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Wer bleibt länger beim FC Bayern? Louis van Gaal (l.) oder Luca Toni? © getty

Jetzt heißt es auch noch van Gaal gegen Toni. Es ist ein Zwist, der sich beim FC Bayern bis in die obersten Gremien auswirkt.

Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - Er fühlt sich zermürbt.

Vier lange Monate voller Entbehrungen und Unverständnis haben ihn gequält.

Und Luca Toni nennt als Ursache ganz klar eine Person: Louis van Gaal.

"Wenn ich Trainer wäre, würde ich mein Team den ganzen Tag am Strand spielen lassen", hat der Stürmer einmal gesagt.

Van Gaal raunzt ihn wegen falscher T-Shirts beim Mittagessen an. 174775(Diashow: FC Hollywood: Klappe, die zweite)

Der niederländische Coach, bekannt als Disziplinliebhaber, und der italienische Lebemann, sie passen einfach nicht zusammen.

Mittlerweile ist daraus ein Machtkampf entstanden, der sich bis in den Vorstand auswirkt.

Deutliche Zeichen

Und an dessen Ende muss wohl einer von beiden gehen: Entweder Toni oder van Gaal 110436(Diashow: Die Wechselbörse).

Momentan herrscht Eiszeit zwischen den Gegenpolen.

Nach seiner Flucht aus dem Stadion während des letzten Heimspiels gegen den FC Schalke (1:1), entschuldigte sich der 32-jährige Toni zwar beim Team, nicht aber beim Coach. Ein klares Zeichen.

Dass dieser ihn nach überstandener Achillessehnenverletzung in die Reserve schickte und ihn danach trotzdem lange nicht bei den Profis spielen ließ, wurmte den stolzen Weltmeister von 2006 enorm (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Ich bestimme, wann jemand fit ist. Nicht der Spieler. Der denkt sowieso, er ist immer fit", hatte van Gaal in dieser Phase gesagt.

Klar, danach setzte er Toni oft ein. Doch jetzt, wo der Trainer aufgrund des ausbleibenden Erfolgs wackelt, wittert der Angreifer seine Chance.

Auch, weil dieser einen mächtigen Verbündeten hinter sich weiß. Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge ist einer der wichtigsten Bezugspersonen für Toni beim FC Bayern.

Was will Rummenigge?

Dass Rummenigge mittlerweile ein frostiges Verhältnis zu van Gaal nachgesagt wird, würde gleichzeitig ins Bild passen.

Sie sollen seit Wochen nicht mehr miteinander gesprochen haben. Auch beim vermeintlichen Friedensgespräch zwischen Toni und van Gaal am 8. November saß er nicht mit am Tisch.

Die "Bild" berichtete zwar das Gegenteil, doch der Bayern-Boss erzwang eine Gegendarstellung.

"Ich war bei diesem Gespräch nicht dabei, weder als Vermittler noch als Dolmetscher", betonte er dabei.

Hoeneß auf van Gaals Seite

Uli Hoeneß gilt dagegen intern als Fürsprecher von van Gaal. Er schätzt dessen Fachwissen.

Am Ende seiner Manager-Ära will er sich nach dem enttäuschenden Auftritt von Jürgen Klinsmann zudem keinen weiteren Trainer-Flop nachsagen lassen.

Verlieren die Bayern am Sonntag gegen Bayer Leverkusen und scheiden am Mittwoch danach gegen Maccabi Haifa aus der Champions League aus, spitzt sich die Lage weiter zu.

Wie ernst diese eineinhalb Wochen vor der Jahreshauptversammlung bereits ist, zeigt auch eine Reaktion von Abwehrspieler Martin Demichelis.

"Micho" fürchtet Chaos

Er befürchtet noch schwerere Zeiten.

"Ich hoffe, dass es nicht zu spät ist, um die Saison in die richtige Richtung zu lenken. Andernfalls wird es chaotisch und noch schlimmer", warnte der Argentinier in der "Bild".

"Wir Spieler müssen für Ruhe sorgen und Spiele gewinnen, um so schnell wie möglich unten raus zu kommen."

Van Gaal nahm er hingegen ausdrücklich in Schutz.

"Er hat uns gesagt, dass die ersten Monate mit ihm schwierig werden. Es brauche Zeit, bis wir seine Art verinnerlicht haben", erinnerte der 28-Jährige.

Butt: "Es helfen keine Interviews"

Jörg Butt erinnerte indes im DSF an "das Riesenpotenzial der Mannschaft".

Und mit Blick auf die kritischen Aussagen von Philipp Lahm sagte der Bayern-Keeper: "Es helfen keine Interviews, um in die Erfolgsspur zu kommen. Jeder Einzelne muss sich jetzt auf das Wesentliche konzentrieren."

Zwei Sorgen weniger hat Coach van Gaal im Duell mit Leverkusen immerhin.

Miroslav Klose, der nach der Schweinegrippe-Erkrankung seiner Zwillinge unter Quarantäne stand, hat sich nicht angesteckt und steht zur Verfügung.

Auch mit Arjen Robben, der am Wochenende über erneute Knieprobleme klagte, kann der FC Bayern planen.

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