnerstag zu Tage traten.

Hugo Almeida fällt wegen einer Muskelverletzung weiterhin aus. Markus Rosenberg, der wie der Portugiese die EM in den Knochen hat, ist gerade erst ins Training eingestiegen.

Auch Boubacar Sanogo fehlte den Werderanern: "Bouba ist noch krank, und das stört schon ein bisschen", gab sich Trainer Thomas Schaaf noch gelassen. Doch über die Krankheit des Ivorers schweigt sich der Verein aus: "Es wird weitere Untersuchungen geben, aber wir hoffen, dass er bald wieder auf dem Dampfer ist", weicht Schaaf aus.

Hamburger SV

Im Angriff ist auch die größte HSV-Baustelle. Nach der 1:2-Testspiel-Pleite gegen den tschechischen Uefa-Cup-Teilnehmer Slovan Liberec merkte Neu-Trainer Martin Jol an: "Guerrero ist die einzige richtige Nummer neun bei uns."

In der Tat sind Mohamed Zidan und Ivica Olic auf den Außenbahnen wohl besser aufgehoben. Auch der aus Freiburg geholte Jonathan Pitroipa ist nicht der typische Goalgetter.

Umso schlimmer, dass sich Paolo Guerrero gegen Liberec nach einem Schlag auf die rechte Wade verletzte. Zwar hat sich der Peruaner "nur" eine starke Prellung zugezogen und dürfte nach rund einer Woche wieder einsatzbereit sein.

Zidan nicht zum Hrubesch machen

Doch der Zwischenfall führte die Verantwortlichen bei den Rothosen vor Augen, wie groß das Risiko ist, ohne einen Ersatzmann für diese Position ins Titelrennen zu gehen.

Jol jedenfalls ist angesichts der Verletzung "schon etwas nervös geworden" und mahnte eine Verstärkung an: "Ich gehe nicht davon aus, dass ich einen Mohamed Zidan in eine Art Horst Hrubesch ändern muss..."

"Ich kann aber nicht in das Portemonnaie des HSV schauen", ahnt der Coach allerdings, dass der finanzielle Spielraum nicht allzu groß ist. Die "Hamburger Morgenpost" beziffert diesen auf drei bis vier Millionen Euro.

Fifa fordert Kompany-Abstellung

Daher könnte es wie in der Vorsaison doch dazu kommen, dass Olic in der Mitte stürmt.

Das gelang dem Kroaten zumindest gegen den österreichischen Viertligisten Längenfeld ausgesprochen erfolgreich, als er bis zu seiner Auswechslung bei Halbzeit vier Tore zum 8:0 (5:0) beisteuerte.

Vincent Kompany - Hamburgs olympischer Streitfall - stand nicht auf dem Platz. Hier hat die Fifa auf Veranlassung des belgischen Verbands ein Fax geschickt, dass Kompany für die Sommerspiele abzustellen sei. Das berichtet das "Hamburger Abendblatt".

FC Schalke 04

Die Schalker sind zuversichtlicher, in der Offensive schlagkräftig aufgestellt zu sein. Grund dafür ist nicht zuletzt ihr Rekordtransfer Farfan.

Der 23-jährige Stürmer, der bereits sechs nationale Meisterschaften gewann, muss jedoch noch Trainingsrückstand aufarbeiten. "Die Saison mit Eindhoven war schon Ende April beendet. Deshalb schiebe ich jetzt alleine Sonderschichten", sagte Farfan.

"Farfan wird Schalke mit Sicherheit weiterbringen", wertete Trainer Fred Rutten in den "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Bedenken wegen Farfans angeblich ausschweifenden Privatlebens wischt er beiseite: "Ich habe ihn als einen gewissenhaften Profi kennengelernt, immer pünktlich, immer verantwortungsbewusst."

Rakitic will Stammplatz

Statt Personaldürre wie bei den Rivalen kommt es in Gelsenkirchen nun zu einem "beinharten Konkurrenzkampf um die Stammplätze", meint Regisseur Ivan Rakitic gegenüber den "Ruhr Nachrichten. "Doch ich spiele nicht bei Schalke, um mich auf die Bank zu setzen", ergänzte der 20-Jährige.

Der Konkurrenzkampf wird Trainer Rutten Recht sein, die 0:3-Niederlage in Wuppertal weniger. Doch er wiegelte ab: "Das war nach meiner Meinung kein Testspiel, sondern nur ein verschärftes Training."

Auf dem Prüfstand sind jedoch die Torhüter Mathias Schober und Ralf Fährmann, die den verletzten Manuel Neuer bis auf Weiteres vertreten müssen. Am Samstag gegen die Glasgow Rangers soll der 32-jährige Schober zeigen, dass er nach wie vor bundesligatauglich ist.

Michael Spandern

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel