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"Der FC Bayern ist natürlich total modern. Karl-Heinz Rummenigge hockt den ganzen Tag vorm Computer und hat eckige Augen." (Über sein Leben ohne Computer)
Sauer über Philipp Lahms Kritik: Manager Uli Hoeneß (r.), hier mit Karl-Heinz Rummenigge © getty

Weil Lahm vor dem Schalke-Spiel Bayern Transferpolitik kritisiert, kündigt Manager Hoeneß drastische Konsequenzen an.

Von Christian Paschwitz

München - Es kracht schon wieder gewaltig beim Rekordmeister:

Nicht nur, dass der FC Bayern beim 1:1 (1:1) gegen den FC Schalke 04 einmal mehr den Befreiungsschlag aus der sportlichen Krise verpasste, der Druck auf Trainer Louis van Gaal weiter zunehmen dürfte.

Jetzt knallt es auch noch zwischen Bayern-Manager Uli Hoeneß und Philipp Lahm.

"Sie können versichert, dass er das noch bedauern wird", polterte Hoeneß unmittelbar nach Abpfiff der Partie gegen Schalke über den Nationalverteidiger. "Das wird Konsequenzen haben."

Vergleich mit Labbadia

"Es war nicht klug von ihm, so ein Interview vor so einem wichtigen Spiel zu geben", fügte der Manager bei "Sky" an und zog zudem eine bemerkenswerten Vergleich zum jetzigen Trainer des HSV, der unlängst durch ein Interview seinen Abgang vom Ex-Klub provozierte.

Hoeneß: "Bruno Labbadia hat vor einem wichtigen Spiel auch mal ein sehr unglückliches Interview gegeben (vor dem Pokal-Finale der letzten Saison, Anm. d.Red.). Und das hätte er besser nicht gegeben."

Dass die Bayern und Lahm eine Trennung anstreben, ist freilich kein Thema.

Wohl aber ist zu erwarten, dass Hoeneß den 25-Jährigen gehörig einnorden und mit einer hohen Geldstrafe belegen wird. Womöglich findet sich Lahm vorübergehend auch auf der Tribüne wieder.

"Ein System gibt es bei uns nicht"

Lahm hatte die Bayern-Granden so zur Weißglut gebracht, weil er vor dem Spiel die verfehlte Einkaufspolitik seines Klubs harsch kritisierte.

In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" erklärte er: "Vereine wie Manchester oder Barcelona geben ein System vor - und dann kauft man Personal für dieses Sytem. So etwas gibt es bei uns nicht: Dass der Verein etwas vorgibt und alles darauf aufgebaut wird."

Vor allem im internationalen Vergleich seien die Bayern schlechter besetzt als die Konkurrenz.

Lahm vermisst Philosophie

"International brauchst du eben mindestens acht Spieler, die auf ihrer Position ausgebildet sind, Sicherheit haben und damit konkurrenzfähig sind", sagte Lahm: "Ich sehe diese acht Spieler nicht bei uns nicht, und das liegt nicht an den Spielern, sondern an der fehlenden Philosophie über die letzten Jahre."

Als besondere Schwachstelle des Teams sieht der Außenverteidiger besonders das Mittelfeld an.

"Wen soll man denn anspielen? Wo ist jemand, der mal was bewegt, der den Ball zur Seite mitnimmt, nach vorne schaut und irgendwie den Ball durchsteckt, dass man nachrücken kann? Das passiert bei uns kaum."

Auch der "Kaiser" kontert

Wie Hoeneß zeigte auch Bayern-Präsident Franz Beckenbauer wenig Verständnis für Lahms Äußerungen: "Natürlich hat der FC Bayern eine Philosophie."

Der "Kaiser" nahm zudem Lahm in die Pflicht: "Er muss sich auch an die eigene Nase fassen, denn er kommt auch nicht an seine gewohnte Leistung heran."

Losgelöst von seiner Kritik lobte Lahm die Arbeit des neuen Trainers Louis van Gaal. "Ich glaube schon, dass wir jetzt einen Trainer haben, der den Bau einer Mannschaft hinbekommen kann."

Von van Gaal überzeugt

"Es braucht noch Zeit, aber ich bin der festen Überzeugung, dass er ein guter Trainer ist. Er ist sicher auch manchmal schwierig im Umgang für viele Spieler. Aber er ist bestimmt kein Unmensch, er verlangt keine Undinge von uns."

Seinen nicht zustande gekommenen Wechsel zum Champions-League-Sieger FC Barcelona bereut der 25-Jährige nicht.

"Ich bin immer noch der Meinung, dass hier bei den Bayern was entstehen kann. Mir liegt der FC Bayern am Herzen - deshalb spreche ich unsere Situation so offen an."

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