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Louis van Gaal (r.) trainierte von 2005 bis 2009 den AZ Alkmaar © imago

Louis van Gaal will Fußball nach Plan. Doch bei den Bayern klappt im Moment vieles nicht. Sport1.de analysiert die Situation.

Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel

München - Besonders in "Phase drei" läuft es nicht nach Plan.

Und das sehr zum Leidwesen des FC Bayern.

"Es klappt einfach nicht", haderte Trainer Louis van Gaal, der von Dienstag auf Mittwoch eine schlaflose Nacht verbrachte.

Nach seinen taktischen Vorgaben soll sich das Spiel des Rekordmeisters in vier Phasen gliedern: 1) Balleroberung, 2) Spieleröffnung, 3) Torvorbereitung und 4) Torabschluss.

Doch zuletzt patzten nicht nur die Münchner Stürmer bei ihrem wichtigsten Job, sondern auch das Mittelfeld schien magische Angst vor Pässen Richtung Strafraum zu haben.

Die Konsequenz: Zwei Niederlagen in der Champions League gegen Bordeaux und nur 17 Treffer in elf Bundesliga-Spielen.

"Es ist zu wenig, was wir in den letzten Wochen vorm Tor machen. Wir erarbeiten uns zu wenige Großchancen", klagte jetzt auch Philipp Lahm.

Mit Stoppuhr und Trillerpfeife

Dabei hatte Louis van Gaal mit vielen Meriten beim FC Bayern im Sommer seine Arbeit begonnen. "Endlich ein Fußballlehrer", atmeten die Bosse nach dem missglückten Versuch mit Trainer-Novizen Jürgen Klinsmann erleichtert auf.

Doch in München läuft es für den 58-Jährigen vorm Bundesliga-Hit gegen Schalke (Sa., ab. 15.30 Uhr LIVE) ziemlich holprig.

Das Problem: Die Bayern üben sich zwar im Moment höchst eifrig im Flachpass-Spiel, doch der richtige Moment zum Zuspiel in die Spitze wird zu oft verpasst.

Quote hin oder her

Immerhin: Die Pässe der Bayern kommen vorm Erreichen des Strafraums sehr genau, die Münchner haben eine der niedrigsten Fehlerquoten der Liga.

Und wenn sie einmal so wie gegen Frankfurt im DFB-Pokal führen, sind sie äußerst schwer noch in Bedrängnis zu bringen.

Allerdings sind verschenkte Führungen nicht der Punkt, über den die Münchner sich sorgen müssen. Vielmehr klappt es zu selten, dass der FCB selbst vorlegt. Gerade einmal vier Tore sind in der Bundesliga bisher in Halbzeit eins notiert.

"Uns fehlt die Kreativität"

"Uns fehlt im Moment die Kreativität", erklärt Nationalspieler Lahm unumwunden.

Diese Kreativität hat in München seit 2007 einen Namen: Franck Ribery. Ohne den Superstar aus Frankreich fällt es dem Team meist äußerst schwer Lücken zu reißen.

Doch Ribery ist weiterhin verletzt, die Patellasehne ist gereizt. Eine Operation wollen die Verantwortlichen - wenn irgend möglich - vermeiden.

Stattdessen gilt Arjen Robben derzeit als einziger Spieler, der einen überraschenden Pass aus dem Fußballgelenk zaubern oder im 1:1 mehrere Gegenspieler beschäftigen kann.

144931(DIASHOW: Arjen Robbens Karriere in Bildern)

Das Bayern-Mittelfeld plagt sich indes mit van Gaals strengen Vorgaben.

Trainer duldet keine Fehler

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Der Trainer wacht streng darüber, dass die von ihm vorgegeben Aufgaben auf dem Spielfeld eingehalten werden. Hinzu kommt die Angst vor möglichen Fehlern. Wer sich einen Schnitzer leistet oder sich nicht exakt in van Gaals Konzept einpasst, ist rasch Auswechselspieler.

Mario Gomez ist ein Beispiel. Aber auch Edson Braafheid, Danijel Pranjic, Hamit Altintop und Anatoliy Tymoshchuk haben schon die Härte des Trainers erfahren.

Pranjic, der mit Kroatien 2008 eine starke EM spielte, geht in München fast komplett unter. Seine Flanken sind zum Teil von beklagenswerter Qualität. "Ich verliere im Moment an Selbstvertrauen, das muss ich mir zurückholen", gesteht Pranjic ein.

Auch Bastian Schweinsteiger blüht unter van Gaal nicht gerade auf. Wuchtige Distanzschüsse, früher ein Markenzeichen von "Schweini", sieht man im Moment nicht, auch kaum riskante Pässe in die Spitze.

Kritik von Beckenbauer

"Was nutzen 70 Prozent Ballbesitz, wenn der Ball meist quer und zurück läuft", grantelt Präsident Franz Beckenbauer.

Van Gaal gibt sich zumindest äußerlich gelassen angesichts der aufgeflammten Kritik.

"Wir wissen, dass uns die Kreativität fehlt. Wenn Ribery und Robben fehlen, müssen wir unser Positionsspiel machen."

Richtig überzeugend waren die Münchner eben bislang in Partien, als sie mit der Flügelzangen "Rib und Rob" im 4-3-3-System wirbeln konnten. Auch der Ausfall des gesperrten Thomas Müller bedeutete für das FCB-Mittelfeld am Dienstag einen großen Verlust an Spielwitz.

Immerhin: Gegen Schalke ist Müller wieder ein fester Kandidat fürs Mittelfeld und auch Arjen Robben wird voraussichtlich als Einwechselspieler alles dafür geben, damit Bayern auch in Phase drei und vier, sprich Torvorbereitung und -abschluss, wieder erfolgreich ist.

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