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Michael Preetz war sechs Jahre lang Spieler unter Jürgen Röber (l.) bei der Hertha © imago

Die Lage für die Hertha ist brenzlig. Ex-Trainer Jürgen Röber macht den Berlinern Hoffnung und verteidigt den Manager.

Von Matthias Fiedler

München - Mickrige vier Punkte hat die Berliner Hertha nach zwölf Spieltagen auf dem Konto. Sechs Punkte beträgt der Rückstand des Tabellenletzen aufs rettende Ufer. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Bisher klammerten sich die Verantwortlichen an Durchhalteparolen und setzten auf Besserung in den darauffolgenden Partien.

Spätestens aber nach der unglücklichen Niederlage gegen den 1. FC Köln ist klar, dass der "Alten Dame" so langsam aber sicher die Zeit davonläuft.

"Es müssen in jedem Fall vor der Winterpause noch Punkte her und eventuell ein Sieg gegen ein größeres Kaliber", stellt Jürgen Röber bei Sport1.de klar.

Sieg gegen "größeres Kaliber" notwendig

Der 55-Jährige kennt das Umfeld in Berlin bestens. Er trainierte den Hauptstadtklub von 1996 bis 2002.

Im Sport1.de-Interview erklärt Röber, warum die Hertha den Befreiungsschlag noch aus eigener Kraft schaffen kann - und Manager Michael Preetz an der Krise keine Schuld trägt.

Sport1.de: Herr Röber, im Vorjahr qualifizierte sich die Hertha für die Europa League, spielte sogar lange um die Meisterschaft. Jetzt stehen die Berliner fast hoffnungslos auf dem letzten Tabellenplatz. Wie konnte es dazu kommen?

Jürgen Röber: Es ist ja nicht das erste Mal, dass Mannschaften, die in einem Jahr ganz oben waren, durch Trainerwechsel oder fehlende finanzielle Möglichkeiten auf einmal in Schieflage geraten. Berlin hat bisher oft unverdient verloren. Das gewisse Quäntchen Glück, was sie in der vergangenen Saison häufiger hatten, fehlt einfach.

Sport1.de: Aber Glück ist doch nicht alles. Was sind Ihrer Meinung nach die Hauptgründe für die Misere?

Röber: Das ist nicht so einfach auszumachen. Oft bedarf es nur ein paar Verletzungen oder richtig Pech, so wie gegen Köln, als Raffael zwei Mal knapp den Pfosten traf. Dazu kommt, dass zu Beginn der Saison finanziell nicht besonders große Sprünge drin waren. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schnell ein Team dann in den Abwärtsstrudel geraten kann.

Sport1.de: Dieser Abwärtstrend vollzog sich bei der Hertha binnen eines halben Jahres. Liegt es eventuell auch an Manager Michael Preetz, der als Einkäufer und Krisenmanager bisher womöglich eher unglücklich agiert hat?

Röber: Für die Einkäufe zu Saisonbeginn war doch nicht Michael Preetz, sondern zum größten Teil Ex-Trainer Lucien Favre verantwortlich. Michael ist neu im Geschäft und hat eine unheimlich prekäre Situation vorgefunden. Ich finde es deshalb falsch, ihn gleich anzuzweifeln. Preetz ist ein intelligenter Bursche und mit Sicherheit nicht der Schuldige. 171441(Die Bilder des 12. Spieltags)

Sport1.de: Den Weggang der Leistungsträger Josip Simunic, Andrej Voronin und Marco Pantelic hätte der Verein jedoch besser kompensieren können...

Röber: Es ist ein hartes Brot, für diese Top-Leute gleich adäquaten Ersatz zu finden. Außerdem waren die finanziellen Möglichkeiten dafür nicht gegeben. Soweit ich weiß, ist Andrej Voronins Weiterverpflichtung am Geld gescheitert. Und Marco Pantelic Gehaltsvorstellungen waren ebenfalls nicht zu erfüllen. Hätte sich die Hertha für die Champions League qualifiziert und ordentlich Geld eingesackt, wäre das sicherlich alles anders gelaufen.

Sport1.de: In der Winterpause hat die Hertha die Möglichkeit sich zu verstärken. Wen würden Sie empfehlen?

Röber: Schwer zu sagen. Manche Verpflichtungen sind für kleines Geld zu haben und schlagen voll ein. Andere Spieler kosten gleich zwei Millionen, und trotzdem ist nicht garantiert, dass sie den Karren aus dem Dreck ziehen. Wichtig wird sein, den Markt genau zu beobachten und herauszufinden, wer zur Mannschaft und dem Gehaltsgefüge des Klubs passt.

Sport1.de: Sie kennen Trainer Friedhelm Funkel sehr gut. Trauen Sie ihm zu, das Ruder noch mal herumzureißen?

Röber: Ja, auf jeden Fall. Friedhelm ist der Typ dafür. Er kann die Leute begeistern. Außerdem kennt er sich aus und hat solche Situationen bereits erlebt.

Sport1.de: Allerdings konnte sich noch nie ein Verein mit einer Bilanz von nur vier Punkten aus den ersten zwölf Spielen retten. Warum sollte das ausgerechnet der Hertha gelingen?

Röber: Das ist ganz einfach: Der Abstand zu den Mannschaften oben drüber ist noch nicht so groß. Mit ein, zwei gewonnenen Spielen sind die Berliner wieder im Geschäft. Hertha ist nicht so schlecht, wie es die derzeitige Tabellensituation aussagt. Sie haben Ebert, sie haben Raffael und Ramos. Nur müssen sie irgendwann die Kurve bekommen.

Sport1.de: Wie können denn die Berliner Ihrer Meinung nach die Kurve noch bekommen?

Röber: Das wird nicht leicht, weil sich das Restprogramm in der Hinrunde mit Schalke, Leverkusen und Bayern wirklich gewaschen hat. Natürlich brauchen die Jungs auch die Unterstützung der Fans. Doch die bekommen sie nur, wenn sich Erfolge einstellen.

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