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Clemens Tönnies (r.) und Peter Peters haben mit Schalke schwierige Aufgaben zu bewältigen © imago

Gelsenkirchens Stadtrat genehmigt eine Millionenzusage, Magath hat keine Angst vorm Weggang von Talenten, Jones fehlt noch lang.

Von Thorsten Mesch

München - Es ging um mehr als 25 Millionen Euro.

Am Donnerstagabend hat der Rat der Stadt Gelsenkirchen darüber entschieden, ob die Städtische Gesellschaft für Energie und Wirtschaft (GEW) sich an der Stadiongesellschaft der Arena Auf Schalke beteiligt.

Pikant, denn die Stadt Gelsenkirchen hat nach eigenen Angaben mehr als 500 Millionen Euro Schulden.

Dennoch hat der Stadtrat dem Millionendeal zugestimmt. Es gab nur eine Gegenstimme.

"Damit ist die laufende Saison durchfinanziert. Ein weiterer Verkauf von Rechten, Anteilen oder Spielern ist aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus nicht notwendig", sagte Schalke Finanzvorstand Peter Peters.

Auf rund 250 Millionen Euro belaufen sich die Verbindlichkeiten des FC Schalke 04, der Verein kann die Finanzspritze von 25,5 Millionen (Verkauf von Kommanditkapital an der Arena für 15 Millionen, 10,5 Millionen als Darlehen) also sehr gut gebrauchen.

Trotz der starken finanziellen Schieflage und den Vorermittlungen der Essener Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung bleibt Finanzchef Peters gelassen: "Wir sind nicht überschuldet und waren nie in Gefahr, Insolvenz anzumelden."

Neuer als mögliche Erlösquelle

Dennoch: Spielerverkäufe sind nicht ganz auszuschließen. Das wissen die Offiziellen, und das weiß auch die Mannschaft.

Ein Transfer von Manuel Neuer wäre, so drückte Marcelo Bordon aus, "für die Fans sehr schlimm. Aber man muss sehen, was für den Verein wichtig ist", erklärte der Abwehrchef.

"Vielleicht wäre es deswegen besser für Schalke, wenn Manu geht - weil man für ihn richtig viel Geld bekommen kann", sagte Bordon der "Sport Bild".

Keine Angst vor Weggang von Talenten

Dass der FC Bayern den Schalker Torwart gern als neue Nummer eins verpflichten würde, daraus machen die Münchner kein Geheimnis.

Dass andere Vereine zudem ein Auge auf die von Trainer Felix Magath mit großem Erfolg in die Profimannschaft integrierten Newcomer wie Lukas Schmitz, Christoph Moritz oder zuletzt Joel Matip, Torschütze beim 1:1 in München, werfen könnten, lässt den Coach kalt.

"Wir bieten den Spielern auf Schalke eine Perspektive. Wenn einer trotzdem denkt, anderswo wäre es besser für ihn, dann habe ich kein Problem damit, wenn er sich etwas anders sucht", sagt Magath im "kicker": "Dann setzen wir eben auf den nächsten Spieler."

Jones fällt für den Rest des Jahres aus

Doch momentan kann der Coach nicht auf die Nachwuchs-Talente verzichten. Schmitz, Moritz und zuletzt Matip mussten in die Bresche springen, weil sich Jermaine Jones zu Beginn der Saisonvorbereitung am 25. Juni einen Haarriss im linken Schienbein zugezogen hatte.

Jones, dessen erster Comebackversuch im September gescheitert war, wird wohl bis zum Ende der Hinrunde fehlen.

Gastspieler unter Beobachtung

"Wir haben schon fast Mitte November und es sieht nicht so aus, als ob er in den nächsten vier Wochen den Anschluss packen könnte", sagte Magath, der weiter auf der Suche nach Verstärkungen ist.

Am Mittwoch hatte der Coach zwei Gastspieler im Training unter Beobachtung: Mittelfeldspieler Tobias Rathgeb (27) der zuletzt bei Hansa Rostock aussortiert worden war, und Stürmer Jan Landau (20) vom Hamburger Oberligisten FC Bergedorf 85.

Betrugs-Anklage gegen Tönnies-Firma

Unterdessen steht Aufsichtsratschef Clemens Tönnies im Visier der Justiz. Allerdings nicht wegen der bedrohlichen finanziellen Situation des Klubs, sondern wegen Unregelmäßigkeiten in seinem Unternehmen.

Die Staatsanwaltschaft Bochum erhob gegen den Fleischfabrikanten sowie gegen zwölf seiner früheren und jetzigen Mitarbeiter Anklage wegen Betruges.

Tönnies und seine Angestellten sollen Hackfleisch mit einem zu geringen Rindfleischanteil vertrieben haben. Den Abnehmern sei dadurch ein Schaden in Millionenhöhe entstanden. Die Beschuldigten hätten den Vorwurf, soweit sie sich geäußert haben, zurückgewiesen, hieß es aus Kreisen der Staatsanwaltschaft.

Die Schalker Klubführung dürfte jedoch weniger interessieren, ob, wie das Unternehmen berichtet, tatsächlich 23 der ursprünglich 24 Vorwürfe ausgeräumt sind.

Denn zunächst geht es um mehr als 25 Millionen.

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