Robert Enke bekam auf tragische Weise zu spüren, dass es im Leben Wichtigeres als Fußball gibt. Sein Tod rückt genau das in Erinnerung.

Es ist schwer, Worte zu finden über ein Ereignis wie den Tod von Robert Enke - auch für diejenigen, deren Beruf es ist, in so einer Situation Worte zu finden.

Normalerweise geht es im Fußball um Siege, Niederlagen, Spielerwechsel, Verletzungen, große und kleine Krisen.

In diesem großen Mikrokosmos können einem diese Dinge auch manchmal vorkommen, als wären sie die wichtigsten auf der Welt.

Robert Enke gehörte zu denjenigen, die auf schmerzhafte Weise erfahren mussten, wie unbedeutend der Fußball werden kann.

Enkes Ehefrau brachte im Jahr 2004 die gemeinsame Tochter Lara zur Welt, die an einem angeborenen Herzfehler litt. Sie musste dreimal am offenen Herzen operiert werden.

Obwohl sie zunächst überlebte, zogen die Enkes sie im Bewusstsein auf, dass sie nie völlig gesund werden würde.

Zwei Jahre später starb Lara.

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Es sind Erfahrungen, die die meisten anderen in Enkes Alter nicht machen mussten. Und man kann so nur in Ansätzen nachfühlen, wie sich Enkes Innenleben durch diese Erfahrung verändert hat.

Auch wenn Enke mit seiner Trauer öffentlich umging, in mehreren Interviews über seinen Umgang mit dem schweren Schicksal sprach.

Er schilderte der Öffentlichkeit die Schwierigkeit, ohne Lara das erste Weihnachtsfest zu erleben, das erste Silvester.

Aber er erklärte auch, wie er trotz allem mitfeierte, denn: "Die Trauer darf dich nicht besiegen."

Dabei machte Enke immer klar, dass man ein solches Schicksal nicht final "überwinden" kann: "Die Leere, wenn jemand stirbt, ist immer da."

Und doch schien es, als würde er so weit es eben ging, mit der Leere umgehen können.

Erst im Mai hatten die Enkes ein neues Familienglück mit der Adoption einer kleinen Tochter gefunden.

Nun ist Robert Enke tot und die Fußballwelt bekommt die Leere zu spüren, von der er sprach. Eine Leere, die bleiben wird.

Eine Antwort auf die Frage, was Enke nun so weit gebracht hat, den Freitod zu suchen, kann ein Außenstehender nicht geben.

Und es führt auch letztlich zu nichts, sich jetzt ausschweifende Gedanken darüber zu machen.

Der wichtigste Gedanke in diesen Stunden lautet: Es gibt Wichtigeres als Fußball.

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