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Ehefrau Teresa berichtete, dass ihr Mann schon länger unter Depressionen litt. Teresa kämpfte mit den Tränen und sagte: "Ich habe geglaubt, mit Liebe können wir das durchstehen"
Ohne Worte: Robert Enkes Ehefrau Teresa bei der Pressekonferenz am Mittwoch © getty

Nach Robert Enkes tragischem Tod geben seine Frau und der behandelnde Arzt erste Erklärungen. Der DFB sagte das Länderspiel ab.

Von Martin Volkmar

München/Hannover - Schwere Depressionen sind offenbar der Grund für Robert Enkes Selbstmord.

Dies gaben seine Ehefrau Teresa und der behandelnde Facharzt Dr. Valentin Markser auf einer kurzen und sehr emotionalen Pressekonferenz am Mittwochmittag in Hannover bekannt.

Schon seit 2003 litt der Nationaltorwart an dieser Krankheit. Auslöser waren die damaligen sportlichen Tiefschläge in Barcelona und Istanbul.

Aus Angst habe Enke das aber bis zum Schluss verheimlicht. 173197(DIASHOW: Abschied von Robert Enke)

Es habe laut Markser "latente, aber keine akuten Selbstmordgedanken gegeben".

Daher sei der Suizid völlig unerwartet gekommen. "Das Ausmaß konnte er gut verbergen", sagte Markser.

Seine Ehefrau erklärte: "Wir dachten, Liebe löst alle Probleme. Aber offensichtlich war es wohl doch nicht so."

Der DFB sagte als Reaktion auf das Unglück das für Samstag angesetzte Länderspiel gegen Chile ab.

Polizei findet Abschiedsbrief

Zuvor hatte die Polizei Hannover weitere Details über die Vorgänge bekanntgegeben.

"Es gibt einen Abschiedsbrief. Mit Rücksicht auf die Familie werden wir nicht sagen, wo wir den Brief gefunden haben", sagte Sprecher Stefan Wittke "N24".

Im Laufe des Tages will die Polizei die Ermittlungen abschließen.

Am Abend zuvor hatte Wittke im DSF Details des tragischen Unglücks bekanntgegeben, bei dem Enke um 18.25 Uhr bei Neustadt am Rübenberge von einem Regionalexpress mit 160 Stundenkilometern überrollt worden war.

Zuvor hatte er seinen schwarzen Mercedes etwa zehn Meter von den Gleisen unverschlossen abgestellt und sein Portemonnaie auf dem Beifahrersitz liegengelassen.

Danach ging Enke mehrere 100 Meter an den Gleisen entlang, ehe er vom Zug erfasst wurde.

Notbremsung kam zu spät

"Der Zugführer hatte eine Person bemerkt und den Verdacht, diese erfasst zu haben", berichtete Wittke. Die sofort vorgenommene Notbremsung kam zu spät.

"Dann wurde rasch die Identität geklärt, und es ergab sich die traurige Gewissheit, dass es sich um Robert Enke handelt", erklärte der Polizeisprecher weiter.

Danach wurde Enkes Ehefrau Teresa informiert, die wenig später an der nur rund vier Kilometer vom Wohnhaus entfernten Unfallstelle eintraf.

Schon zuvor hatte sie sich große Sorgen gemacht, nachdem Enke nicht zum Nachmittagstraining bei Hannover 96 erschienen und auch nicht übers Mobiltelefon zu erreichen war.

"Wir haben Angst bekommen"

"Wir haben Angst bekommen. Ich habe seine Frau Teresa losgeschickt, ihn zu suchen. Und ich habe die Polizei alarmiert", berichtete Berater Neblung der "Bild".

Nach der traurigen Gewissheit versammelten sich bald mehrere hundert Menschen am Unglücksort und an der Vereinsgeschäftsstelle. Kerzen wurden aufgestellt sowie Schals und Trikots niedergelegt.

"Das ist alles irreal. Es scheint ihm wirklich schlecht gegangen zu sein", sagte 96-Manager Jörg Schmadtke bei einer Pressekonferenz in der Nähe der Unfallstelle.

Anfang Oktober Comeback

Enke hatte erst Anfang Oktober nach einer langwierigen und rätselhaften Darminfektion sein Comeback in der Bundesliga gefeiert. "Wir haben natürlich eingewirkt und Hilfestellung geleistet", berichtete Schmadtke über die mehrwöchige Pause.

Doch nun schien er auf dem Weg zur vollen Leistungsstärke. "Wir haben vor ein paar Tagen noch mal intensiv geredet. Ich habe ihm gesagt, dass nach der Campylobacter-Infektion wieder alles in Ordnung ist", sagte Hannovers Vereinsarzt Wego Kregehr.

"Er hat mir gegenüber nie erwähnt, dass er psychische Probleme hat."

Entsprechend ungläubig wurde die Nachricht über den Selbstmord aufgenommen. "Ich kann kaum atmen vor Trauer. Es ist eine Tragödie", meinte HSV-Kapitän David Jarolim.

Fassungslosigkeit auch beim DFB-Team

Auch bei der deutschen Nationalmannschaft war man fassungslos. "Mir fehlen die Worte", erklärte Spielführer Michael Ballack, der sich mit seinen Teamkollegen am Dienstag in Bonn getroffen hatte.

Das Training und sämtliche Interview-Termine am Mittwoch wurden abgesagt.

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