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Langes Gesicht bei Bayerns van Bommel nach dem Ausgleich, Freude bei den Schalkern © getty

Ein 18-Jähriger vermasselt dem kriselnden van-Gaal-Team den Befreiungsschlag. Der Rekordmeister rutscht ab auf Rang acht.

München - Bayern München hinkt auch national weiter hinter den eigenen Ansprüchen her.

Vier Tage nach dem 0:2 in der Champions League gegen Girondins Bordeaux musste sich der Rekordmeister in der Liga gegen Schalke 04 mit einem 1:1 (1:1) begnügen und hat nun sechs Punkte Rückstand auf die Spitze.

Die Bayern und besonders ihr nicht mehr unumstrittener Trainer Louis van Gaal geraten dadurch noch stärker unter Druck.

Auch die Gäste verloren etwas die Tuchfühlung zu Platz eins, wahrten aber auch im sechsten Spiel die weiße Auswärtsweste.

Van-Buyten-Führung bleibt Makulatur

Daniel van Buyten brachte die überlegenen, aber ideenlosen Bayern in der 31. Minute verdient in Führung. Der Schalker Bundesliga-Debütant Joel Matip glich noch vor der Pause für die Knappen aus (43.).

Vor 69.000 Zuschauern in der ausverkauften WM-Arena begannen die Bayern sichtlich verunsichert, steigerten sich aber im Lauf der ersten Halbzeit zu einer ordentlichen Leistung.

Der Pausenstand war somit aus Sicht der Münchner etwas unglücklich. Auch nach der Pause hatten die Bayern mehr vom Spiel, ließen aber Durchschlagskraft vor dem Tor vermissen.

Badstuber verteidigt auf links

Bayern-Trainer van Gaal hatte sich für dieses wichtige Spiel eine neue Lösung für die Schwachstelle der Münchner auf der linken Abwehrseite einfallen lassen und Holger Badstuber gebracht, der das Vertrauen rechtfertigte.

Das galt auch und besonders für den erst 18 Jahre alten Matip, den Schalke-Coach Felix Magath in der zweiten Mannschaft in der Vierten Liga aufgetan und als "Sechser" vor die Abwehr gestellt hatte.

Matip spielte seinen Part solide.

Lahm mit durchschnittlicher Leistung

Zu Beginn hatten es er und seine Nebenleute jedoch auch recht leicht gegen die nervösen Münchner, deren Kapitän Mark van Bommel lange nicht der erhoffte Taktgeber im Mittelfeld war.

Auch Philipp Lahm, der vor dem Spiel mit einem äußerst kritischen Interview für Aufsehen gesorgt hatte, erwischte auf der rechten Abwehrseite einen seiner seltenen schwächeren Tage.

"Er muss sich an die eigene Nase fassen", sagte Präsident Franz Beckenbauer deshalb über Lahm.

Schwache Chancenauswertung

Die Schwächen nutzte Schalke und kam nach Fehlern von Martin Demichelis und Lahm zu seinen ersten beiden Chancen. Doch Torhüter Jörg Butt parierte erst gegen Kevin Kuranyi prächtig, wenig später rettete Badstuber gegen Jefferson Farfan.

Erst jetzt erkannten die Bayern den Ernst der Lage und legten ihre anfängliche Scheu ab. Die Folge waren erste Chancen von Miroslav Klose, Thomas Müller und dem ansonsten schwachen Luca Toni, die allesamt vergeben wurden.

Das lag besonders daran, dass den Bayern die Entschlossenheit fehlte. Auch eine klare spielerische Linie war nicht zu erkennen.

Van Buyten mit drittem Saisontor

Als sich van Gaals Mannschaft schon bedrohlich einer ernsthaften Herbstdepression näherte, trat erneut van Buyten als Erlöser auf - mit freundlicher Unterstützung von Kuranyi: Einen Freistoß legte er unfreiwillig per Kopf zu van Buyten ab, der Belgier vollstreckte.

Das dritte Saisontor von van Buyten tat den Bayern sichtlich gut.

Fünf Minuten nach dem Treffer hätte Klose erhöhen können, doch er war erneut zu zögerlich. Das rächte sich kur vor der Pause, als Matip nach Freistoßflanke von Lukas Schmitz per Kopf zum 1:1 traf.

Van Buyten hätte mit dem Pausenpfiff fast erneut getroffen, doch Marcelo Bordon klärte kurz vor der Linie.

FCB: Der letzte Pass fehlt

Nach dem Wechsel hatten die Bayern weiter leichte Vorteile, im letzten Spielfelddrittel aber krankte ihr Spiel erneut am bekannten Problem: der letzte Pass kam nicht, oder wurde wieder zu schlampig gespielt.

Und so arbeiteten sich die Bayern an soliden, keineswegs aber restlos überzeugenden Schalkern ab - auf bescheidenem Niveau.

Viel Hektik in Hälfte zwei

Große Chancen blieben Seltenheit, Fouls und Nickeligkeiten wie vom für Toni eingewechselten Arjen Robben gegen Schmitz brachten zudem Hektik ins Spiel.

Wenn bei den Bayern mal etwas ging, dann über den quirligen Robben, der aber oft auf sich allein gestellt war. Klose vergab zwei weitere Möglichkeiten und wurde eine Viertelstunde vor dem Ende für Mario Gomez ausgewechselt.

Es war allerdings Anatolij Timoschtschuk, der wenig später die größte Chance zum 2:1 vergab.

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