vergrößernverkleinern
Philipp Lahm (l.) hat für den FCB bisher 104 Bundesligaspiele absolviert © getty

Der FC Bayern bleibt beim Remis gegen Schalke spielerisch erneut viel schuldig. Zudem sorgen Lahm und Toni für Eklats.

Von Christian Stüwe

München - Als hätte der FC Bayern München nicht schon Probleme genug, ergaben sich nach dem 1:1 gegen Schalke zwei neue Brandherde.

Die neuen Baustellen dürften die Münchner ähnlich stark beschäftigen wie die erneut gezeigte Schwäche im Abschluss.

Zum einen wäre da Philipp Lahm, der mit einem kritischen Interview in der "SZ" für einen schiefen Haussegen sorgte. Zum anderen Luca Toni, der enttäuscht über seine Auswechslung zur Halbzeit umgehend das Stadion verließ.

Gesellt sich zu den fußballerischen Problemen des Rekordmeisters nun auch noch ein Disziplinproblem?

Auf den Punkt brachte es Daniel van Buyten, derzeit vielleicht stärkster Bayern-Akteur und Torschütze (31.) gegen die Schalker.

"Wir müssen jetzt für den FC Bayern zusammenhalten, nur so werden wir wieder nach oben kommen. Wenn jeder seinen eigenen Weg geht, wird es schwierig sein", sagte der Belgier.

"Das Interview hätte er besser nicht gegeben"

Lahm hatte sich für seinen eigenen Weg entschieden und mit der Kritik an Vorstand und Mitspielern am Tag des Spieles für große Aufregung gesorgt.

"Ich habe ihm schon gesagt, dass das nicht gerade klug war, so ein Interview vor so einem wichtigen Spiel zu geben", sagte Uli Hoeneß und kündigte harte Konsequenzen in den nächsten Tagen an: "Ich glaube, dass Interview hätte er besser nicht gegeben."

Hoeneß greift Lahms Berater an

Hoeneß hatte vor allem Lahms Berater Roman Grill als Unruhestifter ausgemacht.

"Das Interview hätte auch heißen müssen: Ein nicht angenommener Sportdirektor beim HSV äußert sich. Ich dachte, der will ja auch mal wieder Spieler an uns verkaufen", schimpfte Hoeneß:

"Das war kein guter Nachmittag für Roman Grill. Das wird den beiden nicht gut bekommen. Grill meint ja, er hat die Weisheit mit Löffeln gefressen."

Und sportlich bekam Lahm auch noch eine vom Bayern-Manager mit: "Bisher habe ich auch nichts darüber gesagt, ob er besser rechts oder links spielt. Aber die Meinung, dass er ein besserer rechter als ein linker Verteidiger ist, die hat er ziemlich exklusiv."

Auch Toni drohen Konsequenzen

Der unrühmliche Abgang Tonis nach seiner Auswechslung gegen Robben rundete dann das Bild einer Mannschaft ab, in der es im Moment weder sportlich noch menschlich zu passen scheint.

Auch dem italienischen Weltmeister drohen Konsequenzen. "Das ist nicht gut für die Mannschaft und auch nicht für Luca Toni", erklärte Trainer Louis van Gaal.

"Das ist natürlich nicht in Ordnung. Wir haben das registriert und werden darüber in der nächsten Woche intern sprechen", sagte Hoeneß.

Offensive enttäuscht erneut

Auf dem Platz konnte Toni, der mit Miroslav Klose im diesmal aufgebotenen 4-4-2 die Sturmspitze bildete, allerdings für wenig Aufregung sorgen.

Die Bayern kontrollierten das Spiel, erarbeiteten sich Chancen, waren in der Offensive aber harmlos. Bezeichnend, dass dem Tor van Buytens eine unfreiwillige Vorlage des Schalkers Kevin Kuranyi voraus ging. Bezeichnend auch, dass mit van Buyten ein Verteidiger den Ball über die Linie stocherte.

"Es ist frustrierend, wenn man kein Tor macht. Es fehlten immer zwei, drei oder fünf Zentimeter. Das muss sich ändern", forderte van Gaal.

Saisonziele in Gefahr

Und das sollte möglichst schnell geschehen, wollen die Bayern ihre Saisonziele nicht allesamt verpassen.

In der Bundesliga liegen die Bayern mit sechs Punkten Rückstand auf Rang acht, in der Champions League stehen die Münchner vor dem Aus in der Gruppenphase.

Als nächstes steht in zwei Wochen das schwere Spiel gegen Spitzenreiter Bayer Leverkusen an. Dort müssen die Bayern eine bessere Leistung zeigen, sonst könnte der Abstand zur Spitze schon enorm anwachsen.

Van Bommel hofft, dass der Mannschaftsgeist bis dahin wieder intakt sein wird. "Wir gewinnen zusammen und wir verlieren zusammen", sagte der Kapitän im Blick auf Toni und Lahm.

Nationalspieler gehen auf Reisen

Viel Arbeit und viel Gespräche stehen nun an der Säbener Straße an. Allerdings wird die Hälfte des Kaders nicht dabei sein, da die Länderspielpause ansteht.

"Es ist schwierig zu trainieren, wenn 14 oder 15 Spieler nicht da sind", ärgerte sich van Gaal.

Landsmann van Bommel scheint die "Flucht" weg vom Krisenherd an der Säbener Straße gar nicht ungelegen: "Vielleicht ist es ganz gut, zwei Wochen weg zu sein und dann gegen Leverkusen zu spielen."

Magath überrascht mit Matip

Ganz anders die Schalker, die zuletzt Hamburg, Leverkusen und den Bayern einen Punkt abtrotzten. Mit einer konzentrierten Defensivleistung entführten die Gelsenkirchener den Punkt aus München.

Ein besonderer Coup gelang dabei Felix Magath an alter Wirkungsstätte. Mit dem 18-jährigen Joel Matip zauberte er einmal mehr ein völlig unbekanntes Talent aus dem Hut.

Dass Matip dann auch noch den Ausgleich erzielte (43.), passt ins Bild des derzeitigen Schalker Aufwärtstrends.

"Er hat voll überzeugt", lobt Magath Matip, der Torschütze freute sich über das "Riesenerlebnis".

Magath mit positivem Zwischenfazit

Magath zog im Anschluss an die Partie ein durchaus positives Zwischenfazit.

"Wir haben uns gut geschlagen in den drei Spitzenspielen. Ich bin zuversichtlich, dass wir uns bis Weihnachten im oberen Drittel halten können", erklärte Magath.

Dann fügte er an: "Das ist mehr als ich vor der Saison erwartet hätte."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel