Der Nationalspieler lehnt sich mit der Kritik weit aus dem Fenster. Der Mannschaft tut er so nur bedingt einen Gefallen.

Den Ruhm des FC Bayern hat Philipp Lahm mit seinem Interview gewiss nicht gemehrt.

Eventuell könnten ihm die pikanten Aussagen sogar eine saftige Geldstrafe des Vereins einbringen.

Und doch hat der Außenverteidiger mit vielen Punkten Recht, die er in dem seitenfüllenden Gespräch in der "Süddeutschen" aufführt.

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Er stellt die Langfristigkeit der Einkaufspolitik der FCB-Bosse in Frage. Er vermisst eine Philosophie beim Rekordmeister und er macht das Mittelfeld als Hauptgrund für die Ergebnisflaute der stolzen Münchner aus.

So schonungslos hat das in den vergangenen Jahren kein Bayern-Profi gesagt.

Sicher lässt sich dem Nationalspieler entgegenhalten, dass die Münchner sich nicht erst seit den Trainern Jürgen Klinsmann und Louis van Gaal nichts sehnlicher wünschten, als eben jene Leitlinie zu finden.

Eine Philosophie, die etwa Topklubs wie den FC Barcelona und Chelsea ausmacht.

Doch die Münchner haben sich in den vergangenen Jahren zu oft dem Diktat des Erfolgs ergeben. Jede längere Ergebniskrise ließ zwangsläufig auch den Trainer wackeln.

Das Resultat: Von einer neuen Ära, die unter Ottmar Hitzfeld 2001 zum Triumph in der Champions League führte, sind sie meilenweit entfernt.

Stattdessen droht jetzt der Drache Europa League.

Auch das hat Philipp Lahm auf den Plan gerufen.

Doch macht es sich Lahm zu leicht, wenn er für internationale Meriten beim FC Bayern nicht mal acht Spieler sieht, "die auf ihrer Position ausgebildet sind, Sicherheit haben und damit konkurrenzfähig sind".

Denn so banal das klingt: Die Bayern haben enorme Qualität - als Einzelspieler und vor allem als Mannschaft.

Um beim vom Lahm kritisierten Mittelfeld zu bleiben:

Man stelle sich einen die Linie hoch und runter wieselnden Hamit Altintop vor und Bastian Schweinsteiger, der mit Fernschüssen das gegnerische Tor unter Dauerfeuer nimmt. Dazu Mark van Bommel und Anatoliy Tymoshchuk, die wie Bären den Weg zum eigenen Tor versperren.

Als Kreativpartner: Thomas Müller.

Lahm hat sich daher mit dem Interview genauso geschadet wie er in der Öffentlichkeit für seine mutigen Aussagen an Statur gewonnen hat.

Der 25-Jährige, wochenlang Ersatzkapitän für Mark van Bommel, krittelt am eigenen Team.

In der Mannschaft isoliert er sich so. Genauso wie Luca Toni.

Der wird ausgewechselt und düst noch in der Halbzeit wutentbrannt nach Hause.

Fehlt der Kitt des Erfolgs, droht in Fußballteams ein Kampf jeder gegen jeden.

Bei den erfolgsverwöhnten Münchnern gilt das um so mehr.

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