Bochums Trainer kritisiert nach der Niederlage gegen Freiburg sein Team. Unruhe gibt es auch um Schiedsrichter Felix Brych.

Bochum - Der kuriose Schlussakkord gab Heiko Herrlich den Rest.

Eine fatale Mischung aus Pech und Unvermögen verhagelte dem neuen Trainer des VfL Bochum in letzter Sekunde endgültig das Heimdebüt.

Dennoch zeigte der frühere Torschützenkönig nach dem bitteren 1:2 (0:1) gegen Aufsteiger SC Freiburg und dem erneuten Rückschlag im Abstiegskampf Größe.

"Der Schiedsrichter hat seine Sache bestmöglich gemacht. Er macht so etwas sicherlich nicht extra", sagte Herrlich nach seiner zweiten Niederlage im zweiten Spiel mit Blick auf zwei folgenschwere Fehlentscheidungen von Referee Felix Brych:

"Wir sollten sehen, dass wir erst mal in unserem eigenen Hof kehren."

Brych mit zweifelhaften Entscheidungen

Beim Stand von 1:1 hatte der Schiedsrichter aus München Bochums Stürmer Diego Klimowicz zunächst zu Unrecht wegen angeblicher Abseitsstellung dessen zweites Tor (74.) verwehrt, bevor es für Bochum in der Nachspielzeit richtig bitter wurde.

Brych wertete ein Handspiel von Freiburgs Abwehrspieler Pavel Krmas an der SC-Strafraumgrenze nicht als solches, nach dem folgenden Befreiungsschlag erzielte Stefan Reisinger in der letzten Aktion des Spiels in der zweiten Minute der Nachspielzeit den Freiburger Siegtreffer.

Während Gästetrainer Robin Dutt im Anschluss an das erste Spiel nach dem Tod von SC-Präsident Achim Stocker von einem "besonderen, emotional wichtigen Sieg" sprach, nahm sich Herrlich statt des Schiedsrichters sein Team zur Brust.

Herrlich kritisiert Spieler

Schon beim 0:1 durch den Ex-Bochumer Heiko Butscher (23.) habe sich seine Elf "wie eine Jugendmannschaft verhalten", aber vor allem die Schlussphase verärgerte ihn. "Die Fernsehbilder zeigen, dass es ein Handspiel war. Aber statt umzuschalten und zu verteidigen, rennen vier bis fünf Spieler zum Schiedsrichter", erklärte Herrlich.

Und weiter: "Ich habe noch nie gesehen, dass ein Schiedsrichter eine Entscheidung revidiert hat, bloß weil ihm ein paar Spieler hinterherlaufen", sagte der ehemalige Torjäger. Er erwarte "größere Wachheit und Aufmerksamkeit".

Bochum weiter gelassen

Acht Punkte hat der Tabellenvorletzte auf dem Konto. Bochum ist auf dem besten Weg, die katastrophale Hinrunde der Vorsaison (11 Zähler) zu wiederholen.

Doch gerade die Erfahrungen aus der vergangenen Spielzeit, als man am Ende noch den Klassenerhalt schaffte, erzeugen in Bochum auch eine gewisse Gelassenheit.

Er habe im Vergleich zum Herrlich-Debüt in Frankfurt (1:2) schon eine Entwicklung gesehen, sagte Manager Thomas Ernst: "Ich bin mir sicher, dass wir unser Saisonziel Klassenerhalt erreichen werden."

VfL-Fans frustriert

Die Bochumer Anhänger unter den 21.000 Fans hätten Ernst zumindest nach der ersten Halbzeit nicht beigepflichtet.

Bochum spielte enttäuschend, auch acht verletzte oder gesperrte Stammspieler ließen die VfL-Fans nicht als Entschuldigung gelten und pfiffen sich nach dem Pausenpfiff den Frust von der Seele.

Der Ausgleich durch Klimowicz (65.) resultierte aus einem der wenigen zwingenden Angriffe. "Was danach ablief, war natürlich bitter. Da kam einfach alles zusammen", sagte Herrlich.

"Ich ziehe den Hut vor der Mannschaft"

Die Freiburger standen derweil noch immer unter dem Eindruck des Todes ihres Präsidenten Stocker am vergangenen Sonntag und der Trauerfeier mit mehr als 4000 Menschen im heimischen Stadion am Tag vor dem Spiel.

"Wir haben eine wahnsinnig emotionale Woche hinter uns. Es war nicht einfach für uns, uns auf das Spiel vorzubereiten. Ich ziehe den Hut vor meiner Mannschaft", sagte Dutt.

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