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Oliver Kahn (l.) und Ottmar Hitzfeld haben mit Bayern zuletzt 2008 das Double geholt © imago

Bayerns Ex-Größen stärken dem heftig in die Kritik geratenen Coach den Rücken. Nur Giovane Elber sieht die Sache anders.

Vom FC Bayern berichtet Christian Paschwitz

München - An Louis van Gaal scheiden sich die Geister.

Nach der erneuten Champions-League-Pleite gegen Girondins Bordeaux (0:2) und nur Platz sechs in der Liga gerät der Coach des FC Bayern immer stärker unter Druck. Auch intern.

Klub-Präsident Franz Beckenbauer blieb kürzlich eine echte Rückendeckung schuldig, als er meinte: "Ich glaube, unser Vorstand hat die Geduld - zumindest bis zur Winterpause. Wenn wir jetzt alle Spiele bis dahin verlieren, dann wird man sich auch von Seiten des Vorstands Gedanken machen."

Ausgerechnet Bayerns Ex-Trainer Ottmar Hitzfeld springt vorm Spiel gegen Schalke (Sa., ab 15 Uhr LIVE) dem angezählten van Gaal nun zur Seite und fordert in der "Bild" ein Bekenntnis für den 58-jährigen Niederländer.

Hitzfeld: "Keine Diskussion"

"Für mich gibt es da gar keine Diskussion. Wenn man einen Trainer verpflichtet, muss man auch ohne Wenn und Aber zum Trainer stehen", sagte Hitzfeld.

Denn: "Man kann ja noch immer alles erreichen. Man muss dem Trainer total den Rücken stärken."

Hitzfeld, inzwischen Schweizer Nationalcoach, weiß genau wovon er spricht.

Er selbst hatte 2008 sein zweites Trainer-Engagement beim Rekordmeister auch deshalb beendet, weil ihm von den Bayern-Granden um Karl-Heinz Rummenigge ("Fußball ist keine Mathematik") vorgeworfen worden war, zu häufig zu rotieren.

Kahn sieht Alibi der Spieler

Zur Trennung führte damals mangelnder Support von oben. Der droht nun offenbar van Gaal zu entrinnen.

Auch Oliver Kahn macht sich via "Bild" stark für van Gaal. Dass dessen Dominanz möglicherweise die Spieler einschüchtert, findet Bayerns Ex-Torwart absurd.

"Das ist doch nur ein Alibi. Diese Spieler haben Erfahrung und sind hoch bezahlt." In der gegenwärtigen Krise sei van Gaal zwar maßgeblich gefordert: "Der Trainer kann viel tun."

"Gehemmt und blockiert"

Doch "letztlich ist es die Mannschaft, die für den Erfolg verantwortlich ist. Das Gefüge im Team entscheidet über Wohl und Wehe des Vereins. Am Schluss ist es immer die Eigenmotivation eines jeden Spielers."

Gleichwohl sehen sowohl Kahn als auch Hitzfeld die Situation höchst brenzlig an der Säbener Straße: "Generell glaube ich, dass die Mannschaft angeschlagen wirkt, gehemmt und ein bisschen blockiert", befindet Hitzfeld.

Der 58-Jährige ergänzt: "Das hängt damit zusammen, dass man wer weiß wie lange nicht mehr auf dem 1. Platz gestanden hat. Das hinterlässt Spuren. Wenn man nicht oben steht, gibt es viele Nebengeräusche. Da kann es auch im Vorstand ungemütlich werden. Da wird nur der 1. Platz erwartet, da werden nur Titel erwartet.?"

CL-Aus ein "Riesen-Gau"

Von solchen sind die Bayern derzeit aber so weit entfernt wie van Gaal in der Beliebtheitsskala vieler Bayern-Fans, die wegen des drohenden Aus' in der Königsklasse sechs Monate nach Jürgen Klinsmann schon wieder nach einem neuen Trainer rufen.

Für Kahn wäre das frühe Scheitern in der Königsklasse "ein Riesen-Gau für alle Beteiligten".

Die Mannschaft dominiere zwar oft ihre Gegner, "aber sie führten keine Situation herbei, aus der Selbstvertrauen wächst."

"Eine sehr, sehr kritische Phase jetzt, ein enorm wichtiges Spiel. Denn Bayern befindet sich ja nicht in einem Umbruch, da wurden ja über 70 Millionen Euro investiert", meint der Ex-Nationalkeeper.

Elber geht auf Konfrontationskurs

Doch 30-Millionen-Euro-Einkauf Mario Gomez ist völlig verunsichert, nachdem ihn van Gaal überraschend aus der Stammelf geworfen und zudem erklärt hatte, dass unter seiner Verantwortung der Stürmer nicht verpflichtet worden wäre.

Ex-Bayern-Profi Giovane Elber hat dafür kein Verständnis: "So ein Blödsinn. Da frage ich mich: Haben sich alle getäuscht - oder täuscht sich vielleicht Louis van Gaal?"

Der jetzige Bayern-Scout moniert in der "Stuttgarter Zeitung" zudem: "In Louis van Gaal ist ein neuer Trainer gekommen, der neue Methoden eingeführt hat. Aber leider muss man sagen: Das alles passt nicht zum FC Bayern - zumindest momentan noch nicht."

Zu viele Hochkaräter?

Als Erklärung dafür führt Hitzfeld allerdings an: "Bayern München hat noch nie so viele so gute Offensivspieler gehabt. Aber es ist gefährlich, wenn man zu viele Hochkaräter hat. Ich hätte mir als Trainer nie gewünscht, dass ich so viele Alternativen habe."

Hitzfelds Begründung: "Ich muss dann Spieler vor den Kopf stoßen, die gut trainieren, aber nicht spielen dürfen. Das bringt Unruhe und Unzufriedenheit."

Genau das kennzeichnet den FC Bayern aktuell.

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