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Bochums Heiko Herrlich (l.) kassierte bei seinem Liga-Debüt ein 1:2 in Frankfurt © imago

Bochums Neucoach grämt sich bei seinem Debüt gleich doppelt. Frankfurts Abräumer beendet eine Seuchenwoche versöhnlich.

Von Christian Stüwe

München - Der einer konnte es gar nicht so richtig glauben.

Weil Eintracht Frankfurts Maik Franz trotz seines Eigentores am Ende doch als 2:1 (1:0)-Sieger dastand und dabei schließlich auch noch einmal in die richtigen Maschen traf.

Der andere wollte es nicht wahrhaben.

Weil Heiko Herrlich mit leeren Händen wieder ins Revier abreisen durfte, der neuer Trainer des VfL Bochum der Zukunft beim Vorletzten gleich als Krisen-Manager begegnen muss.

Keine Spur von Herrlich-Effekt

Von Bochumer Aufbruchstimmung unter dessen neuem Trainer war in Frankfurt nichts zu spüren.

"Natürlich ist die Enttäuschung da. Die Niederlage tut weh", sagte Herrlich, versuchte aber, Hoffnung auszustrahlen.

"Es gibt trotzdem positive Ansätze", erklärte er. "Ich kann meiner Mannschaft vom Einsatz her keinen Vorwurf machen, aber ich weiß auch, dass ich an Punkten gemessen werde. Die brauchen wir jetzt schnellstens."

VfL auf dem vorletzten Platz

Mit mageren acht Punkten belegt der VfL den vorletzten Platz. Der Auftritt in Frankfurt macht wenig Hoffnung, dass in den nächsten Spielen viele dazu kommen werden.

"Wie wollen die einfachen Dinge gut machen", sagte Herrlich. "Aber wenn man nach einem Ballgewinn gleich wieder den Ball verliert, hat man natürlich viel Druck."

Selbstkritischer Heerwagen

Frankfurts Caio hatte die Bochumer per Freistoß in Rückstand geschossen (15.) - und VfL-Torwart Philipp Heerwagen dabei keine allzu gute Figur gemacht.

"Einer der Bundesliga spielen will, muss den halten", gab sich der Keeper nach der Partie selbstkritisch.

Umso überraschender fiel dann jedoch der Ausgleich - nämlich nach einem Eigentor von Franz (26.).

"Wie in einem schlechten Film"

"Ich kam mir vor wie in einem schlechten Film", kommentierte der Abwehrmann seinen Fauxpas.

Und weiter: "Die kommen das erste Mal vor das Tor. Mir fällt der Ball vor das Schienbein, und dann fällt er der dem Oka hinten rein."

Die "Seuchenwoche" schien so zu enden, wie sie begann: Schon unter der Woche beim 0:4 im DFB-Pokal gegen den FC Bayern hatte Franz drei Gegentreffer verschuldet.

Happy End für den Pechvogel

Diesmal allerdings gab es ein Happy End: "Mir ist ein Riesenstein vom Herzen gefallen. Ich bin überglücklich."

Dass er schließlich doch noch auf der richtigen Seite traf (53.), freute auch Michael Skibbe. "Es ist schön für Maik Franz, dass er auf das schlechte Spiel gegen Bayern und das Eigentor eine gute Antwort geben konnte", sagte der Eintracht-Coach.

Skibbe war mit der Vorstellung seiner Elf ohnehin zufrieden: "Wir haben über 90 Minuten klar besser gespielt als Bochum und hatten jede Menge Torchancen. Das war ein absolut verdienter Sieg."

"Nach oben jede Menge Luft"

Allerdings versäumten die Frankfurter dabei, einen deutlicheres Ergebnis herauszuschießen und nach der "unglaublich peinlichen" (Skibbe) 0:4-Pleite im Pokal weitere Wiedergutmachung zu betreiben.

Allein Nikos Liberopoulos traf zweimal den Pfosten.

"Nach oben haben wir natürlich noch eine Menge Luft, das haben uns die Bayern gezeigt", so Skibbe.

Der Trainer erkannte aber auch "einen ordentlichen Abstand zum Tabellenende", so dass sich die Hessen wohl auf eine geruhsame Spielzeit im Mittelfeld der Tabelle einstellen können.

Ono sieht Gelb-Rot in 54 Sekunden

Ganz anders stellt sich die Situation für die Bochumer dar: Zur schwierigen Tabellensituation und der schwachen Vorstellung gesellte sich noch eine Undiszipliniertheit von Shinji Ono hinzu.

Der Japaner brachte das Kunststück fertig, sich binnen 54 Sekunden zwei Verwarnungen einzuhandeln und mit Gelb-Rot vom Platz zu fliegen.

"Er ist ein wichtiger Spieler, der uns jetzt fehlt", bemerkte Herrlich kühl.

Jetzt gilt's gegen Freiburg

Doppelt bitter: Der Japaner wird ausgerechnet das kommenden so wichtige Kellerduell Heimspiel gegen Freiburg verpassen. Um nicht schon früh den Anschluss nach oben zu verlieren, muss für den VfL unbedingt ein Sieg her.

"Wir müssen jetzt hart arbeiten, dann kommen auch die Erfolgserlebnisse", übte sich Herrlich in Zweckoptimismus.

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