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Philipp Lahm könnte sich durch sein Interview in der Mannschaft isoliert haben © imago

Philipp Lahms Interview schlägt weiter hohe Wellen. Doch was ist dran, an seinen Vorwürfen? Sport1.de analysiert die Aussagen.

Vom FC Bayern berichtet Thorsten Mesch

München - Mit seinem aufsehenerregenden Interview in der "Süddeutschen Zeitung" hat Philipp Lahm für den Aufreger der bisherigen Bundesligasaison gesorgt.

Sport1.de nimmt Lahms Aussagen noch einmal genau unter die Lupe und erklärt, in welchen Punkten er Recht hat oder wo er falsch liegt.

Im zweiten Teil der Analyse geht es um Bayerns Transferkonzept und das Spielsystem.

Kritikpunkt: Fehlendes Konzept

Aussage: "Und dann holt man zum Beispiel Anatoliy Tymoshchuk, eine Art zweite Nummer sechs - aber dann spielt man nach Robbens Transfer plötzlich wieder nur mit einer Nummer sechs!"

Lahm hat Recht, weil:

Tymoshchuk war ein Wunschspieler Klinsmanns, van Gaal gibt auf der Sechs van Bommel den Vorzug. Tymoshchuk fühlt sich auf der rechten Seite nicht heimisch, und wenn Robben spielt, wie gegen Schalke, muss der Ukrainer wieder die Position wechseln.

Kritikpunkt: Spieler werden nach Namen gekauft

Aussage: "Man darf Spieler nicht einfach kaufen, weil sie gut sind."

Lahm hat Recht, weil:

Früher kaufte der FC Bayern häufig Spieler, die gegen sie gut gespielt hatten oder bei direkten Kontrahenten Leistungsträger waren (Beispiel Klose). So wurde gleichzeitig die Konkurrenz geschwächt. Das hat zuletzt nicht geklappt. Jüngstes Beispiel war Tim Borowski, der von Klinsmann geholt wurde, aber schon längst wieder in Bremen spielt. Wie es bei Mario Gomez aussieht, muss sich noch zeigen.

Kritikpunkt: Keine klare Linie im System

Aussage: "Wir haben jetzt viele Spieler, für die es in einem 4-3-3, das unser Trainer gerne spielen möchte, gar keine Position mehr gibt. Wir haben wirklich gute Stürmer - aber beim 4-3-3 sitzen zwei, drei immer auf der Bank. Wenn ich einen Mario Gomez kaufe, muss ich sagen: Okay, dann spielen wir mit zwei Spitzen. Und wir haben ja auch in der gesamten Vorbereitung nur 4-4-2 gespielt. Und dann kommt plötzlich Robben, ein toller Spieler, der zu uns passt - und der am liebsten im 4-3-3 spielt."

Lahm hat bedingt Recht, weil:

Für den Tanz auf mehreren Hochzeiten braucht der FC Bayern mehrere Stürmer internationalen Ranges. Konkurrenz belebt das Geschäft. Sollten die Münchner aus der Champions League ausscheiden, wird die Unzufriedenheit wachsen. Luca Tonis "Flucht" nach seiner Auswechslung gegen Schalke ist ein klares Zeichen. Stürmer brauchen Selbstvertrauen, und das bekommen sie durch konstante Einsätze und Erfolgserlebnisse. Bei Mario Gomez ist beides nicht der Fall.

Kritikpunkt: Der FC Bayern spielt zu wenige Chancen heraus

Aussage: "Wir müssen wieder offensiver spielen. Und was vorne im letzten Drittel passiert, ist zu wenig. Wir haben immer das Übergewicht, aber vier, fünf hundertprozentige Torchancen - das passiert bei uns eigentlich nie."

Lahm hat Recht, weil:

Beim 0:0 in Stuttgart hatten die Münchner nur eine Chance aus dem Spiel heraus. Gegen Schalke fiel das 1:0 nach einem Freistoß. Nach Robbens Einwechslung gab es eine kurze Phase mit Torgelegenheiten, doch insgesamt war das zu wenig. Das 3:0 gegen Wolfsburg, das 5:1 in Dortmund und das 4:0 im Pokal in Frankfurt waren wohl eher Ausrutscher nach oben.

Hier geht es zurück zum ersten Teil der Analyse

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