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Robert Enke von Hannover 96 spielte 196 Mal in der Bundesliga © getty

Der Nationalkeeper von Hannover 96 nimmt sich das Leben, kommt bei einem Unfall an einem Bahnübergang bei Hannover ums Leben.

Von Christian Paschwitz

München - Fußball-Deutschland ist geschockt: Robert Enke hat sich das Leben genommen.

Der deutsche Nationaltorwart starb am Dienstagabend an einem Bahnübergang in Neustadt am Rübenberge im Ortsteil Eilvese nördlich von Hannover, nur wenige Kilometer entfernt von seinem Bauernhaus in Empede.

Nach Sport1.de-Informationen parkte Enke seinen schwarzen Mercedes-Geländewagen unweit des beschrankten Bahnübergangs, um dann auf die Gleise zu gehen.

Der heranfahrender Regionalexpress RE 4427, der zwischen Hamburg und Bremen unterwegs war, überrollte Enke mit rund 160 Stundenkilometern gegen 18.17 Uhr. Der 32-Jährige muss auf der Stelle tot gewesen sein.

Enkes Frau am Unglücksort

Stefan Wittke, Leiter der Pressestelle der Polizei Hannover, ließ offen, ob ein Abschiedsbrief gefunden wurde, bestätigte allein, dass sich auch Enkes Ehefrau Teresa später an der Unfallstelle aufgehalten habe.

Wittke erklärte, alles deute darauf hin, dass es sich um Selbsttötung handele.

Enkes enger Freund und Berater Jörg Neblung bestätigte dagegen den Suizid: "Ich kann bestätigen, dass es sich um Selbstmord handelte. Robert hat sich das Leben genommen. Alles Weitere werden wir am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Hannover mitteilen."

Die PK wird gegen Mittag (ab 12.50 LIVE und im DSF (Bundesliga-Aktuell-Sondersendung ab 18 Uhr) in der AWD-Arena stattfinden.

Ehemann und Familienvater

Enke hinterlässt neben Ehefrau Teresa die acht Monate alte Tochter Leila, die das Paar im Mai adoptiert hatte.

Martin Kind hatte die Öffentlichkeit als Erster über Enkes Tod informiert: "Das ist ganz furchtbar", sagte Hannovers Präsident, den die Nachricht bei seiner Rückkehr von der Sitzung der Deutschen Fußball-Liga am Flughafen ereilte.

"Man rechnet mit vielem, aber nicht mit so etwas", so Kind gegenüber der "dpa". "Ich weiß nicht, warum es und wie passiert ist.

Kind: "Er war labil"

Der 96-Chef meinte weiter, "dass es nichts mit Fußball zu tun hat." Zugleich sagte Kind aber auch: "Er war labil." Das sei in der Öffentlichkeit wohl nicht aufgefallen. "Er hat das überlagert."

Laut "Bild" soll Enke in psychologischer Behandlung gewesen sein.

Später relativierte Kind: "Es war ein Unfall. Das ist eine absolute Katastrophe. Ich kann es gar nicht fassen und auch nicht weiter kommentieren."

Fans gedenken mit Teelichtern

Vor drei Jahren hatte Enke einen schweren Schicksalsschlag zu verkraften, als Enkes Frau ihre zweijährige Tochter Lara verlor, die an einem angeborenen Herzfehler litt.

Vor der 96-Geschäftsstelle versammelten sich am späten Abend etwa 300 Fans, Spieler und Weggefährten und bekundeten ihr Beileid.

Sie zündeten Kerzen an und legten Blumen nieder. Aus Teelichtern wurde eine 96 geformt.

Unter Schock standen auch Enkes Teamkollegen: Mike Hanke, Sergio Pinto, Arnold Bruggink - nach und nach fanden sich die Kollegen Enkes an der Spielstätte des Erstligisten ein. Zu einer Stellungnahme waren sie nicht in der Lage.

DFB und Bierhoff geschockt

Mit tiefer Bestürtzung reagierte der Deutsche Fußball-Bund und die deutsche Nationalmannschaft, die am Samstag in in Köln gegen Chile spielen soll, auf die Schocknachricht von Enkes Tod.

"Wir sind fassungslos und voller Trauer. Unser ganzes Mitgefühl gilt der Frau von Robert Enke und seiner Familie", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger.

Bundestrainer Joachim Löw und Manager Oliver Bierhoff informierten die Spieler und Betreuer am Dienstagabend in Bonn.

Länderspiel droht Absage

Bierhoff sagte: "Wir sind alle geschockt, uns fehlen die Worte."

Ob die Nationalmannschaft das Spiel am Samstag bestreitet, ist noch unklar. Das gepante Training am Mittwochvormittag und alle für den Tag geplanten Interviewtermine wurden bereits abgesagt.

Eine Absage der Partie gegen Chile ließ DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach offen: "Dazu kann man zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen. Wir werden uns jetzt erst einmal sammeln und überlegen, was zu machen ist."

Und weiter: "Am Mittwoch werden wir uns zu dem Thema äußern. Es ist schlimm genug. Wir sind alle fassungslos."

Beckenbauer ist "unendlich traurig"

Auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff verlieh seiner Trauer Ausdruck. "Deutschland verliert einen Ausnahmesportler und einen sensiblen Menschen, der für viele ein Vorbild war. Wir trauern um ihn."

Bayern-Präsident Franz Beckenbauer wiederum sagte, dass er "unendlich traurig" sei: "Wenn man eine solche Nachricht bekommt, werden alle anderen Probleme ganz klein."

Lienen: "Unfassbarer Schlag"

Für 1860-München-Trainer Ewald Lienen, der Enke 2004 nach Hannover in die Bundesliga zurückgeholt hatte, bezeichnete den Tod seines ehemaligen Schützlings als "unvorstellbar".

Er habe bereits mit Weggefährten und Teamkollegen Enkes wie Steven Cherundolo, Michael Tarnat und Hanno Balitsch gesprochen:

"Für uns alle ist es ein unfassbarer Schlag, den wir kaum in Worte fassen können. Dass er in so einer Situation war, so etwas ins Auge fassen konnte, tut mir unendlich leid und unendlich weh", so Lienen.

Rätselhafte Virus-Erkrankung

Zuletzt hatte Enke nach einer rätselhaften Viruserkrankung und neun Spielen Pause sein Comeback in der Bundesliga gegeben.

Die Viruserkrankung hatte sich letztlich als bakterielle Infektion des Darms herausgestellt.

"Das war eine verdammt lange Zeit, fast ein Viertel der Saison. Aber es war von der ersten Sekunde an wieder ein gutes Gefühl", hatte Enke kürzlich gesagt.

Der Torwart galt bis zu dieser Erkrankung als Favorit auf den Posten des Stammtorwarts in der Nationalmannschaft für die WM 2010 in Südafrika.

Enke, der am 24. August 1977 in Jena geboren wurde, bestritt insgesamt acht Länderspiele.

Auch in Spanien, Portugal und in der Türkei

In neun Jahren Bundesliga absolvierte er zudem 196 Spiele für Hannover 96 und Borussia Mönchengladbach.

Begonnen hatte Enke seine Karriere beim SV Jenapharm Jena. Weitere Stationen waren Carl Zeiss Jena und Mönchengladbach, bevor er den Schritt ins Ausland wagte.

Enke spielte bei Benfica Lissabon, dem FC Barcelona, Fenerbahce Istanbul und CD Teneriffa, bevor er in Hannover unterschrieb.

Schweigeminute in Barcelona

Enkes Tod löste auch in Spanien große Bestürzung aus.

Die Verantwortlichen des FC Barcelona gedachten des Verstorbenen vor dem Pokalspiel gegen den Drittligisten Cultural Leonesa im Stadion Nou Camp mit einer Schweigeminute.

Im Hintergrund wurde klassische Musik eingespielt, die Spieler senkten die Köpfe.

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