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Die Egos von van Gaal und Hoeneß erwiesen sich schließlich als unvereinbar, van Gaal musste gehen. Hoeneß attestierte ihm bei aller Fachkompetenz später "menschlich eine Katastrophe" gewesen zu sein
Uli Hoeneß (r.) gewann mit den Bayern als Manager 2001 die Champions League © getty

Der Manager fordert vom Bayern-Trainer "Fortschritte". Indes kündigt Keeper Rensing an, den Klub im Sommer verlassen zu wollen.

Von Mathias Frohnapfel

München - Uli Hoeneß erhöht den Druck auf Bayern-Trainer Louis van Gaal.

"Wenn wir das Gefühl haben", sagte der FCB-Manager, "dass das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer nicht funktioniert oder blockiert die Entwicklung der Einzelnen, dann müssen wir nachdenken."

Aktuell laufen die Münchner als Tabellenachter den eigenen Erwartungen hinterher, zudem droht in der Champions League das Ausscheiden bereits in der Gruppenphase.

Auch deshalb will Hoeneß nun eine positive Entwicklung sehen. In Bezug auf van Gaal sagte er der "Welt":

"Ich stecke keinen Zeitrahmen. Mir geht es darum, dass er und die Mannschaft es schaffen, dass es Fortschritte gibt. Das beurteilen wir."

Rensing will Bayern verlassen

Indes hat Michael Rensing seinen Abschied aus München für den Sommer 2010 angekündigt.

"Dann macht es keinen Sinn für mich zu bleiben", sagte Rensing der "Sport Bild".

Rensing reagierte damit auch auf Hoeneß' Ankündigung, dass im kommenden Sommer ein neuer Keeper zum Rekordmeister kommen soll.

"Jetzt schaue ich nach vorne und möchte bei einem neuen Verein zeigen, wie gut ich bin."

Aktuell ist Rensing damit beschäftigt, auf einen "guten Abschied aus München" hinzuarbeiten.

Das will der 25-Jährige durch entsprechenden Einsatz im Training erreichen.

"Ich hätte weggehen sollen"

Selbstkritisch äußerte er sich auch dazu, dass er den Durchbruch beim FCB nicht schaffte.

"Ich hätte weggehen sollen und zwei, drei Jahre irgendwo anders im Tor stehen müssen, das muss ich jetzt machen."

Und er ergänzte: "Ich möchte nicht darauf herumreiten, aber beim FC Bayern werden keine Fehler verziehen, und so ist nun einmal meine Situation."

Hat Hoeneß' Hilfe geschadet?

Mit Rückblick auf die vergangene Saison stellte Rensing fest, dass ihm die Unterstützung von Manager Hoeneß nicht geholfen haben.

"Uli Hoeneß hat trotz seiner Erfahrung die Situation falsch beurteilt. Dass er mir am Anfang bei Klinsmann so den Rücken freigehalten hat, das hat mir im Nachhinein mehr geschadet als geholfen", erklärte der Torhüter.

Ribery und Robben fehlen wie früher Beckenbauer und Müller

Hoeneß analysierte derweil die Krise beim Vizemeister. Besonders die langwierigen Verletzungen der Stars Franck Ribery und Arjen Robben tue den Bayern weh.

Zu seiner aktiven Zeit sei Bayern von Franz Beckenbauer und Gerd Müller abhängig gewesen.

"Meinen Sie, dass der FC Bayern ohne die beiden dreimal den Europapokal der Landesmeister gewonnen hätte oder Deutschland 1974 Weltmeister geworden wäre? Da hat sich kein Mensch darüber aufgeregt. Diese Diskussion ist doch lächerlich", sagte Hoeneß.

Spielen "nicht an Leistungsgrenze"

Der Manager kritisierte allerdings, dass einige der Spieler "nicht an ihrer Leistungsgrenze spielen". Der Kader an sich habe die Qualität, um Deutscher Meister zu werden, betonte Hoeneß.

Aus seiner Sicht muss van Gaal Erfolge sammeln, da er "sehr dominant auftritt".

"Er ist ein selbstbewusster Mann, der sich auch von der Presse nichts gefallen lässt. Das ist nicht jedermanns Sache."

Wenn van Gaal keinen Erfolg habe, schlussfolgert Hoeneß, "wird er immer kritisch beurteilt, von den Medien und von der Öffentlichkeit".

"Jetzt ist keine Transferzeit"

Das Thema Transfergerüchte möchte der Manager aktuell am liebsten ausklammern. Das gilt besonders für Stürmer Luca Toni.

"Wir versuchen alles, um Ruhe rein zu bekommen. Jetzt ist keine Transferzeit."

"Wir wären doch mit dem Klingelbeutel geschlagen, wenn wir uns jetzt darüber Gedanken machen würden, welche Spieler wir im Winter abgeben sollten. Dann gebe ich ihnen das Gefühl, sie nicht mehr zu brauchen."

Mit Blick auf den großen Kader gab Hoeneß zu: "Das verursacht derzeit gewisse Probleme, weil wir zu viele Spieler haben."

Dennoch werde der Klub im Winter keinen Profi zwingen, den Verein zu verlassen.

"Wir werden nicht zu Luca Toni gehen und sagen, verdammt noch mal, wir wollen dich von der Gehaltsliste haben, such dir einen anderen Verein. Das gibt es bei Bayern München nicht."

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