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Joel Matip gewann mit der Schalker B-Jugend 2008 den Westfalenpokal © imago

Der Schalker Joel Matip war beim 1:1 in München die Überraschung der Partie. Doch Magath stapelt trotz des Erfolgs tief.

Von Thorsten Mesch und Matthias Fiedler

München - Er war die Entdeckung des Spiels: Joel Matip hatte beim 1:1 zwischen dem FC Bayern und Schalke04 wohl keiner auf der Rechnung.

Als vor der Partie die Aufstellungen herumgereicht wurden, fragten sich selbst Schalke-interessierte Beobachter: "Wer ist denn das?"

Unbekümmert und ausgefuchst

Der erst 18-Jährige spielte bei seinem Bundesliga-Debüt völlig unbekümmert. "Ausgefuchst", wie es sein Trainer Felix Magath später formulierte.

Mit seinem Ausgleichstreffer per Kopf kurz vor der Halbzeit sorgte er dafür, dass die Königsblauen weiter vor den Bayern stehen und Anschluss zur Spitzengruppe halten.

Doch wer ist eigentlich dieser Typ, von dem bisher niemand mehr wusste, als dass er irgendwo im Schalker Nachwuchs kickt?

Seit 2000 bei Schalke

Joel Matip, Bruder von Kölns Verteidiger Marvin Matip, begann mit dem Fußballspielen beim Bochumer Verein SC Weitmar 45.

Im Jahr 2000 wechselte er in die Jugendabteilung des FC Schalke 04 und absolvierte erst kürzlich in der Regionalliga West sein erstes Spiel für die "Zweite" der Knappen.

Noch keine Einladung zu den DFB-Junioren

Im Gegensatz zu Marvin, der die DFB-Nachwuchsteams durchllief, erhielt Joel bisher noch keine Einladung zur Nationalmannschaft. Beide Brüder könnten auch noch für Kamerun, das Heimatland ihres Vaters spielen.

Wenn Matip nicht gerade auf dem Platz schuftet, besucht er die 13. Klasse der Gesamtschule Berger Feld in Gelsenkirchen. In der "DFB Eliteschule des Fußballs" lassen die Königsblauen ihren Nachwuchs ausbilden.

Magath wirft ihn ins kalte Wasser

Seine Leistungskurse sind Mathe und Sport. Ein Sportler also, der rechnen kann ? genau der Richtige für Trainerfuchs Magath, der sich wiederum nicht verkalkulierte und mit dem Einsatz des "jungen Wilden" voll ins Schwarze traf.

Erst am Mittag vor dem Spiel informierte er Matip über seinem geplanten Auftritt beim FC Bayern.

"Der Trainer hat mich gefragt, ob ich mir zutraue, die Aufgabe zu erfüllen. Und ich habe ja gesagt", beschreibt der das kurze, aber erfreuliche Gespräch mit Magath.

Die Entscheidung kam so kurzfristig , dass Matip nicht einmal mehr Zeit hatte, seinem Bruder Marvin die frohe Kunde zu überbringen.

Fußballlehrer lobt Abiturient

Matip enttäuschte seinen Coach nicht, obwohl er zugab "anfangs schon ein bisschen nervös gewesen zu sein." Mit dem Anpfiff und der Unterstützung seiner Mannschaftskollegen sei die Unsicherheit aber schnell verflogen.

"Er hat intelligent gespielt ? und das 90 Minuten lang, nicht nur die erste Halbzeit. Joel hat seine Aufgabe hervorragend gelöst und war immer präsent", lobte Magath den Neuen, der im defensiven Mittelfeld begonnen hatte und später auf seine angestammte Position in der Innenverteidigung wechselte.

Im Mittelfeld habe sich das Fehlen des Youngsters dann sofort bemerkbar gemacht, befand Magath: "Es hat nicht mehr gestimmt und wir haben nicht mehr so gut gespielt."

Mehr Lob hätte sich der Schüler vom Fußballlehrer zu seinem Einstand wohl nicht wünschen können.

Verantwortung und Vertrauen

Dabei ist Matips Erfolg symptomatisch für das neue Schalke unter Magath. "Viel Verantwortung und gleichzeitig viel Vertrauen schenken" lautet nun die Devise auf Schalke.

Dass das in der richtigen Mischung durchaus fruchtet, bewiesen jüngst die Auftritte von vermeintlichen "No-Names" wie Christoph Moritz oder Lukas Schmitz, der in München das 1:1 per Freistoß auflegte.

Wenn auch, aufgrund finanzieller Problem, eher aus der Not geboren, scheint die Verjüngungskur beim Revierclub tatsächlich ein Konzept für die Zukunft zu sein.

Mehr als nur ein glückliches Händchen

Magath relativiert zwar: "Man muss Glück haben. Ich gebe jungen Spielern eine Chance, weil ich überzeugt bin, dass eine Mannschaft junge Spieler braucht. Es ist ja nicht so, dass gute Leistungen durch Handauflegen funktionieren."

Dennoch wird er insgeheim wissen, dass sein "Glück" mit Nachwuchstalenten nicht von ungefähr kommt.

Für Joel Matip heißt es trotz seines furiosen Auftritts erst mal wieder Schulbank drücken.

Doch zumindest die Fachwelt hat ihn jetzt auf dem Zettel und fragt sich beim nächsten Mal nicht wieder: "Joel wer?"

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