vergrößernverkleinern
Philipp Lahm (M.) und Luca Toni (r.) spielen seit Sommer 2007 gemeinsam für den FCB © imago

Einen Brandherd haben die Bayern-Bosse durch die Aussprache mit Philipp Lahm gelöscht. Doch Ruhe ist noch nicht in Sicht.

Von Martin Hoffmann und Christian Stüwe

München - Das größte Feuer des Wochenendes haben die Bayern gelöscht, oberflächlich zumindest.

Philipp Lahm hat sich bei den Bayern-Bossen für seine Generalkritik entschuldigt - und die haben die Angelegenheit für erledigt erklärt.

"Er hat sich beim Vorstand entschuldigt. Ich muss aber auch sagen, dass wir ihn ermutigt haben", sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge im "tz"-Interview.

"Er soll seine Meinung sagen. Aber zukünftig doch bitte im direkten Dialog", so Rummenigge weiter: "Philipp war vorher nie bei uns. Aber die Türe ist für ihn immer auf."

"Lahm irgendwann auch Kapitän"

Das Verhältnis zu Lahm sei "überhaupt nicht" beschädigt, stellte Rummenigge klar. Der Bayern-Boss zeigte sich sogar überzeugt davon, dass Lahm "irgendwann auch Kapitän des FC Bayerns" sein werde.

Der Trubel um Lahm, der in den letzten Tagen alles andere überlagert hat, scheint sich nun ein wenig zu beruhigen. Doch es ist bei weitem nicht der einzige Brandherd. Die anderen rücken nun wieder in den Vordergrund.

Toni entschuldigt sich

Allen voran der Ärger um Luca Toni, der sich bei Lahm fast bedanken kann, den Blick vom Eklat um seine Stadionflucht etwas abgelenkt zu haben.

Offiziell ist auch dieses Thema mit der Geldstrafe und einer Entschuldigung des Stürmers gegenüber Vorgesetzten und Kollegen erledigt.

"Luca hat die Größe bewiesen, sich beim Verein und bei der Mannschaft zu entschuldigen", hatte Rummenigge verkündet - er war im klärenden Gespräch zwischen Toni und Louis van Gaal am Sonntagvormittag Dolmetscher und vermittelnde Instanz.

"Damit ist auch dieses Thema erledigt", stellte Rummenigge klar und lenkte den Blick auf kommende Aufgaben: "Wir müssen uns jetzt auf das extrem wichtige Spiel gegen Leverkusen vorbereiten."

Stadionflucht im brisanten Kontext

Unter der Oberfläche dürfte es jedoch weitergehen - zumal Tonis Stadionflucht in einem ohnehin schon brisanten Kontext steht.

Der Weltmeister kokettiert seit Wochen immer mal wieder mit einem Abschied, klagt oft - meist in den italienischen Heimatmedien - über mangelnde Wertschätzung bei van Gaal.

Die "Bild" berichtete unter anderem von einem Vorfall, in dem der Coach den Italiener nach seiner Meinung zur offensiven Taktik befragte - und die dann komplett ignoriert hat.

"Das ist mir nicht bekannt", sagte Rummenigge im Hinblick auf einen möglichen Abschied des Italieners aus München.

Van Gaal: Schonfrist bis zum Winter

Der Trainer selbst steht auch weiterhin im Kreuzfeuer, nachdem beim 1:1 gegen Schalke wieder kein Befreiungsschlag geglückt ist.

Manager Uli Hoeneß hat dem Niederländer nach dem Remis zugesichert, bis zum Winter unbehelligt arbeiten zu können: "Ich bin der Meinung, dass wir in aller Ruhe bis Weihnachten arbeiten sollten."

Woraus sich nur automatisch die Frage ableiten lässt: Und dann?

Man werde dann sehen "wie das Zwischenergebnis nach sechs Monaten ist", so Hoeneß: "In sechs Wochen ist ein guter Zeitpunkt, dann werden wir uns zusammensetzen und können sagen, wo wir eigentlich stehen."

Erinnerungen an Klinsmann

Hoeneß' Worte wecken Erinnerungen, an das "Sommerzeugnis", bis zu dem die Bayern abwarten wollten, wie es mit Jürgen Klinsmann weitergehen würde.

Bekanntlich hat es Klinsmann nicht bis zum Sommer geschafft. Ende April wurde er suspendiert.

"Ich bin sehr gespannt, ob der Mann dazu in der Lage ist, das Ruder rumzureißen", blickt der ehemalige Bayern-Star Stefan Effenberg im "Stern" schon voraus.

Leverkusen-Spiel hat "unglaubliche Bedeutung"

Auch hier ist "Feuerwehrmann" Rummenigge bemüht, die Situation zu beruhigen: "Es nützt nichts, den Trainer mit irgendwelchen Aussagen unter Druck zu bringen. Wir müssen jetzt alles in die Waagschale legen. Das nächste Spiel hat eine unglaubliche Bedeutung."

Es scheint, als hinge der weitere Saisonververlauf vom Spiel gegen den Tabellenführer aus Leverkusen ab. Mit einem Sieg würden die Münchner den Kontakt zur Tabellenspitze wieder herstellen. Bei einer Niederlage würde der Rückstand schon auf neun Punkte anwachsen.

Was diesen Punkt angeht, versucht Rummenigge erst gar nicht, die Brisanz runterzuspielen: "Das nächste Spiel bietet uns die Möglichkeit, die Kurve zum Guten zu kriegen. Wie müssen einen Befreiungsschlag erringen."

Es lastet also ein immenser Druck auf den Spielern des FC Bayern, ja auf dem ganzen Klub.

Neue Gerüchte um Ribery

Und als wäre das alles noch nicht genug, kocht auch das ewige Thema Franck Ribery wieder hoch. Diesmal berichtet die spanische Zeitung "Sport" aus Barcelona, dass die Bayern bereit wären, den Franzosen im Sommer für 35 Millionen Euro ziehen zu lassen.

Wie plausibel das ist, ist fraglich, wenn man bedenkt, dass die Summe 15 Millionen unter der liegt, für die Hoeneß im vergangenen Sommer nicht mehr als ein Bein von Ribery hergeben wollte.

Zugleich heißt es, dass "Scheich-Klub" Manchester City bei einem Wechsel im Winter mehr Geld springen lassen würde. Für mehr als ein Ribery-Bein, mutmaßlich.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel