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Franz Beckenbauer hätte Lahm gerne weiterhin in der DFB-Auswahl gesehen
Philipp Lahm (r.) kam 1995 vom FT Gern München zu den Bayern © imago

Franz Beckenbauer schert aus der harten Linie des Bayern-Vorstands gegen aus und schließt sich Lahms Kritik teilweise an.

München - Die offizielle Reaktion der Bayern-Führung auf die Generalkritik von Philipp Lahm war eindeutig.

"Unakzeptabel", "eklatant" und "unverzeihlich" lauteten die Adjektive, die der Vorstand um Karl-Heinz Rummenigge in einer offiziellen Stellungnahme verwendete.

Manager Uli Hoeneß meinte in Lahms Richtung: "Das wird er noch bedauern."

Ganz anders die Reaktion der Sport1.de-User: 80,8 Prozent von über 60.000 Nutzern (Stand: Montag, 12.40 Uhr) stimmen Lahm zu - und weitere 17,5 Prozent kritisieren nur die Art und Weise, wie Lahm sie öffentlich gemacht hat.

Nur 1,7 Prozent finden, dass Lahm daneben liegt.

"Er schreit auf"

Franz Beckenbauer zeigt ebenfalls Verständnis für Lahm und äußert sich weit milder als der Bayern-Vorstand.

Bei der Talkshow "Sky 90" stellte Beckenbauer fest, man müsse Lahm "auch dankbar sein, dass er sich wehrt und aufschreit, um zu wecken".

Beckenbauer teilt auch in einigen Punkten die kritische Haltung des Nationalspielers - in anderen widerspricht der "Kaiser".

Sport1.de hat seine wichtigsten Aussagen zusammengefasst.

Zum Vorwurf verfehlter Transferpolitik:

"Wo ich dem Philipp Recht gebe, ist bei den Einkäufen, aber das gehört nicht in die Öffentlichkeit. Noch keiner der Neuen hat eingeschlagen.

Ob es jetzt Braafheid und Pranjic, Gomez oder Tymoshchuk sind. Da gibt es erhebliche Defizite. Aber die spielen ja nicht absichtlich so schwach 115098(DIASHOW: Die Neuzugänge des FC Bayern).

Auf der anderen Seite gehen uns Leute wie ein Ze Roberto und ein Lucio ab. Die Mittelstürmerrolle ist vierfach besetzt. Da wurde ein bisschen übertrieben."

Zur Systemfrage:

"Wenn ich höre, es gäbe nur ein System, dann habe ich einen Horror davor. Eine Mannschaft muss lernen, mehrere Systeme zu spielen, egal welche jetzt. Eine gute Mannschaft muss mit verschiedenen Systemen arbeiten können.

Es liegt nicht am System, bei uns liegt es an den Spielern. Welcher Spieler bringt denn seine Normalform? Auch Philipp Lahm bringt nicht seine Normalform. Bei uns spielen derzeit van Buyten, Badstuber und Thomas Müller normal. Der Rest spielt unter Wert."

Zum Vorwurf fehlender Philosophie:

"Die beste Philosophie ist, die Spiele zu gewinnen und aus seinem Klub eine Marke zu machen. Und das hat der FC Bayern bis jetzt geschafft."

Zur Dauerbaustelle Außenverteidigung:

"Wir suchen seit Jahren einen tauglichen rechten Verteidiger und haben ihn nie gefunden. Massimo Oddo hat bei Ballbesitz den Ball am liebsten nach links zu Franck Ribery geschlagen, damit er ein paar Minuten seine Ruhe hat. Und Philipp Lahm ist links ganz eindeutig stärker als rechts."

Zu den Konsequenzen für Lahm:

"Philipp wird eingesehen haben, dass er den falschen Weg gegangen ist. Er hätte die Schmerzen, die er jetzt hinausgeschrien hat intern kundtun müssen.

Die Geldstrafe wird ihn nicht arbeitslos machen und nicht in die Hungersnot treiben. Die Geschichte sollte man nicht übertreiben, es wird beim FC Bayern normal weitergehen."

Zur Kritik an Trainer Louis van Gaal:

"Weihnachten ist eine Zeit, in der man analysieren kann. Dann wird man sehen, wie es weitergeht. Natürlich müssen bis dahin Ergebnisse erzielt werden.

Wenn bis dahin alle Spiele verloren werden - was nicht passieren wird - dann wird das Treffen ernsthafter sein, als wenn man alle Spiele gewinnt.

Ich halte von van Gaal sehr viel, er ist ein gestandener Trainer, ein Fußball-Lehrer. Dass er noch sucht und wechselt, muss man ihm zugestehen."

Zur Stadionflucht von Luca Toni:

"Luca Toni ist ein stolzer Italiener, ist Weltmeister und ein Torjäger, den wechselt man nicht aus - meint er.

Aber ich bestrafe mich ja selbst, wenn ich den Torjäger nicht spielen lasse. Da gebe ich ihm lieber eine Geldstrafe und sage: 'Wenn Du die nächsten drei Spiele fünf Tore schießt, bekommst Du das Geld wieder zurück.' So könnte man ihn ein bisschen herausfordern."

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