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Oddo, Borowski, Breno, Podolski und Rensing (v.l.n.r.) saßen oder sitzen meist auf der Bank © getty

Teil 2 der Sport1.de-Serie: Bayern lag mit den Transfers in der letzten Zeit oft daneben, besonders bei jungen Spielern.

Von Christian Stüwe

München - Die Unruhe beim FC Bayern nach dem schwachen Saisonstart wächst.

Das Spitzenspiel gegen Bayer Leverkusen am Sonntag wird schon zu einem "Endspiel" für Trainer Louis van Gaal.

Sport1.de nimmt die Querelen zum Anlass zu einer Serie zu den Brennpunkten beim Rekordmeister.

Im zweiten Teil geht es um die Transferpolitik der Münchner. (Hier geht es zum ersten Teil der Serie: Die Bayern-Trainer)

Philipp Lahm hatte dazu in seinem kritischen Interview für jede Menge Zündstoff gesorgt.

"Ich glaube, in der Vergangenheit lief das mit den Transfers nicht immer glücklich", hatte Lahm unter anderem gesagt. 57408(Diashow: Bayern Lutscher und Entlauber)

Ein Wink mit dem Zaunpfahl. Und beim Blick zurück stechen tatsächlich einige Fehlschläge ins Auge 174775(Diashow: FC Hollywood, die Zweite!)

Der fehlende Außenverteidiger

Egal ob unter Ottmar Hitzfeld, Jürgen Klinsmann, Jupp Heynckes oder nun Louis van Gaal, ein Problem zieht sich wie ein roter Faden durch die letzten Spielzeiten.

Seit sich Willy Sagnol verletzte und immer öfter ausfiel, ist der zweite Außenverteidiger neben Lahm eine Schwachstelle im Team.

In der vergangenen Spielzeit versuchten sich die enttäuschende Milan-Leihgabe Massimo Oddo und Christian Lell, der aktuell keine Rolle mehr spielt, rechts hinten.

Auch der vor der Saison aus Karlsruhe zurückgekommene Andreas Görlitz hat sich nicht bewähren können.

Nun bemüht sich van Gaals Wunschspieler Edson Braafheid als Linksverteidiger, während Lahm auf rechts spielt.

Überzeugen konnte der Zwei-Millionen-Euro-Mann bisher allerdings nicht. Und auch Lahm wirkt auf rechts weniger stark.

Chelseas Jose Bosingwa, vor der Saison Wunschkandidat der Münchner, ließ sich nicht zu einem Wechsel in die Bundesliga bewegen.

Teure Missverständnisse

Einen teuren Fehlgriff tätigten die Bayernscouts in der zentralen Defensive. Der brasilianische Innenverteidiger Breno wechselte im Winter 2008 für 12,3 Millionen Euro an die Isar.

Scoutingleiter Wolfgang Dremmler hatte Breno beim FC Sao Paulo entdeckt, der für die Sichtung in Südamerika zuständige Giovane Elber von "einer absoluten Granate" gesprochen.

Gezündet hat diese bisher allerdings nicht. Breno brachte es lediglich auf sechs Spiele in der Bundesliga.

Karl-Heinz Rummenigge sprach bei seiner Verpflichtung zwar von "einer Investition in die Zukunft". Diese scheint Breno allerdings nicht mehr zu haben.

Längst wird von seinem Abschied gesprochen, vielleicht schon im Winter.

Auch Marcell Jansen war ein teures Missverständnis. Für zehn Millionen Euro kam der Außenverteidiger aus Mönchengladbach und sollte zusammen mit Lahm die Lösung auf den Außenbahnen sein.

Doch Jansens Entwicklung stagnierte bei den Bayern, er wechselte nach nur einem Jahr in München zum HSV.

Auch Danijel Pranjic, vor der Saison für 7,7 Millionen Euro vom SC Heerenveen verpflichtet, überzeugte bisher nicht.

Lucio und Ze Roberto zu früh abgegeben

Vor der Saison wurden Innenverteidiger Lucio (Inter Mailand) und der defensive Mittelfeldmann Ze Roberto (HSV) abgegeben. Die beiden Routiniers sind zwar schon in die Jahre gekommen, ihren Zenit haben sie aber noch nicht überschritten.

Das beweisen sie bei ihren neuen Vereinen.

Wenig Geduld mit jungen Spielern

Generell scheint der FC Bayern kein gutes Pflaster für junge Spieler zu sein. Ob nun Lukas Podolski, Jan Schlaudraff, Alexander Baumjohann, Andreas Ottl, Michael Rensing, Jose Ernesto Sosa oder Roque Santa Cruz - sie alle galten einst als große Talente.

Beim FC Bayern fielen sie allerdings in ein Loch und wurden größtenteils wieder abgegeben. Selbst Toni Kroos (an Leverkusen ausgeliehen) oder Mats Hummels (jetzt in Dortmund) schafften den Sprung nicht.

Gleiches gilt für zwei Spieler, die aktuell in der Champions League für Aufsehen sorgen.

Zvjezdan Misimovic, der Spielmacher des VfL Wolfsburg, durchlief die Jugendabteilungen der Bayern, wurde in der Regionalligamannschaft der Bayern Torschützenkönig, dann aber zum VfL Bochum abgegeben.

Auch Alou Diarra, der von 2000 bis 2002 bei den Bayern-Amateuren kickte, erhielt bei den Profis keine Chance.

Mittlerweile ist er Kapitän bei Girondins Bordeaux und französischer Nationalspieler. Gegenbeispiele sind aktuell allerdings Holger Badstuber und Thomas Müller, die sich in der ersten Mannschaft bewährt haben.

Fazit:

Die Bayern leisteten sich in den vergangenen Jahren einige Schnitzer auf dem Transfermarkt.

"Fleiß und Glück", nannte Chefscout Dremmler einst als wichtigste Tugend der "Adleraugen".

Zumindest das Glück scheint in der jüngeren Vergangenheit etwas abhanden gekommen zu sein.

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