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Toni Kroos schoss in 40 Bundesliga-Spielen drei Tore © imago

Toni Kroos kämpft mit dem Vorwurf, sein Potenzial nicht auszuschöpfen. Der FC Bayern will den Rohdiamanten dennoch zurück.

Von Martin Hoffmann

Leverkusen - Das letzte Mal, als Toni Kroos im Gerede war, wirkte es fast so, als ob seine Karriere schon vorbei wäre.

Überschriften wie "Angst vor dem Kroos-Effekt" kursierten vor zwei Wochen, als beim FC Bayern die Frage diskutiert wurde, ob Youngster Thomas Müller nicht zu früh zu schrill bejubelt würde.

Kroos' Entwicklung wurde da als warnendes Beispiel angeführt - gerade so, als ob bei dem nach Leverkusen verliehenen Spielmacher-Talent schon Hopfen und Malz verloren wären.

Mit seinem Volley-Traumtor beim 2:2 auf Schalke hat der 19-Jährige aber wieder an seine Klasse erinnert. 62605(DIASHOW: Toni Kroos' Karriere)

Hoeneß macht Ansprüche klar

Da wundert es nicht, dass Uli Hoeneß nun wieder seine Ansprüche auf Kroos klar macht: "Wir haben mit Toni Kroos einen Vertrag bis 2012 und den wollen wir gemeinsam erfüllen."

Man könne mit Leverkusen über alles reden, "aber sicher nicht über einen Wechsel von Toni Kroos".

Es ist Hoeneß' Wunschszenario, dass Rohdiamant Kroos zur neuen Saison als geschliffenes Juwel zum Rekordmeister zurückkehrt. Und es wäre das vorläufige Happy-End einer schon recht kurvigen Karriere.

Vergebliches Flehen

Vor zwei Jahren lief der damals 17-Jährige als jüngster Debütant aller Zeiten erstmals für die Bayern auf.

Und zwei Torvorlagen bei einem 5:0 gegen Cottbus fachten direkt einen gewaltigen Hype um den Jungstar an.

Genau wie bei Müller heute versuchte Hoeneß den Trubel einzudämmen. Flehte, Kroos nicht gleich "zum Weltstar hochzujazzen".

Die 10 als Heilsversprechen

Andererseits bediente Hoeneß wiederum auch die Heilserwartungen, indem er die mythisch beladene Trikotnummer 10 für ihn reservierte.

Intern soll er ihn mit dem jungen Bernd Schuster verglichen haben. Ähnlich euphorisch schwärmte Oliver Kahn: "Das Beste, was ich seit Jahren im Nachwuchsbereich gesehen habe."

Aber letztlich war es Kroos selbst, der die Begeisterung am meisten entflammte: mit seiner Leichtfüßigkeit, seiner famosen Technik, seinen ebenso scharfen wie präzisen Vorlagen, Schüssen und Freistößen.

Auch wenn Kroos das Rampenlicht nicht suchte - durch seine Leistungen kam es zu ihm.

Kritik vom "Tiger"

In Kroos' zweiter Saison wurde ihm dann zum Verhängnis, dass Coach Jürgen Klinsmann nach dem Fehlstart unter zunehmenden Erfolgsdruck geriet.

Mit dem jungen Kroos zu experimentieren, mochte er sich da nicht mehr erlauben.

Andererseits gab es aber auch Kritik an Kroos. Der damalige Reserve-Coach Hermann Gerland bemängelte fehlende Arbeit nach hinten und sprach davon, dass Kroos seine Qualitäten auch "mit Leistungsbereitschaft paaren" müsse.

Schwächen, von denen Kroos' geniale Einlagen oft abgelenkt haben.

Nicht auf dem Silbertablett

Als Konsequenz der Stagnation wirkte Kroos' Vater Roland erfolgreich auf das Leihgeschäft mit Leverkusen hin.

Auch dort wurde Kroos sein Glück nicht auf dem Silbertablett serviert.

Die Konkurrenz im Mittelfeld ist hart, auf der Spielmacherposition sitzt ihm der derzeit verletzte Renato Augusto vor der Nase. Bis heute wird Kroos oft ein- oder ausgewechselt.

"In jedem Spiel Top-Leistung - das geht nicht!"

Und die Kritik, dass er sein Potenzial nicht ausschöpft, begleitet ihn bis heute.

Im "kicker" hält er nun nicht direkt geschickt dagegen: "In jedem Spiel Top-Leistung abzurufen - das geht nicht! Was ich bisher gezeigt habe, ist für einen 19-Jährigen absolut okay."

Aus solchen Aussagen kann man gesunde Demut herauslesen - oder dass in Kroos nicht genug Ehrgeiz brennt.

Fortschritte unter Heynckes

Auf dem Platz zeigte er auf Schalke aber: Abgesehen von seinem Traumtor fiel er auch durch Engagement und Zweikampfstärke (Gewinnquote: 80 Prozent) auf.

Einsatzwille und Defensivarbeit haben sich bei Kroos durch das Training bei Jupp Heynckes spürbar verbessert.

Für seine Zukunft wird entscheidend sein, ob dieses Engagement zur Konstante wird.

"Der FC Bayern entscheidet"

Wie es für ihn nun weitergehen soll, Kroos überlässt es den Bayern: "Ich habe in München einen Vertrag bis 2012, der FC Bayern entscheidet."

Der Frage, wo er künftig spielen will, weicht er aus: "Mir bleibt nichts, als möglichst erfolgreich und gut zu spielen. Dann sehen wir weiter."

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