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Wer muss sich nach unten orientieren? Stuttgarts Julian Schieber (r.) und Gladbachs Michael Bradley © imago

Für Stuttgart und Gladbach hat das direkte Duell richtungweisenden Charakter. Babbel beutelt besonders ein Ausfall.

Von Christian Paschwitz

München - Markus Babbel ließ es mächtig scheppern.

Beim 1:1-Champions-League-Auftritt gegen den FC Sevilla brüllte der zuletzt wackelnde Teamchef des kriselnden VfB Stuttgart zur Halbzeit seine Spieler an:

"Wir haben hier die Hosen voll. Aber der Einzige, der hier Angst haben muss, bin ich. Es geht um meinen Kopf."

Babbels Brandrede zeigte Wirkung. Zdravko Kuzmanovic verhinderte mit seinem Tor eine abermalige Niederlage und das vorzeitige Aus in der Königsklasse - und ließ Babbel fürs erste etwas fester im Sattel sitzen.

Heldt ruft Abstiegskampf aus

Vier Tage später in der Liga bei Borussia Mönchengladbach (ab 15 Uhr LIVE) geht es für die Stuttgarter und ihren Übungsleiter erneut um sehr viel.

Manager Horst Heldt spricht von einem Duell mit dem Prädikat "Abstiegskampf": Gerade mal ein Pünktchen trennt die seit acht Spielen sieglosen Schwaben von Relegationsplatz 16. Nur zwei Zähler besser stehen die Gastgeber da.

Spannende Frage also: Wer hält den Anschluss ans rettende Ufer, für wen geht es abwärts?

"Ich hoffe, dass jetzt vielleicht der Knoten platzt. Es geht schwierig weiter", meint Babbel, der fordert, "die Tabelle auszublenden". Wohlwissend, dass sein Stuhl im Falle einer Pleite wieder mächtig zu wackeln droht, dass das Vorwochen-0:0 gegen die Bayern dann kaum mehr einen Wert hätte.

Tasci-Ausfall wiegt schwer

Spannende Frage aber auch: Wie emotional reagiert Babbel, spult sein Team wie in Sevilla erneut eine unterirdische erste Halbzeit ab und gerät in Rückstand?

Was des Teamchefs Aufgabe von vornherein ungleich schwerer macht: Mit dem Ausfall von Serdar Tasci hat sich die ohnehin schon brenzlige personelle Situation zusätzlich verschärft.

Der Innenverteidiger fällt wegen einer Überlastungsreaktion im linken Fuß gleich bis zum Ende der Hinrunde aus, laboriert an der gleichen Verletzung wie Sami Khedira. Und ohne die Zwangspause droht ein Ermüdungsbruch.

Babbels Möglichkeiten vor allem in der Abwehr haben sich dadurch drastisch minimiert. Zumal auch Ricardo Osorio (Muskelfaserriss) abermals passen muss, der Einsatz von Matthieu Delpierre (spielt mit Schiene wegen eines Mittelhandbruchs) unter instabilen Vorzeichen steht.

Boulahrouz spielt zwangsläufig

Mangels Alternativen muss Babbel somit erneut auf den in Sevilla ganz schwachen Khalid Boulahrouz vertrauen - und dürfte Kuzmanovic zum zusätzlichen Abwehr-Stabilisator beordern.

Viel mehr, als sich an der zweiten Halbzeit von Sevilla aufzurichten, bleibt dem VfB somit nicht. Das neue Selbstvertrauen ist höchst zart, und Torwart Jens Lehmann mahnt: "Ich bin noch nie abgestiegen und möchte, dass das auch so bleibt."

Die Angst vor dem Absturz in Liga zwei ist Antriebsfeder auch bei der Borussia: Der 3:2 beim Hamburger SV, als die "Fohlen" zweimal einen Rückstand umbogen, hat die Moral zwar gestärkt.

Nach sechs sieglosen Partien davor ist der Aufschwung indes noch so zerbrechlich wie das Team von Michael Frontzeck personell ausgedünnt wie der VfB: Mit Raul Bobadilla (Muskelfaserriss) fällt der Stürmer aus, der bisher alle Liga-Partien absolviert hat.

Bailly blockiert

Keeper Logan Bailly wiederum plagt eine Blockade der Hals-Wirbelsäule und eine Nervenreizung.

Was wenig Mut macht: Bobadilla hatte zuletzt immer wieder muskuläre Probleme, litt schon bei Grasshopper Zürich unter einem schweren Muskelfaserriss. "Wir wussten, dass wir mit Boba ein Rennpferd kaufen, das wir ganz besonders pflegen müssen", flüchtet sich Sportdirektor Max Eberl in Galgenhumor.

Trotzdem hofft die Borussia nach zwei Spielen ohne Pleite auf ein weiteres Erfolgserlebnis.

"Stuttgart ist angeschlagen, das wollen wir ausnutzen. Wenn wir so spielen wie zuletzt, können wir in die Punkte kommen", sagt Frontzeck, der mit dem VfB als Spieler einst Meister wurde.

Wie reagiert Friend?

Die Gunst der Stunde nutzen könnte dabei Rob Friend:

"Ich bin hungrig auf Einsätze und würde natürlich gerne von Beginn an spielen?, sagt der Kanadier, der in Hamburg zwölf Minuten nach seiner Einwechslung das Siegtor erzielte. Mit der Joker-Rolle mag sich der Angreifer jedenfalls nicht weiter abfinden.

Vorne gesetzt ist allerdings allein Roberto Colautti, mit zwei Saison-Treffern mit bester Gladbacher Vollstrecker - und bisweilen äußerst hitzköpfig.

In Hamburg pfefferte er nach seiner Auswechslung eine Flasche in die Ecke, in der Woche zoffte sich der 27-Jährige im Training mit Michael Bradley und wurde von Frontzeck zum Duschen geschickt.

Stuttgarts Babbel ist nicht der Einzige, der es im Kellerduell scheppern lassen kann...

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