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Klaus Fischer (l.) spielte von 1970 bis 1981 im Trikot des FC Schalke 04 © getty

Vor dem Topspiel beim FC Bayern spricht Schalkes Stürmerlegende Klaus Fischer im Interview über den Höhenflug der Königsblauen.

Von Mathias Frohnapfel

München - Klaus Fischer weiß, wie man dem FC Bayern Schmerzen bereiten kann.

Die Stürmerlegende des FC Schalke 04, gebürtiger Niederbayer, traf beim 7:0 der Königsblauen in München am 9. Oktober 1976 gleich viermal.

Es war die höchste Heimniederlage der Bayern in der Bundesliga.

Auch in der vergangenen Saison siegten die Gelsenkirchener. Zwar nur mit 1:0, aber das hatte erhebliche Folgen: Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann musste nach der Pleite gehen.

Wie sich die Zeiten gleichen. Vor dem erneuten Auftritt der Schalker in der Allianz Arena (Sa., ab 15 Uhr LIVE) steht der Klinsmann-Nach-Nachfolger Louis van Gaal gewaltig unter Druck.

Klaus Fischer hält einen weiteren Erfolg seiner Schalker für möglich - und lobt Trainer/Manager Felix Magath im Sport1.de-Interview in den höchsten Tönen.

Sport1.de: Herr Fischer, im vergangenen Jahr gewann der FC Schalke beim kriselnden FC Bayern, anschließend wurde in München Trainer Jürgen Klinsmann entlassen. Die Bayern stecken wieder in der Krise, kann Schalke auch am Samstag wieder gewinnen?

Klaus Fischer: In der Bundesliga ist alles möglich. Der FC Bayern ist Favorit, spielt schließlich zu Hause. Aber die Bayern sind angeschlagen. Schalke wird Gas geben, dass steht fest, aber was dabei rauskommt wird sich zeigen.

Sport1.de: Wie erklären Sie sich den Höhenflug von Schalke 04 derzeit?

Fischer: Der hängt mit Felix Magath zusammen, gar keine Frage. Was er auf die Beine gestellt hat ist schon sensationell. Es sind Spieler da, die vorher keiner kannte, junge Spieler, die jetzt auf einmal spielen. Das Team ist topfit und spielt sehr diszipliniert, merkt, dass es jetzt geht, auch wenn es sich spielerisch sicherlich noch verbessern kann. Aber das Wichtige ist, dass die Mannschaft in der zweiten Halbzeit immer noch zulegen kann.

Sport1.de: Schalke hat eine riesige Moral derzeit, zuletzt zwei Mal einen 0:2-Rückstand aufgeholt.

Fischer: Und das nicht gegen irgendwen, sondern gegen zwei Spitzenmannschaften (Hamburg und Leverkusen, Anm. d. Red.). Immer geht das auch nicht, aber es zeigt dass die Mannschaft Moral hat, dass sie sich nicht aufgibt, dass sie alles versucht um das Spiel noch zu drehen. Gegen den HSV hätte es ja beinahe noch zum Sieg gereicht.

Sport1.de: Sie haben die jungen Spieler wie Lukas Schmitz und Christoph Moritz schon angesprochen. Wo liegen denn deren Stärken?

Fischer: Es sind ja nicht nur die beiden. Dazu gibt es auch Höwedes, Zambrano, Kenia oder Holtby, da sind ja mehrere junge Leute. Diese Spieler werden ins kalte Wasser geworfen, auch wenn sie mal nicht so gut spielen, aber die geben alles. Sie merken, wenn sie Leistung bringen, können sie spielen und das beflügelt auch die anderen.

Sport1.de: Was trauen Sie Felix Magath zu? Kann er in diesem Jahr schon den großen Schalker Traum von der Meisterschaft erfüllen?

Fischer: Über die Meisterschaft wird nicht gesprochen, das wäre ein Wunder. Magath ist gerade mal das erste Jahr da und tritt mit einer jungen Mannschaft auf. Wichtig für Schalke ist, dass sie lange oben bleiben und vielleicht den internationalen Wettbewerb erreichen. Im Pokal haben sie auch noch gute Möglichkeiten, aber von der Meisterschaft zu reden wäre verfrüht.

Sport1.de: Felix Magath unternimmt alles, um die Erwartungen zu bremsen, weist darauf hin, dass Schalke noch keine Spitzenmannschaft sei. Ist das die richtige Methode?

Fischer: Da hat er Recht, so weit sind sie noch nicht. Wenn sich die Mannschaft in der Saison spielerisch noch so steigert, wie sie es im läuferischen und kämpferischen Bereich gemacht hat, kann man darüber reden. Spielerisch müssen sich die Jungs noch finden, die Laufwege müssen sich automatisieren, und dann muss man abwarten was alles möglich ist.

Sport1.de: Und Magath hat es schon geschafft, eine Mannschaft auf den Platz zu stellen, die als Einheit auftritt.

Fischer: Ja, das ist ganz wichtig. Spieler und Fans müssen eine Einheit bilden, damit die Fans auch bis zum Schluss hinter dem Team stehen. Wenn die Mannschaft zurückliegt, versucht sie weiter nach vorne zu spielen. Und die Fans peitschen sie nach vorne.

Sport1.de: Für Sie als ehemaligen Stürmer dürfte auch der Aufschwung von Kevin Kuranyi interessant sein. Er hat schon sechs Mal getroffen, tritt wieder mit Selbstvertrauen auf. Vergangene Saison schien er noch neben sich zu stehen. Wie sehen Sie seine Entwicklung?

Fischer: Als Torjäger muss er treffen, das ist sein Job. Wenn er die Tore macht, ist das eine wunderbare Sache, das hilft dem Verein, das hilft der ganzen Mannschaft. Aber Kuranyi ist ja nicht der Einzige, auch Farfan spielt hervorragend. Ich hoffe dass es so weitergeht. Wenn wir am Samstag bestehen können haben wir gute Möglichkeiten. Danach kommen Mainz, Gladbach, Berlin, Hannover. Das sind Gegner, die sind machbar.

Sport1.de: Wie sehr beeinflusst aus Ihrer Sicht das Thema Finanzkrise die Spieler?

Fischer: Die Spieler beeinflusst das nicht, die haben ihr Geld gekriegt. Wie ich gehört und gelesen habe, ist das geregelt. Daher braucht sich kein Spieler große Gedanken machen. Die Jungs müssen sich auf ihre Arbeit konzentrieren, alles andere darf sie nicht interessieren.

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