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Uli Hoeneß wurde als Spieler mit dem FC Bayern dreimal Deutscher Meister © imago

Im Interview spricht Bayern-Manager Uli Hoeneß über das Lahm-Interview, Luca Tonis Flucht, das Schalke-Spiel und van Gaals Situation.

Von Thorsten Mesch

München - Riesiges Durcheinander beim FC Bayern: Sportlich steht der deutsche Rekordmeister nach zwölf Bundesliga-Spieltagen nur auf Platz acht, in der Champions League droht das vorzeitige Aus.

Noch größere Probleme liegen bei den Münchnern jedoch momentan abseits des Spielfelds.

Das vor dem 1:1 gegen Schalke veröffentlichte Interview von Philipp Lahm, in dem er die Transferpolitik in den letzten Jahren und somit indirekt die Offiziellen des Vereins kritisierte, und Luca Tonis Flucht nach dessen Auswechslung sind Brandherde, mit deren Löscharbeiten Manager Uli Hoeneß und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge noch länger beschäftigt sein werden.

"Das wird er noch bedauern"

"Sie können versichert sein, dass er dieses Interview noch bedauern wird", raunzte Hoeneß am Samstagabend und kündigte ein Gespräch mit dem Nationalspieler an.

Bei den Sport1.de-Usern kamen Lahm offene Worte besser an: 80 Prozent sind der Meinung, dass Lahm mit seiner Kritik richtig lag.

Auf die Frage nach möglichen Konsequenzen für Luca Toni entgegnete Hoeneß, auch diese Problematik "auch in Ruhe in der nächsten Woche" behandeln zu wollen.

Verschiedene Brandherde

Fest steht: Bei den Bayern brennt es an allen Ecken und Enden. Die Vereinsbosse sind gefordert, doch wie werden sie reagieren?

Mit harter Hand oder mit Fingerspitzengefühl? Und wie ist die Position von Trainer Louis van Gaal, der mit seiner Mannschaft sechs Punkte Rückstand auf Platz eins hat?

Im Interview macht Uli Hoeneß seinem Ärger über das Lahm-Interview freien Lauf, spricht über Luca Tonis Flucht, das Spiel gegen Schalke und van Gaals Situation.

Frage: Können Sie mit dem 1:1 gegen Schalke zufrieden sein?

Uli Hoeneß: Ich weiß nicht. Über weite Strecken haben wir ganz ordentlich gespielt. Wir haben zu einem dummen Zeitpunkt das 1:1 kassiert. Wenn wir mit der Führung in die Halbzeit gegangen wären, wäre es vielleicht einfacher geworden. Wir hatten einige gute Chancen, die wir aber nicht genutzt haben. Es war sicherlich kein katastrophales, sondern ein ordentliches Spiel. Aber natürlich nützt uns das im Moment wenig, denn wir haben wieder einmal zwei Punkte liegen gelassen.

Frage: Muss Philipp Lahm für sein Interview in der "SZ" mit Konsequenzen rechnen?

Uli Hoeneß: Jetzt werden erst Gespräche geführt, und dann sehen wir weiter. Dass es nicht klug von ihm war, in so einer Phase so ein Interview zu geben, ist ja wohl selbstverständlich. Das hätte er besser nicht gegeben. Wir werden das in aller Ruhe besprechen - in meinem Büro. Sie können versichert sein, dass er das Interview noch bedauern wird. Er hat eindeutig gegen Regeln verstoßen.

Frage: Warum?

Hoeneß: Wir haben ja bisher auch nicht öffentlich darüber geredet, dass er ein besserer Linksverteidiger als ein Rechtsverteidiger ist. Die Meinung, dass er ein guter rechter Verteidiger ist, hat er sowieso ziemlich exklusiv."

Frage: Was denken Sie, wollte Lahm mit dem Interview bewirken?

Hoeneß: Ich sehe da die Handschrift von Roman Grill (Lahms Berater, d.Red). Der würde gerne bei uns arbeiten, nachdem man ihn in Hamburg nicht genommen hat. Der meint sowieso, dass er die Weisheit mit Löffeln gefressen hat. Auch für ihn wird es keine gute nächste Woche. Der will uns ja irgendwann auch wieder mal einen Spieler verkaufen.

Frage: Ein anderes Problem könnte Luca Toni sein, der nach seiner Auswechslung das Stadion verlassen hat. Ist das im Sinne des FC Bayern?

Hoeneß: Man braucht das nicht direkt nach dem Spiel zu bewerten oder ein Urteil zu sprechen. Das machen wir auch in Ruhe in der nächsten Woche.

Frage: Mit welchen Konsequenzen müssen die beiden Spieler rechnen?

Hoeneß: Ich wiederhole noch einmal: Das werden wir nächste Woche besprechen. Erst werde ich das ganze Interview in Ruhe lesen, und dann werde ich mich mit Philipp unterhalten.

Frage: Werden Sie bis zum nächsten Spiel gegen Leverkusen mit Louis van Gaal Gespräche führen und alles aufarbeiten?

Hoeneß: Was wir machen, das entscheiden wir immer noch selbst.

Frage: Kommt die Länderspielpause aus Ihrer Sicht zu einem guten oder schlechten Zeitpunkt?

Hoeneß: Ich denke, es wäre besser, wenn wir weiterspielen würden. Denn bei 14 Tagen ohne Spiele kann ich mir gut vorstellen, was der eine oder andere von Ihnen wieder aufführt. Es ist mir lieber, durch Ergebnisse zu überzeugen. Wenn keine Spiele sind, verbessert sich die Situation des FC Bayern im Allgemeinen nicht.

Frage: Haben Sie Angst vor dem Spiel gegen Tabellenführer Leverkusen?

Hoeneß: Ich habe nie Angst vor Mannschaften, die hierher kommen, um hoffentlich Fußball zu spielen. Trotzdem ist mir das Spiel zu spät. Mir wäre es lieber, es wäre schon am Mittwoch.

Frage: Wie geht es weiter, was den Trainer betrifft? Wie sehr stellen Sie nach den jüngsten Ergebnissen Louis van Gaal in Frage?

Hoeneß: Ich bin der Meinung, dass wir in aller Ruhe bis Weihnachten arbeiten sollten. Dann werden wir sehen, wie das Zwischenergebnis nach sechs Monaten ist. Dann kann man mehr sagen. Das ist alles noch zu früh, die ganze Saison war so zersplittert, jetzt haben wir schon wieder zwei Wochen Pause. In sechs Wochen ist ein guter Zeitpunkt, dann werden wir uns zusammensetzen und können sagen, wo wir eigentlich stehen.

Frage: Halten Sie es denn noch für realistisch, dass der FC Bayern, wie von Ihnen angekündigt, bis Weihnachten Erster sein wird?

Hoeneß: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich bin der Meinung, dass das nicht auszuschließen ist.

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